Film Festival Cologne in Corona-Zeiten – wie geht das? / Martina Richter im Interview

Vom 1. bis 8. Oktober findet in Köln das Film Festival Cologne statt. Es ist die 30. Ausgabe der beliebten Kombination aus Publikumsfestival und Branchentreff. Festivaldirektorin Martina Richter über die besondere Herausforderung, in Corona-Zeiten ein internationales Filmfestival durchzuführen (copyright Interview: smalltalk entertainment)

Frau Richter, das Film Festival Cologne ist eins der ersten großen Kultur-Events in Deutschland, die wieder in physischer Form durchgeführt werden. Wie wirkt sich die Pandemie auf Ihre Veranstaltung aus?

Zuerst einmal sind wir sehr froh, dass wir durch die Öffnung der Kinos in NRW Anfang Juli unsere gewohnten Festival-Spielstätten nutzen können. Auch haben wir im deutschen und internationalen Markt tatsächlich viele interessante und qualitativ hochwertige Produktionen gefunden, die wir als Premieren im Festival präsentieren werden. Da sind wirklich jede Menge spannende Projekte dabei. Und besonders unterstützend ist es darüber hinaus, dass unsere Förderer, Sponsoren und Inhalte-Partner auch in Zeiten wie diesen zu uns stehen. Wir haben gemeinsam mit den Festival-Locations ein sehr strenges Hygiene- und Abstandskonzept entwickelt, das uns aber dennoch erlaubt, knapp 70 Prozent des Programmumfangs des Vorjahres stattfinden zu lassen. Es wird auch wieder unsere beliebten Filmgespräche geben, allerdings werden wegen der aktuellen Reisebeschränkungen weniger Gäste zu den einzelnen Screenings nach Köln kommen können. Da müssen wir sehen, was Anfang Oktober möglich ist.

Sie haben das Hygienekonzept bereits angesprochen. Was beinhaltet es genau? Haben Sie sich bei der Erarbeitung externe Unterstützung geholt?

Wir haben beim Konzept mit zertifizierten Hygienebeauftragten zusammengearbeitet und auf den bereits bestehenden und vom Gesundheitsamt abgenommen Konzepten unserer Locations aufgebaut und diese teilweise noch verschärft. Zwischen den Vorführungen gibt es jeweils eine Stunde Pause zum Reinigen, Desinfizieren und Durchlüften. Wir achten besonders darauf, dass Abstand gehalten wird und sich die Wege nicht kreuzen. Um eine Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten, erheben wir beim Ticketkauf von allen Besucher*innen die relevanten personenbezogene Daten. Darüber hinaus wird jedem/r Besucher*in ein fester Sitzplatz zugeordnet. Und es gibt in diesem Jahr keine Empfänge nach den Filmen oder anderen Veranstaltungen.

In welchem Rahmen wird diesmal die Preisverleihung stattfinden?

Die feierlichen Film Festival Cologne Awards finden in diesem Jahr am 8. Oktober im Palladium statt. Wir erwarten exakt 324 Gäste, die nach einem strengen Rückverfolgbarkeits-Konzept an den festlich eingedeckten Tischen platziert und dort mit Speisen und Getränken becatert werden. Bei der Eröffnung erhält jeder Gast eine schöne Catering-Box und Getränke, die dann mit in den Saal zu nehmen sind. Uns geht es überhaupt bei all den Regeln und Beschränkungen sehr darum, die Atmosphäre des Festivals so entspannt und angenehm wie möglich zu gestalten. Wir üben dies ja auch bereits seit Anfang Juli bei den über 50 Screenings unseres „Jubiläums-Sommers“ und geben dort zum Beispiel jedem Besucher kleine Care-Tütchen mit Programm-Leporello, Maske, Pfefferminz von Cavendish, „4711“-Fläschchen, Drink Deal-Tickets für die „Monkey Bar“ im 25hours Hotel, Blumensamen von Engagement Global und weiteren netten Kleinigkeiten. Das kommt sehr gut an und wird auch beim Festival fortgeführt.

War es für Sie jemals ein Thema, das Festival virtuell durchzuführen?

Nein. Als die meisten Veranstaltungen ihre physische Präsenz absagen mussten, haben wir beobachtet, wie wenig Resonanz die ins Netz verlagerten Screenings, Keynotes und Zoom-Diskussionen bekommen haben. Unsere Überlegung war es daraufhin, die Themen und Inhalte, die wir fürs Festival geplant haben, explizit für die Anforderungen einer erfolgreichen Social Media- und Digitalkommunikation zu produzieren und aufzubereiten. Dieses Konzept verfolgen wir nun mit dezidierten Kampagnen und Posts zu unseren Themen sehr erfolgreich und mit großem positivem Feedback bereits den gesamten Jubiläums-Sommer über. So sind wir unserem Ziel, das Film Festival Cologne viral das ganze Jahr über verstetigt stattfinden zu lassen, einen großen Schritt nähergekommen.

Was meinen Sie damit konkret?

Wir werden auf Grundlage unserer ja nun wirklich intensiven Social Media-Erfahrungen der letzten Monate eine dauerhafte ganzjährige Content-Plattform im Netz für den Diskurs über die Entwicklung des Bewegtbilds an sich und der damit verbundenen Branchen aufbauen. Für unsere Fachveranstaltung „Producers XChange“ beim Festival z.B. führt Torsten Zarges bereits jetzt tatsächliche Gespräche mit den maßgeblichen Branchenverantwortlichen, die wir aufzeichnen, Social Media-gerecht aufbereiten und ab dieser Woche als große Kampagne ins Netz bringen. Auch den Interviewten stellen wir das Material zur Verfügung, damit sie damit ebenfalls ihre Kanäle bespielen können. So bringen wir schon jetzt im Vorfeld unseres Festivals wichtige Themen in Umlauf, die die Produzenten derzeit beschäftigen und die dann bei der physischen Veranstaltung am 8. Oktober persönlich und vor Ort diskutiert werden. Gerade in Zeiten von Corona machen sich alle sehr viele Gedanken darüber, wie es mit der Branche weitergeht. Ab jetzt ist es auf jeden Fall unser Anspruch, regelmäßig solche Inhalte redaktionell herauszuarbeiten und auf unserer Online-Plattform zu diskutieren. Sehr gerne möchten wir dabei auch unsere Partner und Förderer mit einbeziehen.