EXTRABREIT – Auf Ex!

Extrabreit

Extrabreit – Auf Ex! (Premium/Soulfood)

Die Breiten sind zurück – völlig überraschend mit dem ersten neuen Album seit 2008. In den letzten Interviews meinte Kai stets, dass sie für ein neues Album schon gute Gründe haben müssten. Gründe gab es anscheinend genug – und viel Zeit im Lockdown-Jahr. Herausgekommen ist „Auf Ex!“ – und was für ein Brett! Schon der Vorab-Track „Wir sind die Fressen aus dem Pott“ ließ die Fans jubeln – ein Signature-Breiten Song der Güteklasse 1, so Richtung „Nichts ist für immer“. Und gleichzeitig eine geile Ruhrpott-Hymne, in der sich die Breiten selbst mit einer großen Portion Humor kräftig abfeiern. Ob das Album dieses Level halten kann? Aber ja! Im Gegensatz zu den vorhergehenden Studioalben gibt es hier nur Killer, no Filler! Ein Gassenhauer jagt den nächsten! „Vorwärts durch die Zeit“ ist einer der ganz großen Extrabreit-Songs, mit riesigem optimistischem Chorus, der bei jeder anderen Band ein Hit wäre:  „Vorwärts durch die Zeit, vorwärts durch den Raum,  das Leben ist ein Trip,  das Leben ist ein Traum!“  Und es gibt einen Bläser-Einsatz! Schaut euch unten das Video an, die Breiten segeln durch Raum und Zeit mit diesem Song.   „Winter“ rockt einfach immer weiter, Punk’n’roll plus Sleaze der geilen Art. „Sonderbar“ groovt dann boogiemäßig wie damals die Alptraumstadt, und Kai Havaii erzählt aus seinem bewegten Leben. Überhaupt erinnert mich das Album von der Herangehensweise an das erste Album –  sehr straight, sehr auf die Fresse. Und genau wie es damals die Story von Karl-Heinz-Jürgen gab, treten die Protagonisten legendärer Extrabreit-Songs im melancholischen „Gib mir mehr davon“ wieder auf: was ist bloß aus ihnen geworden? Jeder sucht sein Stück vom Glück: „das Leben ist wild,  das Leben ist breit, manchmal ist es ganz leicht, manchmal ’n Fight, manchmal ist es hundsgemein, aber Gib mir mehr davon“…. supermelodische Bassline übrigens hier! „Mary Jane“ : schnell, geil, politisch endlich wieder unkorrekt.  Eine nachdenkenswerte Story bietet das extrem punkige „Meine kleine Glock“: Selbstmord als last exit, bevor man sich in die lebens- und qualensverlängernde Apparatemedizin begibt. „Gott segne meine kleine Glock“! Eine sehr geile Gitarrenlinie (fast wie damals bei DAD) ertönt dann im Intro von  „Donnerstag“, auch so ein Song, der beim 2. Hören noch mehr Tiefe gewinnt. Sehr schön, wie die Background Vocals hier arrangiert wurden! „War das schon alles was für mich vorgesehen war/ Ich kann das gar nicht glauben, dass das schon alles war“: diese Ziel aus „War das schon alles“ passt wie der ganze Song zur Coronakrise – herrlich genialisch einfacher Mitgröhl-Chorus, Punkrocknroll der extrabreiten Klasse,  wer macht sowas Geiles eigentlich noch im Jahre 2020? Darauf „Immer wieder extrabreit“, eine neue Bandhymne, die hoffentlich auf keinem zukünftigen Konzert fehlen wird – Stefans megabreite Les Paul brät hier so fett rein wie nie zuvor, unglaublich! Krassgeile Abgeh-Nummer, Kleinkrieg tobt sich auch in den  Background Vocals aus – herrlich, so geil wie nie!
Ein spätes Meisterwerk der Breiten – damit hätte ich nie gerechnet, nach all den Jahren! Für mich ist das eine Wiederauferstehung, mindestens die geilste Platte seit „Wer Böses will, soll endlich schweigen“ – und das ist ja auch ’n paar Jährchen her. Zwar gab es danach auch tolle Songs auf den Alben – aber immer nur vereinzelt. Dieses fette Teil ist einfach ein geiles sleaziges Punk-Rocknroll-Paket – dreckig und laut . Extrabreit beweisen, dass auch im gesetzteren Alter noch einiges geht. Eine der heroischsten deutschen Bands überhaupt – sie haben alles überlebt, stehen immer noch solide da, ein Fels in der Brandung, und hoffentlich Ende 2021 wieder auf der coronafreien Weihnachtsblitztour, mit den neuen Songs!

5/5

Martin