DER DOGTA SPRICHT: Die Irrelevanz der scheinbaren Relevanz Teil 2

Die Irrelevanz der scheinbaren Relevanz.

Teil 2 – Endlich klimaneutrale Konzerte

Mit Ratschlägen sogenannter Promis – A-Promis bis H-Promis – ist das immer so’ne Sache. Seit der Erfindung von Öffentlichkeitsarbeit mag man eine gewisse Skepsis gegenüber dem hegen, was Promis so von sich geben. Selbstverständlich steht die Uneigennützigkeit an erster Stelle, wenn man einen neuen Film, eine neue Show, ein neues Album, ein neues Produkt promoten will. „Tue Gutes und rede darüber!“ Ganz genau!

Und „gut“ ist das, was gerade mainstream ist. Entsprechend ist das, was gerade nicht mainstream ist, „schlecht“. Also sag und tu als Promi das, was die anderen auch so sagen.

und benutze immer das Wort „gemeinsam“. Das gibt einem das Gefühl von Community und grenzt die anderen aus, die nicht mainstream sind.

Bei der Debatte „Pocher vs. Influencer“ reist ein dort erwähnter „Beeinflusser“ trotz Ausgangssperren mal eben mit dem Auto von Deutschland nach Ibiza und beteiligt sich anschließend an der Kampagne „Wir bleiben zu Hause“. Ja bravo. Das ist Glaubwürdigkeit par excellence.

Und überhaupt. Jeder, der sich für prominent hält, meint auch in dieser Corona-Krise sein persönliches Statement abgeben zu müssen. Und jeder Promi ist natürlich Experte. Da wird der Studienabbrecher in Sozialpädagogik plötzlich zum Virologen, der Theologe zum Experten für Kernkraft, der Erzieher zum Ingenieur, der Hauptschüler zum Chefarzt. Aber egal, jeder muss seine Meinung sagen. Geht ja schließlich um Fame.

Fame und Halbwissen (wenn überhaupt), eine gefährliche Mischung, aber wenn man Promi ist, muss man schließlich ein Statement abgeben. Schließlich ist man wichtig.

Die aktuelle Corona-Krise friert das gesellschaftliche Leben beinahe komplett ein und relativiert „Wichtigkeit“. Was nützen mir die geilsten Klamotten, wenn ich diese nicht mehr in den angesagten Clubs präsentieren kann? Was der Privatjet, wenn die meisten Länder mich aufgrund der Einreisestopps nicht mehr reinlassen? Was die Anti-Pickel-Creme, wenn ich zuhause bin und keiner meine Pickel sehen kann?

Kleiner Exkurs: Der Klimahype und das Bestreben, klimaneutrale Konzerte veranstalten zu wollen. Waren es nicht Coldplay, die damit anfingen? … (Wie auch immer) … Klimaneutrale Konzerte, allen voran auch die Future-Friday-Konzerte … alles natürlich völlig klimaneutral! Also Besucher, die nicht ausatmen und sich deshalb möglichst nicht bewegen. Vielleicht bringt aber auch jeder Besucher ein paar Pflanzen mit, die dann mit Hilfe von Fotosynthese den CO2-Ausstoß neutralisieren können. Anreisen dürfen die Gäste schon gar nicht, außer mit den Fahrrad, aber auch nur dann, wenn sie nicht ausatmen oder ein paar Pflanzen auf dem Gepäckträger mit sich führen. Und dann die Beleuchtung der Bühne, die Bühnentechnik und die Verstärker, denn unplugged für 1000 Menschen ist irgendwie schlecht. Wo kommt nur der Strom her? … Ach ja, aus der Steckdose. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Radiobeitrag, bei dem jemand von Fettes Brot anlässlich eines Fridays-for-Future-Konzertes (wenn ich mich recht erinnere) interviewt wurde, was er denn persönlich für den Klimaschutz unternehme und die Antwort lautete: „Ich trenne meinen Müll und verwende Ökostrom!“ Und ein eigenes Auto hätte er auch nicht ….

Ah ja, bei den einen kommt also Ökostrom aus der Steckdose und bei den schlechten Menschen Kohlekraftstrom. Deshalb sind die Steckdosen meistens auch dreckiger bzw. verrußt, weil Braunkohlestrom nämlich die Leitungen verstopft. … Ist Euch schon mal aufgefallen, dass man jetzt immer drei unterschiedliche Steckdosen braucht? Eine für Kohlestrom, eine für Atomstrom und eine für Ökostrom. Ja, liebe Kinder, der Strom ist gemäß seiner Herkunft innerhalb derselben Leitung trennbar. Mmhh. Und diejenigen, die den Ökostrom wählen, sind auch die besseren Menschen. Und Mülltrennung schützt natürlich ebenfalls unmittelbar das Klima. Sobald Müll nicht getrennt wird, wird es wärmer und irgendwo stirbt ein Mensch. Ist so. Echt. Und was das Auto betrifft. Wozu braucht man ein Auto, soll der andere doch fahren. Das Stage-Equipment wird schon irgendwie zum Veranstaltungsort kommen. Mit Eseln und Fahrrädern. Und die Getränke? Hey, dafür gibt’s doch Flaschenpost. Dann braucht man selbst kein böses Auto und kann sich damit brüsten, das Klima zu schützen. Gut so.

Das Gute. Der Wunsch nach klimaneutralen Konzerten ist endlich Realität geworden!

Nun haben wir plötzlich massenhaft klimaneutrale Konzerte. Die Arenen und Stadien sind voll davon. Selbst Bundesligaspiele werden zurzeit klimaneutral ausgetragen? Super! Ich selbst habe kürzlich in der Westfalenhalle gespielt, es war nur keiner da, nicht mal ich selbst. Mir persönlich war das aber auch scheißegal, ich bin doch nur eine Socke.

Aber im Ernst. Eine komplette Branche stirbt gerade und ich habe keinen Spaß daran. Menschen verlieren ihre Jobs, massenhaft. Ich hoffe, dass die Krise bald vorbei ist und sich das Leben wieder normalisiert. Ich freue mich auf das erste Konzert einer guten Band und ich bin da sicher nicht allein. Deshalb hört auf mit diesem Bullshit von wegen klimafreie Konzerte! Davon haben wir jetzt genug!

Und liebe Leser. Nicht jeder, der was sagt, hat auch wirklich was zu sagen, was irgendwie wichtig wäre oder Sinn ergibt. Lieber mal das Gehirn einschalten und hinterfragen.

In diesem Sinne, bleibt gesund, Euer Dogta