SCORPIONS / Rock Believer

Scorpions Rock Believer

Scorpions – Rock Believer  (Vertigo/Universal Music)

Für ihr 19. Studioalbum setzen die Scorpions ihre Tradition des leicht subversiven Artworks fort. Rock Believer spielt mit der unheiligen Allianz von Hard Rock und Religion – und erinnert nicht von ungefähr an das berühmte Blackout-Cover.

Das letzte Album der Scorps stammt aus dem Jahre 2015. Nach einer beeindruckenden Karriere hätten sie sich ohne schlechtes Gewissen in den Ruhestand begeben können. Aber nein, sie  melden sich mit einem supertollen Album zurück (11 Songs + 4 Bonussongs und eine Akustikversion). Rock Believer ist eine Mischung aus extrem kraftvollen Hard-Rock-Hymnen und ein paar balladesken Stücken, die sie damals international bekannt gemacht haben.

Das Eröffnungstrio „Gas In The Tank“, „Roots In My Boots“ und „Knock ‚em Dead“ beweist eindrucksvoll, dass die Scorpions immer noch sehr inspiriert sind. Mit diesen Knaller-Songs können sie auch im fortgesetzten Alter (Schnker und Meine sind 73!) noch jede Bühne in Brand setzen! Es sprüht nur so vor Energie. Dabei haben sie wieder ihren klassischen Trademark-Sound ungefähr Höhe Blackout wiederentdeckt. Wie geil ist das denn! Klaus Meines Stimme – obgleich natürlich im Alter leicht verändert – bleibt unverkennbar. Die Songs haben immer noch einen modernen Touch und hören sich nicht an wie aus der Resterampe geplündert. Apropos Vergangenheit: das Riff von „Rock Believer“ ist schon sehr Scorpions-nostalgisch, aber auf eine coole Art. Der Song ist eine wohlverdiente Hommage an ihre unglaubliche Karriere, ein absoluter Top-Song, der auf einer Stufe mit ihren Glanztaten steht!
Die Popularität der Scorpions gerade in den USA  beruhte auf ihren Balladen. „Shining Of Your Soul“ und „When You Know (Where You Come From)“ lassen sich nicht ganz mit „Still Loving You“ vergleichen, sind aber tolle Beispiele für die Meine-Schenker-Balladenkunst. Das Mid-Tempo-Stück „Seventh Sun“ ist ebenfalls eine gelungene Überraschung und ein weiteres Highlight des Albums (die Basslinie erinnert ein wenig an „The Zoo“). Auch  „Peacemaker“ und „When I Lay My Bones To Rest“ sind gewaltige Rocker, die man den Scorps gar nicht mehr zugetraut hätte.  Und das liegt nicht zuletzt an der pumpenden Energie von Mikkey Dee, der alles was ihn bei Motörhead groß gemacht hat – überragende Technik, knalliger Sound, Präzision – hier einbringt und die Scorps – ähnlich wie damals Motörhead – auf eine neues Level hebt.

Die Bonussongs sind eine nette Ergänzung, mehr nicht. Die 11 Songs des Albums reichen völlig, um mich begeistert zurückzulassen.

Fazit: Seit Blackout (und das ist ein paar Jährchen her) haben die Scorps nicht derartig fett gerockt. Wer hätte das gedacht!!!

Rock Schmidt

4/5 P.