Running Wild / Blood On Blood

Running Wild / Blood On Blood (Steamhammer/SPV)

Running Wild / Blood On Blood (Steamhammer/SPV)

Es ist vielen ein Rätsel, dass Rock ’n‘ Rolf es geschafft hat, über 40 Jahre lang mit der Piraten-Masche durchzuhalten. Man könnte meinen, dass dem Mann irgendwann die verwegenen Geschichten ausgehen, aber da liegt man falsch, denn Running Wild veröffentlichten gerade ihr 17. Studioalbum BLOOD ON BLOOD. Nicht immer kann man sich ein unfreiwilliges Grinsen verkneifen. Klar, Running Wild…. Aber um es positiv zu wenden: Blood on Blood ist tatsächlich eine extrem solide Sammlung von Old School-Metal-Songs, die dir die Gehörgänge und das Hirn freiblasen! 

Der superhymnische Titeltrack als Opener lässt sofort alle Vorbehalte schwinden, die der eine oder die andere gegenüber Rolfs Piratenmetal hat. Hier wird Einigkeit und Zusammenstehen proklamiert, wie es nur im Metal möglich ist. Sofortiger Ohrwurm! Tracks wie „Say Your Prayers“ und „Diamonds & Pearls“  bewegen sich zwar auf eher ernsterem Terrain, sind aber auch vollgestopft mit Priest-ähnlichen Hooks und Mitgröhl-Refrains , die man noch Stunden nach dem Ende des Albums mitsummen kann.

Stücke wie „Wild & Free“ und das schunkelig-balladeske „One Night, One Day“ überzieht so ein 80er-Metal-Schmalz – sicher gut gemeint, aber auch gut gemacht? Da sind Bands wie das Night Flight Orchestra oder auch The Darkness sicher kompetenter aufgestellt. Aber gut, es trägt hier zum Abwechslungsreichtum der Platte bei.  Sogar eine fette Partyhymne ist mit Wild Wild Nights erstmals auf einem Running Wild Album zu hören – inspired by Crazy Crazy Night von Kiss, schätze ich, und ziemlich gut gemacht! Der über 10-minütige Albumabschluss „The Iron Times (1618-1648)“  ist dann ein absolutes Highlight in der Songwriting-Karriere des Rolf Kasparek: ein episches Stück Geschichte aus dem 30jährigen Krieg, folkig angehaucht, und es gehört mit mit 11 Minuten Länge in bester Maiden Tradition zu den geilsten Stücken von Running Wild überhaupt.  

BLOOD ON BLOOD zeigt, dass nach 40 Jahren die Kreativität von Running Wild weiter fließt, und dass es immer noch Schätze für Rolf und seine Piraten-Crew zu plündern gibt. Kasparek – der in den letzten Jahren mit diversen ärgerlichen Krankheiten zu kämpfen hatte – kann es immer noch, und er muss sich hinter keiner der derzeit angesagten Metalbands verstecken! Ob es nun das Beste ist, was Running Wild je produzierte, wie Rolf kürzlich meinte, sei dahingestellt – auf jeden Fall ein sehr geiles, fett abgemischtes Old School Running Wild Album – und was will man mehr in diesen Tagen? 

4/5 P. 

Martin