THE LAST INTERNATIONALE/ Soul On Fire

THE LAST INTERNATIONALE/ Soul On Fire

THE LAST INTERNATIONALE / Soul On Fire

(Elephant Army Feb 2019)

Seit der Veröffentlichung ihres fantastischen Debütalbums We Will Reign 2014 hat die New Yorker Band um Frontfrau Delila Paz und Gitarrist Edgey Pires viele Probleme und eine ziemlich harte Zeit gehabt. Sie wurden von ihrem Label Epic gnadenlos gedroppt, wurden von anderen Lables absichtlich geblockt, bekamen keine neuen Deal mehr, dann mussten die beiden wegen Geldmangels ihre Wohnung in L.A. verlassen, waren ohne feste Bleibe, zuguterletzt waren dann auch nicht genug finanzielle Mittel da, um ein neues Album aufzunehmen. Jede andere Band hätte im Laufe der vielen Jahre das Handtuch geschmissen, nicht so TLI. Dank der motivierenden Hilfe ihres Freundes Tom Morello gaben sie nie auf. Die Unterstützung der RATM-Legende war jedoch nicht nur moralisch, sondern am Ende  übernahm er auch die Rolle als „Executive Producer“ auf dem neuen Album Soul On Fire. Eingespielt wurde das Album in den Estudios de Bandeira in Portugal, selbst produziert, und mit Joey Castillo von den Queens of The Stone Age übernahm ein berühmter Gast die Drums. Für das Mixing hatte die Band dann noch eine Crowdfunding-Kampagne losgetreten – es sollte schließlich alles perfekt gelingen. Vance Powell übernahm dann den Job, und das Resultat kann sich hören lassen: herausgekommen sind 12 intensive pure TLI-Songs, wie man sie nur von Delila und Edgey erwarten kann.

Hard Times also für TLI fürwahr – und so heißt dann auch der erste Song. Die ersten Akkorde erinnern noch an eine Coverversion von Ram Jams Black Betty – aber weit gefehlt: sobald Delila anfängt zu singen, kommt der typische TLI-Flow zustande. Ein treibender kraftvoller Song, der sich sofort in die Gehörkanäle frisst. Die Lyrics: purer Überlebenswillen einer Band, die ganz unten war: I’ve been pushed/ Pulled and turned around/I’ve been crossed/I’ve been forced/Torn and broken down/Livin‘ ain’t easy/ Hard times/ You better believe it/I’ll be stronger
in hard times – gut, dass sie noch da sind!

Man hört bei jedem Song, wie sehr die Band ihr Herz und ihre Seele in dieses Albumprojekt  gesteckt hat. Die Tracks sind rauer und nicht so poliert wie auf dem Debut – aber das ist ja Jahre her. Trotzdem merkt man der Produktion den schieren Willen zur Größe an, es gibt einen megafetten Sound und aufregende Arrangements ohne Ende.  Mind Ain’t Free möge als Beispiel dienen: ein extrem verzerrter, an Josh Homme / QOTSA erinnernder Gitarrensound, ein geiler Groove und mega eingängige Hooks – sowas kannte man bisher nicht von TLI (siehe auch Video unten).  Try Me ist dann eine modernisierte Soul-Blues-Nummer, auch hier ein toller Chorus. Und dann holt Tempest Blues sogar den richtigen old school Bluesrock-Rechen hervor, mit dem sie donnernd durchs Gelände pflügen – inklusive schöner Slide-Gitarre.

Songs wie Freak Revolution bringen einen eher retro-psychedelischen Sound hervor, der hervorragend in das Albumkonzept passt, während der Titeltrack selbst durch ein ruhiges, emotionales Intro aufgebaut wird und anschließend Delila sich mit dermaßen unter die Haut gehenden Vocals einbringt, dass ein es einem den Rücken hinunter läuft. Großer Song, großes Kino! Hit em with your blues ist ein straighter Rocker, trotzdem mit einem tollen sehr melodiösen  Chorus, und auch hier wieder Gänsehautmomente, wenn Delila zwischendurch nur zur Akustischen singt – um kurz danach wieder los zu shouten. Was eine Hammer Stimme die Frau hat!

Beim letzten Song 5th World gibt es kein Zurück mehr. Ein schleppender Rhythmus,  psychedelische boiled down Gitarrenriffs , dafür dann Stadion-Background-Vocals im hymnischen Chorus, sehr Over the top, sehr geil, Delilah liefert alles ab was sie drauf hat, zwischendurch schaut Jimi Hendrix auch noch vorbei im Wah-wah-Solo – und dann kommt am Ende alles furios zusammen –  noch ein Highlight einer an Highlights wahrlich nicht armen Platte!

Soul On Fire ist nicht nur das Album, das TLI machen wollte, sondern es ist das Album, das sie machen mussten. Das Ding wurde zu einem Werkzeug ihrer Kartharsis, um sich stolz zu erheben von den schlimmen Niederschlägen der letzten Jahre. Und nach der Qualität der Songs hier zu urteilen, geht es von nun an hoffentlich endlich steil bergauf – verdient hätten sie es!  Übrigens: zum ersten Mal ist die Band nun auch in Deutschland zu sehen, verpasst sie bloß nicht!!

5/5 P.

Martin 

 

04.03. Das Bett – Frankfurt am Main
05.03. clubCANN – Stuttgart
06.03. E-Werk (Clubbühne) – Erlangen
07.03. Eventhall – Airport – Obertraubling
0803. Spectrum – Augsburg
12.03. Badehaus – Berlin
13.03 Grünspan – Hamburg
14.03. Faust – Hannover
15.03. Kantine – Köln