THE STRUTS / Strange Days

The Struts Strange Days

The Struts – Strange Days

THE STRUTS / Strange Days (Universal)

Nachdem wir im Oktober 2019 vor einem fulminanten Konzert von „The Struts“ im Kölner Stollwerck die Gelegenheit hatten, ein Interview mit Frontmann Luke Spiller zu führen, waren wir sehr gespannt, ob seine damalige Antwort in puncto neues Album lange Bestand haben würde. Er wollte sich damals nämlich längst nicht festlegen und meinte, dass es statt eines Albums  eher verschiedene einzelne Songs oder sonstige Projekte geben könnte.  Mittlerweile allerdings haben es die Briten (die schon vor Corona in die USA umgesiedelt waren) geschafft, quasi unter Lockdown-Bedingungen in den USA innerhalb von 10 Tagen ein neues Album aufzunehmen, das es in sich hat.

Anders als die straighten und auf sofortiges Hitpotenzial gebürsteten vorherigen Alben haben wir es nun mit einer musikalischen Wundertüte zu tun, bei der die Einordnung selbst nach mehrmaligem Hören schwerer fällt als sonst. Einige beachtenswerte Kooperationen mit anderen Musikern wie z.B. gleich im Corona-Titelsong mit dem unverwüstlichen Robbie Williams oder später mit Albert Hammond Jr., Tom Morello, oder Def Leppards Joe Elliott und Phil Collen zeigen einmal mehr, wie stark vernetzt und vielseitig die Struts sind. 

Mit dem Opener und Titelsong haben die Struts direkt die beste Corona-Hymne überhaupt geschrieben. In der Tat, „Strange days“, und Luke Spiller und Robbie Williams drücken das aus, was einem selbst schon durch den Kopf gegangen sein mag: „Science fiction has become reality“. Von andernorts oft anzutreffender „Corona-Betroffenheits-Musik“ sind sie gottseidank meilenweit entfernt. Luke & Robbie: damit konnte keiner rechnen, umso besser der Song, wenn auch nicht das Highlight des Albums.  Endlich auch mal wieder was Hörenswertes vom guten alten Robbie! 

Hardrock, Glam Rock, Garage Rock, Anklänge an Blues, und am Ende sogar etwas Lounge werden auf dem Album ganz nonchalant zusammengefügt . Die Auseinandersetzung mit dem Rock’n’Roll-Musikbusiness  – anhand der Bedienung von Stereotypen, gleichzeitig aber auch mit Tiefgang und leichter Selbstironie – prägt wie schon zuvor die Textinhalte. Und dann natürlich die leichten Goodtime-Songs mit 1A-Chorus-Garantie, für die sie stets zu haben sind. So z.B. „All Dressed Up (With Nowhere To Go)“ – ein Schelm, wer „Brown Sugar“  dabei hört 🙂 … Oder im Anschluss: Echt jetzt? „Do You Love Me“? Der KISS-Destroyer Klassiker? Aber klar – warum nicht, beide Bands eint der Wille zum Spaß: they play to entertain! Der old school-Slade-meets-Struts-Boogie „I Hate How Much I Want You“ tut sich hier auch besonders hervor –  Joe Elliott & Phil Collen veredeln das Ding natürlich! Danach trumpft „Wild Child“ besonders hart auf – kein Wunder, gniedelt Tom Morello hier doch seine Trademark-Gitarre, dass einem Hören und Sehen vergeht. So hart klangen die Struts ja noch nie!  Im Gegensatz dazu „Another Hit Of Showmanship“ (mit Albert Hammond Jr. an Gesang und Gitarre), so ein unverschämt eingängiger treibender 80er-New-Wave-Rock – völlig anders, sehr sehr geil.  „Cant Sleep“ – noch eine hochenergetische Hardrock-Hymne mit Brian May-Gedächtnissolo,  bei „Burn It Down“  fühlt man sich auf einmal in südlichen Lynyrd Skynyrd-Gefilden, inklusive des Pianos, könnte direkt vor „Freebird“ laufen, unglaublich gut gemacht, sorgt für Gänsehautmomente! Der Rausschmeißer „Am I Talking To The Champagne (Or Talking To You)“ (die Songtitel der Struts sind genauso geil wie die Musik!) schiebt sich dann bluesig-soulig zum Ende hin, käsiges Spandau-Ballet-Sax obendrauf, wenn schon, denn schon. 

Ergo: Diese Band tut einfach gut in dieser Zeit, macht Laune, gibt einen Energieschub und verstärkt massiv die Vorfreude auf viele mitreißende weitere Konzerte von dieser ganz besonderen Band (sollte es nochmal Konzerte dieser Art geben). Eines DER Alben 2020! 

5/5 P. 

Chrissie 

Martin