FONTAINES D.C. – A Hero’s Death

FONTAINES D.C. – A Hero’s Death (Partisan/PIAS)

Innerhalb eines Jahres gelang der irischen Post-Punk-Band der Aufstieg von einer lokalen Berühmtheit in den Pubs von Dublin zur ausverkauften Show in der Brixton Academy. Der explosive Aufstieg der Band an die Spitze war adrenalingetrieben und überraschend. Wer sie live on stage erlebt, weiß, was ich meine.

 „A Hero’s Death“ ist die Reaktion der Band auf die gesteigerte Intensität des Lebens on the road und eine passende Replik auf die ins unermessliche gesteigerten Erwartungen der Fans.

Das Debütalbum „Dogrel“ spiegelte ja die Energie ihrer frühen Auftritte wider, es war darüber hinaus ein Dublin-Album par excellance.  Voller lokaler Bezugspunkte, die den Hörer zu bestimmten Orten und Sehenswürdigkeiten beamten, eine poetische Reportage aus ihrer wunderbaren Heimatstadt; dennoch mit bitteren Kommentaren zum gerade in Dublin ansässigen digitalen Turbo-Kapitalismus .

Das schwierige 2. Album nun eröffnet einen Ausweg aus dem allzu leicht zu erwartenden „Dogrel Teil 2“. Nein, hier liefern sie eine manchmal eher kontemplative Ausdrucksform, oft impressionistisch und introspektiv, aber auch hier voller Einfallsreichtum und lyrischer Tiefe.

Der verführerische Opener „I Don’t Belong“ taucht tief in die Psyche der Gruppe ein und befasst sich mit Isolation (Corona?) und lässt die Rhythmen endlos verschmelzen – es gibt eben nicht die drauflosbretternde Erlösung wie noch auf Dogrel… Und genau deshalb ist A Hero’s Death auch viel spannender als Dogrel – man weiß halt nie, mit welcher Idee sie als nächstes um die Ecke schauen. „Love Is the Main Thing“ fließt durch dieselben Adern, seine pulsierende, hypnotische Intensität verschmilzt mit dem gesprochenen Wort. Wohlklingende Basslinien und subtile Gitarrentöne gibt’s auch in  „Televised Mind“, während surreale Klänge in  „A Lucid Dream“, einem Track mit vulkanischer Kraft, übernehmen. Großartig auch die nostalgischen, idealisierten Bilder und Johnny Marr-ähnlichen Gitarrenlinien von „Oh Such A Spring“. “You need not be/Born wealthy/If you care/You’re the heir” heißt es in „Living In America“, in der sich die Stimmung bei Industrial-Anleihen ins Dunkle und Trostlose ändert.

Subversiv das Ganze, nonkonformistisch und ja, auch melodiös: diese Platte hat die Qualitäten eines klassischen Rock’n’Roll-Albums, hört sich aber erstmal nicht so an. Die Entscheidung für eine radikale Fortentwicklung funktioniert nur für wenige Bands. Bei den Dublinern war das die bestmögliche Entscheidung. Live bestimmt megageil – wenn es live wieder gibt…

4/5

Martin