ERIK COHEN/ Live aus der Vergangenheit (RYL NKR/Rough Trade)

ERIK COHEN/ Live aus der Vergangenheit (RYL NKR/Rough Trade)

Erik Cohen ist einer der ganz wenigen ernst zu nehmenden ROCKmusiker in diesem Land. Und dabei meine ich ROCK, so wie er sein soll: laut, unbehauen, rotzig, trocken, cool – Gitarrenmusik in einer Branche, in der Gitarren kaum noch was hermachen: „Indierock“ heute ist zumeist weichgespült, inhaltslos, mainstreamig, ohne jegliche Power: Erik Cohen ist in allem das Gegenteil. Er sucht und findet seinen ureigenen künstlerischen Weg: schmeiß die Amps an,  stöpsel die Gitarren ein, und ab dafür.

„Live aus der Vergangenheit“ kondensiert sein bisheriges Schaffen. Es sind live im Kieler Studio eingespielte Versionen von Songs seiner Album-Trilogie. Von der dahinter liegenden Haltung natürlich voll Punk – der musikalische Ausdruck geht aber in Richtung harter Rock, sowie ihn z. B. die Godfathers früher spielten, der Danzig. Oder auch immer noch Neil Young & Crazy Horse – einfach nur ein rudimentäres geiles Gitarrenriff nach dem nächsten, live und dreckig eingespielt, wie es Onkel Neil auch gern macht.

Die Songs kennt man ja schon, trotzdem hier nochmal live und laut eingespielt kommen sie noch geiler als eh schon rüber. Und für die rotzige äußerst gelungene megageile Coverversion von Witts „Goldener Reiter“ gehört ihm jetzt schon eine Goldmedaille des deutschen Rocks in den 20er Jahren.

Das alles ist sehr weit entfernt von rockistischen peinlichen Altherrenattitüden und genauso peinlichen Jungmänner-Wehwechen-Weltschmerz-Plattitüden des langweiligen Indie-Mainstreams. Wer sowas wie Die Nerven oder auch Seine Fahne FF  für die Neuerfindung deutscher Rockmusik hält, der sollte diese Platte auf 10 hören, bis die Boxen glühen. So einen Flow kriegen die alle nicht hin!

4,5/5 P.

Martin