Verfickter Scheiß Heavy Metal mit den GALACTIC SUPERLORDS! – Interview mit Katharina

Galactic Superlords

Jaky im Stadtgarten zu Köln – der kleine Kellerklub ist ja nicht gerade bekannt für ausschweifende Metalgigs. Während draußen Hunderte den lauen Frühlingsabend im Biergarten genossen, war unten im Jaky so gut wie kein Durchkommen mehr – fast 200 Leute wollten die Post-pandemische Rückkehr der Galactic Superlords auf Kölner Bühnen miterleben.  Es herrschte eine totale Partystimmung, die Band brillierte und feuerte ein gnadenlos geiles Set ab – ein Kracher folgte auf den anderen, der charismatische Basser Christian wirbelte in der Mitte, die beiden Gitarristen überboten sich mit ihren klassischen Lizzy-Maiden-mäßigen Twin-Guitar Attacken, die einem die Freudentränen in die Augen trieben.  Bis zur letzten Note ein fantastischer Gig – stets angefeuert von der charismatischen Sängerin mit der großen Metal-Stimme: Katharina Heldt. Die Galactic Superlords sind spätestens jetzt die wahren Kölner Metal-Helden. Cool, dass sich Katharina im Anschluss noch für ein kleines Interview mit uns Zeit nahm!

 

entertaim.net: Du bist ja auch ’ne richtige Rampensau…. 

Katharina: Ich muss sagen, ich bin schon ein wenig eingerostet. Da geht noch mehr!

entertaim.net: Ein nachpandemischer Rostschaden…😁 aber interessant war euer Publikum heute: von uralten Metalfans mit Kutte bis zu Oberstufenschülern – eine sehr schräge Mischung! 

Katharina: Das ist natürlich Köln. Viele Leute, die wir kennen, waren heute da. Verrückterweise kommen dann aber auch immer Leute, die diese Musik sonst gar nicht hören! Z. B. Freunde von mir, die sonst eher Hip Hop hören, die finden das, was wir machen, cool und kommen dann zu uns.

entertaim.net: Ihr spielt ja eine total unhippe Musik – aber ihr bietet das so überzeugend und mit so viel Verve und Herzblut dar, dass es dann fast schon wieder hip wird, euch zu sehen. Ich muss gestehen, ich hab euch zum ersten Mal gehört mit eurem letzten Album , dabei gibt’s euch schon viel länger. Da frag ich mich: wie kann es sein, dass ich hier in Köln lebe und hatte vorher nie von euch gehört? 

Katharina: Offensichtlich ist es schwierig durchzudringen. Gerade in Köln lebt man ja auch so in seiner Musiker-Bubble. Man hat dann schon das Gefühl, jeder kennt jeden, jeder hat mal von uns gehört… Vielleicht machen wir einfach zu wenig Werbung (lacht) . Wir machen halt auch alles selbst. Wir hatten schon mal Anfragen von Labels, die viele Dinge übernehmen wollten – was uns dann aber nicht gepasst hat. Die wollten dann die Rechte an den Songs so und solange – und dann könnten wir da nichts mehr mit machen… wir wollen eigentlich selbst darüber entscheiden. Gerade wenn man das als ausgeprägtes Hobby macht, aus Leidenschaft, dann kann man sich das auch erlauben, zu sagen: nee, wir wollen das alles lieber selbst entscheiden.

entertaim.net: Ich hab euch kennengelernt über einen Artikel im Eclipsed 2021. Ich hatte nie zuvor von euch gehört. Dann macht ihr diesen megafetten geilen Metalsound, geniale Arrangements, tolle Sängerin, Twin Guitars ohne Ende, ich war echt perplex! Hätte nie gedacht, dass es in Köln so eine geile Metalband gibt – ich meine, Köln ist ja nicht als Hochburg des Metal bekannt…. 

Katharina: Ist uns irgendwann auch aufgefallen. Der Friese, der im Underdog Record Store arbeitet, der Mercher von Turbostaat, der hat dann mal zu uns gesagt: Ihr seid New Wave Of Kölsch Heavy Metal. Megageil. Das war das erste Mal, dass uns das mit Köln so bewusst wurde. Den Hashtag #NewWaveOfKölschHeavyMetal benutzt ja niemand außer wir! Das, was wir machen, gibt es in Köln einfach auch nicht.

entertaim.net: Das gibt es auch kaum in NRW, und sogar kaum in Deutschland!!

Katharina: Ja, so Richtung Süden, Aschaffenburg gibt’s richtig geile Scheiße, Vulva, oder Pulver. Gerade Pulver finde ich megageil. Die verfolgen das auch so in unsere Richtung. Wucan aus Dresden machen das auch so ein bisschen, wobei die auch noch sehr viel experimenteller sind, nicht nur Metal.

entertaim.net: Lucifer fällt mir noch ein! 

Katharina: Ja genau, Lucifer, die sind auch noch relativ frisch. Das ist ja auch so eine „Kreuzcombo“ aus Vulture und ein bisschen Iron Kobra.   Megageil. In Köln gibt es noch Cherokee , auch mit Sängerin. Da hab ich früher auch mal gesungen. Die machen eher so traditionellen 70er Hardrock.

entertaim.net: In Schweden muss es ein Nest geben, dort gibt es ja gefühlt Hunderte von Bands die so eine Musik machen. Dead Lord z. B. 

Katharina: Findest du das ähnlich?

entertaim.net: Ja, von den Arrangements her, und der Art, Melodien zu spielen… 

Katharina: Ja ok, stimmt wohl.

entertaim.net: Aber ihr seid natürlich frischer und geiler. Es knüpft an die Tradition an, fügt aber was neues hinzu. Und auf der Bühne macht ihr richtig was her, geiles Stageacting, die Gitarristen machen richtig Wind. Obwohl es heute ziemlich eng auf der Bühne war…  

Katharina: Ja, sehr, aber wir haben auch schon noch engere gespielt. Sonic Ballroom z. B. , da spielen wir nächstes Wochenende.

entertaim.net:  Das ist ja noch viel kleiner dort. 

Katharina: Trotzdem, es geht immer irgendwie. Sonic ist immer geil. Das ist unsere Heimat dort. Wir haben da schon sehr oft gespielt. Am wohlsten fühlen wir uns auf eigentlich richtig großen Bühnen  (lacht). Ist wirklich so, und dort funktioniert es auch am Besten für uns. Wir hatten jetzt die Videopremiere vom Hellseatic Festival in Bremen vom letzten Jahr. Voll geil. Wir heben auch mit Daily Thompson schon Festivals gespielt, die finde ich auch megageil.

entertaim.net:  Großartige Band, aus Dortmund!! 

Katharina: Mit denen haben wir mal an einem Dienstagabend in Köln den Laden ausverkauft, das war ein absoluter Abriss!

entertaim.net: Ist es für euch schwer an Gigs ranzukommen, so nach der Pandemie? 

Katharina: Das ist das bei uns immer so organisch, es funktioniert immer irgendwie, entweder wir kümmern uns oder es kommen Anfragen. Und das passt am Ende immer irgendwie zusammen. Wir haben das Glück, immer so zweimal im Monat einen Gig zu haben. Wenn jetzt nicht die Pandemie gewesen wäre, hätten wir auch nicht in Köln zweimal kurz hintereinander gespielt. Aber wir müssen jetzt mal wieder ran, wir haben Bock. Und tatsächlich war der Sonic-Gig eine Geburtstagsanfrage. Eine Bekannte von uns feiert da ihren Geburtstag, und wir spielen da mit Nitrovolt zusammen, das ist ja auch eine Kölner Hausband.  Und die Festivals im Sommer sind ja schon länger in der Pipeline. Draußen haben wir natürlich noch ein paar mehr Gimmicks. Ich hab ja eigentlich auch noch ein Schwert! Das kommt bei einem Song zu Einsatz, den wir grad nicht spielen können, weil unser Gitarrist Dennis nicht dabei ist.

entertaim.net: Wie, ihr habt jetzt 3 Gitarristen??

Katharina: Na klar! Der Phil gehört jetzt auch zum Inventar. Bei der NWOKHM braucht man DREI Gitarristen (lacht).  Wenn Dennis wieder dabei ist, wird es sogar noch geiler, weil er ja auch Songs singt, das kannst du bei der Aufnahme von „Warpath“  vom Hellseatic gut sehen.

entertaim.net:  Dann habt ihr jetzt also endlich ein paar Gigs vor der Brust!

Katharina: Ja,  jetzt im Sonic, dann das Iron Fest  10.  Juni  und in Hessen das Take Me To The Moon am  11.  Juni, dann kommt am 16. Juli das Dong Open Air – ein fettes Festival,  da bin ich echt aufgeregt! Dann am 13. August das Hoflärm Festival,  das ist uns eine Herzensangelegenheit, das organisiert ein guter Freund von uns. Der ist noch sehr jung, und ist echt schon ein absolut krasser Festival-Organisator, der holt z. b. einfach mal die Monolords auf sein Festival.

entertaim.net: Euer letztes Album Freight Train ist ja ein Knaller, auch soundtechnisch. Wer hat das eigentlich produziert?

Katharina: Das war Rene Hoffmann von Wight aus Darmstadt. Ein Musiker durch und durch , der hat mit uns auch schon das erste Album gemacht, der kennt uns, der weiß genau, wie er alles aus uns rausholt.

entertaim.net: Du hast heute zwischendurch mal so eine geile Ansage gemacht, irgendwie so: wollt ihr scheiß Metal….  

Katharina: Ach so! „Habt ihr Bock auf verfickten scheiß Heavy Metal?“ (lacht).

entertaim.net: Genau so! Ihr habt heute abend auch 2 neue Songs gespielt. Habt ihr noch mehr ?

Katharina: Ja schon, aber die sind noch nicht ganz so weit. Wir haben in der Pandemie echt viel im Proberaum abgehangen und haben Songs geschrieben. Wir haben uns  hoffentlich auch dabei weiter entwickelt, das ist uns immer wichtig gewesen,  dass wir nicht stehen bleiben. Man sieht ja auch den Sprung vom ersten zum zweiten Album.

entertaim.net: Wann wird denn dann das dritte Album angegangen? 

Katharina: Das haben wir noch gar nicht besprochen. im Endeffekt dann, wenn wir die Songs alle mal gespielt haben, und wenn wir denken, dass die reif sind. Das muss sich entwickeln, das muss reifen. Deswegen haben wir die heute auch mal gespielt. Das ist ja das Geile an DIY, wir können das selbst entscheiden. Wir haben ja keinen Druck. Wir haben ja noch alle unsere Jobs, keiner macht sich deswegen Stress. Wir haben Bock, es ist geil, wir gehen vorwärts, aber ohne Druck!

entertaim.net: Ihr macht das alles ja schon ein paar Jährchen..

Katharina: Ja, seit 2015 so richtig. Vor allem erstaunlich, dass wir immer noch die gleiche Besetzung haben, ist ja auch nicht unbedingt normal. Wir sind auch alle wirklich gute Freunde.

entertaim.net: 7 Jahre, überleg mal, da haben die Beatles ihre gesamte Karriere gehabt, vom ersten Album bis Let it be… 

Katharina: (lacht) stimmt! Wer weiß was noch kommt!

entertaim.net: Wie bist du eigentlich damals auf Metal gekommen, als du angefangen hast? 

Katharina: Also ehrlich gesagt: das hatte mich erst gar nicht so gepackt. Ich hatte nie gesagt: „ich will unbedingt Heavy Metal singen! Das ist meine Berufung!“ Das hat sich ganz natürlich dahin entwickelt. Ich kannte ja Dennis, wir waren Schulfreunde. Karsten und Lantin waren auch auf dieser Schule, die beiden waren aber auch mit meinen Bruder befreundet, die waren etwas älter, deswegen kannte ich die auch schon sehr lange.  Dennis und ich hatten früher schon zusammen Musik gemacht – aber genauso hatte ich mit Karsten zusammen Musik gemacht. Das hat sich alles so verwoben irgendwann, es musste dann so kommen. wir hatten uns aber nie festgelegt: „hey, wir machen jetzt eine Metalband.“ Im Gegenteil, Dennis und ich hatten erst überlegt, so in Richtung Country, Americana zu gehen, ein bisschen mit Akustikgitarre. Mein Vater war ja auch Musiker, der war  bei der kölschen Bluesrockband Veedel Vüür. Und da hat Karsten auch Drums gespielt!

entertaim.net: Ach so ist die Geschichte! Veedel Vüür kenn ich ja auch. Was für Verbindungen, wusste ich gar nicht. Also bist du in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen. 

Katharina: Ja klar, mein Vadda hat mir frühzeitig gute kölsche Musik beigebracht: BAP, LSE, sowas. Das hat mich mega geprägt. Deswegen hab ich einfach angefangen, Musik zu machen. Zuerst hab ich Schlagzeug gespielt, ich hatte damals dem Karsten sein altes Schlagzeug abgekauft. Und dann bin ich mit dem Singen angefangen. Irgendwann  hat mein Vater mich gefragt, ob ich auch mal ein „richtiges“ Instrument lernen will (lacht).  Er als Gitarrist meinte halt, Drums, naja.. war natürlich auch ein Gag.  

entertaim.net: Und dann kam es zum Heavy Metal…

Katharina: Also wir hatten echt alle ganz unterschiedliche Einflüsse und Vorlieben, und trotzdem hatten wir einen gemeinsamen Nenner: und das war Heavy Metal. Thin Lizzy, Judas Priest, Iron Maiden.

entertaim.net: …gehst du zum Maiden Konzert im Stadion?

Katharina: Natürlich, wir alle zusammen! Wir haben uns alle Tickets gekauft…- vor 3 Jahren!

entertaim.net: Genau so lange ist das schon her! Und dann 2 mal verschoben. 

Katharina: Genau, und das war halt immer schon unser gemeinsamer Nenner, der Metal. Deswegen hat es sich in die Richtung entwickelt. Es ist einfach so passiert!

entertaim.net: Na dann mal schauen was die Zukunft für die Galaktischen Superlords noch bringt….  

 

 

Martin Hannig