SINNER / Santa Muerte (AFM Records)

Darf man sagen, Mat Sinner ist Kult? In Zeiten da alles irgendwie Kult ist, lässt man es wohl besser bleiben. Dennoch: Der Typ macht seit 40 Jahren höchstanständigen Heavy Metal, mal mit  SINNER, mal mit PRIMAL FEAR und noch in diversen Projekten. SINNER ist vielleicht die beständigste Metalformation dieses Landes. Es gibt eine treue Fangemeinde vor allem in südlichen Teilen der Republik. Ihre Geschichte umfasst unzählige Alben – und vor allem auch ihre Megascheiben in den 80ern, als SINNER mit einer melodischen Brillianz aufwarteten, die einzigartig ist und war, und den Hair-Metal-Kollegen aus Übersee locker Paroli bieten konnten.  Mit Fug und Recht gehören sie in den Kanon des deutschen Metals. Danach wurde es etwas stiller um SINNER, aber weg waren sie nie, und es gab ständig neuen Output.
Nun ist „Santa Muerte“ das neueste Opus. Und was für eins! Es gibt wieder die typische SINNER-Mischung, wie Mat sie in den 80ern groß gemacht hat. Melodischer Metal at it’s best, basierend auf 70er Hard Rock und traditionellem german Metal. Wir hören durchgehend exzellente Melodien, mit wirklich genialen Hooks, einer mehr als soliden Instrumentierung  und zweifellos außergewöhnlichen Vocals.

Mat Sinner produzierte „Santa Muerte“ mit Dennis Ward (dem bekannten Produzenten und legendären Bassisten von PINK CREAM 69) als Co-Produzent, und beide bauten eine mächtige  Klangfülle für das Album auf. Es ist wirklich richtig heavy  und rau geworden, dabei mit einem superfetten tollen Klang abgemischt, das einem die Ohren ob der schieren Brillianz klingeln.

Hervorhebenswert sind vor allem die megageilen, an Thin Lizzy erinnernden Twin-Gitarren-Läufe in nahezu jedem Song, von denen es 12 auf dem Album gibt, und es ist wirklich schwierig, den einen oder anderen als Besonders hervorzuheben.  Zuerst mal fällt sofort auf: da singt ja eine Frau! Zumindest auf 2, 3 Songs glänzt ex-Hollow Haze Sängerin Giorgia Collelouri und bringt damit eine sehr gut funktionierende  Blues-Stimmlage rein. Sehr geile Sängerin! Sodann überzeugen die eingängigen leichten Melodien von des spanisch angehauchten „Fiesta Y Copas“ (exzellente Rhythm-Backings, und da schau her: Ronnie Romero von RAINBOW ist zu Gast am Gesang!), die unanständig eingängigen melodischen Riffs z. B. auf  dem Title track, das auch ziemlich catchy eingespielte „What Went Wrong “ (bei dem Ricky Warwick von den BLACK STAR RIDERS ein paar Gastcvocals eingesungen hat – passt schon! – remember Thin Lizzy!), oder „ Lucky 13 “(wieder mit exzellenten Vocals und Gitarren), und tatsächlich ein countryesker laid back 12 bar blues namens „Death Letter“, mit einer überragenden Giorgia Collelouri – eher unüblich für die Band, aber es passt hier super! Und und und….

SINNER sind also zurück auf der Agenda, und das ist auch gut so. Ein völlig geiles, überzeugendes mitreißendes Album, das ob seiner diversen Gast-Stars manchmal wie ein Projekt rüberkommt „Gute Freunde singen Sinner-Songs“. Dabei hat Mat meines Erachtens von allen immer noch die beste Stimme – und sein ultracooler Bass ist sowieso mehr als die halbe Miete in der rhythm section. Das beste SINNER-Album seit Ende der 80er, Anfang der 90er, zweifellos. Bleibt nur zu hoffen, dass SINNER mit  einem ihrer seltenen Gigs auch mal wieder in NRW aufspielen ….

5/5  Martin