KARAOKE TILL DEATH – You Never Sing Alone!! – Interview mit Carlos über Blackmail, den deutschen Rick Rubin, die Songauswahl, die Partyreihe und das Glück, in KTD zu sein!

KARAOKE TILL DEATH – dass aus einem Spaßprojekt die beste und geilste und langlebigste Metal-Punk-Karaokeband des Landes werden würde, war natürlich nicht abzusehen. Ihre Shows sind legendär, ihre Professionalität hörbar, ihr Spaß am bunten Treiben auf der Bühne sichtbar – mit ihren Auftritten auf dem Wacken Open Air veredelten sie denn auch ihre Karriere. Die Musiker wissen, was sie tun – kommen sie doch alle mit einem professionellen Background auf die Bühnen der Clubs, um den Gastsängern ein grundsolides und bisweilen genialisches Backing zu liefern. Na klar – die deutsche Alternative-Legende BLACKMAIL um Kurt Ebelhäuser war ja die Keimzelle von KTD! Sein Bruder Carlos, seines Zeichens KTD-Bassist, stand uns vor dem wie immer ausverkauften Doppel-Gig im Sonic Ballroom zu Köln Rede und Antwort….
(Interview von Martin Hannig)

entertaim.net: Carlos, lass uns zu Beginn kurz über Blackmail sprechen. Wie sieht es aus, gibt es die Band noch?

Carlos: Das ist total im Off derzeit. Das würde nur dann etwas werden, wenn wir nochmal in Originalbesetzung spielen würden. Das wird aber sehr sehr schwierig.

entertaim.net: Ist somit das Kapitel Blackmail für dich abgeschlossen? Das war ja ein Riesending, was ihr da gemacht habt.

Carlos: Wir hatten eine tolle Zeit. Wo ich echt stolz drauf bin: wir waren in Japan und haben dort als Nicht- Punk/Hardcore / Metal-Band Alben veröffentlicht. Dass wir da als deutsche Alternative Rockband überhaupt was gerissen haben, ist rückblickend echt ein Grund, stolz zu sein. Den englischen und US Bands gehörte ja immer die Welt, aber für uns als deutsche Band war das schon ungewöhnlich. Wir waren 15 Jahre lang sehr intensiv zusammen, und irgendwann ist alles mal zu Ende. Man wird ja aber doch nach so langer Zeit nostalgisch. Ich würde schon gerne mal wieder live mit Blackmail spielen, der Wunsch ist defintiv da, das wäre schon schön. Aber da muss halt alles passen.

entertaim.net: Das würden bestimmt auch sehr viel alte Blackmail-Fans toll finden. Ich wunderte mich immer wenn ich eure tollen Alben hörte: das ist eine deutsche Band? Man hörte es nicht raus, es klang einfach gar nicht so!
Carlos: Ja, das haben wir oft gehört. Als wir wahnsinnigerweise versucht haben, uns in England oder USA zu etablieren, hatten wir immer das Problem, dass wir zu nah dran waren an den etablierten einheimischen Bands. Man hat es uns halt nicht angehört, dass wir Deutsche sind. Man hätte uns höhere Chancen gegeben, wenn wir z. B. einen deutschen Akzent gehabt hätten, so wie Rammstein. Oder auch The Notwist, die haben es ja auch in England mal geschafft. Der Sänger hat einen so komischen Akzent, und das fanden die irgendwie cool, so krautrockmäßig. Da waren wir wohl zu nah dran.

entertaim.net: Bist du noch häufig in Kontakt mit Kurt? Bekommst du mit was er so produziert?

Carlos: Na klar, wir betreiben das Tonstudio ja zusammen! Kurt ist der Exekutive, und ich Herr der Zahlen und mach das Drumherum. Aber ich bin oft mit im Studio dabei.

entertaim.net: Man liest ja häufig „produced by Kurt Ebelhäuser“, und die Platten klingen dann auch immer geil.

Carlos: So ein Studio kann man nur erfolgreich führen, wenn man einen Namen hat. Kurt hat ja bei Blackmail auch schon immer alles produziert. Es ist immer toll, wenn man ein Gesicht nach außen hat. Ich muss da nicht auch noch im Vordergrund sein. Kurt macht ja fast alles im Studio, von dem gerade angesprochenen tollen Sound, bis zum kreativen Input. Er mischt sich ein, kann auch mal einen Chorus aufwerten oder umschreiben. Es gibt tolle Studios und Kollegen, aber es geht dann auch um die Eigenarten. Er ist für mich der kleine deutsche Rick Rubin, der auch mal auf der Couch hängt und scheinbar schläft, und auf einmal hat er ein Ei gelegt und weiß wie der den Gesang richtig geil macht, und dann geht’s auf einmal los.

entertaim.net: Wie kam es denn nach dem Ende von Blackmail zu KTD?

Carlos: Wir hatten ja schon zu den Hoch-Zeiten von Blackmail KTD  gegründet! 2005 spielten wir mal in Zürich einen ziemlich geilen Gig in einem Club. Nach uns stieg dann die „Karaoke From Hell“- Party, mit einer echten Band. Aydo hat dann spontan „I Wanna Be Your Dog“ gesungen. Ich schaute mir das an und dachte: hammer spaßiges Konzept! Das muss es auch in Deutschland geben! So wurde dieses Ding geboren, und 2006 hatten wir die ersten Auftritte. Und wir haben das in Deutschland etabliert. Das ist natürlich viel Arbeit. Wir hatten ja damals schon ca. 160 Songs! Die Schweizer hatten auch sowas wie Bryan Adams und Abba im Programm, und für uns war klar, wir machen das spezieller. Am Anfang war es noch nur punk/hardcore/metal. Inzwischen haben wir auch ein paar Classic Rock Stücke, und Alternative Rock. Das ist jetzt eine Mischung aus Nischenklassikern und Gassenhauern, wie AC/DC oder, Metallica, die immer funktionieren. Aber wir haben es uns ein bisschen abgeguckt damals – wer hat‘s erfunden: die Schweizer! (lacht)

entertaim.net: Wie kommt denn der große Pool von Songs zustande? Ihr habt ja auf dem Zettel, der im Publikum verteilt wird, und auf dem man ankreuzen kann was man singen möchte, eine riesige Liste von Songs. Kann da jeder seine Vorlieben reinbringen und sagen: hier, den üben wir jetzt mal ein?

Carlos: Das ist unterschiedlich. Jeder kommt mit Ideen an, was funktionieren könnte, und worauf er Bock hat. Sven, unser Sänger und Moderator, hat „New Noise“ von Refused mit eingebracht. Der Song wird nicht so oft gewünscht, das ist so‘n ziemlicher Brecher, sehr speziell. Ich finde es wichtig, dass wir auch so was spielen. Ich war ja oft in Japan, und Karaoke Partys beziehen sich dort oft auf Balladen wie von Elton John oder Bon Jovi. Warum sollen Punks oder Metalheads keinen Spaß haben dabei?
Es sind also vorwiegend Sachen wie dir selbst mögen. Wir hatten auch schon oft Sachen, die wir mögen, die aber nicht funktionieren. Dann gibt es Probleme mit der Instrumentierung. Zum Beispiel besonders bei Iron Maiden. …
entertaim.net: … die Twin Guitars…
Carlos: … die können wir halt nicht so bringen. Bei „The Trooper“ kann ich das ein wenig mit dem Bass ausgleichen, wie im Original, das geht dann irgendwie, aber sowas wie „Run To The Hills“ eher nicht. Wir überlegen dann auch: nehmen wir was ganz altes von Metallica? Kannst du meistens auch knicken, die Dinger gehen 6 oder 8 Minuten. Viele Soli, dann würden die Sänger da stehen, und warten 3 Minuten bis das Solo fertig ist. Also schließen wir dann solche Songs direkt aus. Ist zwar manchmal sehr schade, aber wir machen es ja nicht nur für uns, sondern für die Leute. Mit Ideen kommt aber jeder in der Band an.

entertaim.net: Also ist der Zettel nicht statisch, es kommen immer Sachen dazu?

Carlos: Ja, jedes Jahr wird ausgemistet. Wir haben 130 Songs, und dann ziehen wir Bilanz. Wenn wir innerhalb von 2 Jahren einen Song nur 2 mal spielen, dann wird er rausgeschmissen, dafür kommt wieder ein neuer rein. Wir haben so ca. 10 bis 20 neue Songs jedes Jahr. Was immer immer immer geht ist AC/DC oder Danzig „Mother“, das sind so absolute Evergreens. Ich hatte auch in den ersten 6 Jahren Hemmungen Nirvana zu spielen. Ich hatte mich da erst nicht ran gewagt. Das spielen wir aber jetzt auch schon ein paar Jahre. In den ruhigen Strophen hört man die Sänger sehr gut, und dann knallt es wieder im Refrain, und die Sänger geben alles. Das ist so eine Formel, die immer extrem gut funktioniert. Das Tolle ist aber auch der Sven, der immer alle Sänger an Bord holt und motiviert . Es geht nicht darum jemanden zu beurteilen, der war schlecht, der war super. Inzwischen ist auch das Publikum immer super, weil wirklich alle den Refrain mitsingen – daher der Spruch „You Never Sing Alone“! Das ist eine Riesenparty, und gerade in Köln immer wieder fantastisch.

entertaim.net: Das kann ich bestätigen 😊 Das heißt für euch aber auch, ständig am Ball zu bleiben! Der Proberaum ist weiterhin gebucht!

Carlos: Ja klar. Wir sind ja auch etwas bekloppt, was die Menge der Songs angeht. Ich hab das jetzt gemerkt als wir in Wacken waren. Da spielte vor uns so eine Berliner Karaoke-Band, die hatten nur nur so 15 Songs für 1 Stunde. Wir haben das 10fache angeboten! Das wäre für mich ein No Go, so wenig anzubieten. Man will sich ja nicht langweilen! Aber dafür hast du die Arbeit, du weißt nie was kommt und du musst deinen Bestand an Songs hegen und pflegen! Das ist sehr aufwändig.

entertaim.net: Mehr, als wenn du als normale Band live spielst und deine 20 Songs einübst…
Carlos: … da lachen wir drüber. Da werden wir erstmal warm (lacht).

entertaim.net: Was uns von entertaim.net auffiel bei den Gigs: ihr seid wirklich geile Musiker, der Gitarrist ist z. B. wirklich mega, der kann alles, du am Bass, ebenso die anderen – und dann habt ihr so einen fetten Live-Sound. Also ihr seid nicht nur eine Karaoke-Band, sondern eine richtig geile BAND!

Carlos: Da bin ich auch sehr empfindlich. Bei Blackmail standen wir für eine gewisse Attitüde. Dass wir nicht beliebig sein wollten, und sehr eigen. Wir haben vieles abgelehnt und sind deshalb auch nicht weiter gekommen. KTD sehe ich nicht als kommerzielles Ding, auch wenn wir damit Geld verdienen. Mit Mario, dem alten Blackmail Drummer, spiele ich, seit ich 13 bin! Und das merkt man auch. Wir nehmen uns die Freiheit in gewisse Sachen die eigene Note reinzubringen. Judas Priest machen wir ein bisschen kantiger, schneller, rotziger. Gewisse Metalsachen der 80er waren halt auch etwas lahm.
Uns hat mal ein alter Blackmail Fan gesagt, dass er erst total skeptisch war: Karaoke, was soll das denn? Aber dann sah er uns live und war begeistert und meinte: das ist zur Hälfte Blackmail, das hört man! Das kommt z.B. wie ich finde ganz krass raus bei RATM Killing In The Name Of. Dieses Riff und Drumming – da setzen wir uns einfach rein und baden darin. Das ist super kompatibel zu Blackmail früher. Wir sehen uns ja nicht als reine Covermusiker, dieses authentische Blackmail-Feeling fließt einfach mit rein.

entertaim.net: Auf jeden fall macht es Spaß euch beim Spielen zuzusehen. Man merkt immer: da stehen Leute die können richtig was. Habt ihr eigentlich einen eigenen Mischer, der euch begleitet um diesen geilen Sound hinzukriegen?

Carlos: Nein nicht mehr, der Grundsound steht eigentlich immer. Hier im Sonic ist der immer super. Wir spielen ja meist 2 bis 4mal im Jahr in den Clubs, da kennen die uns schon. Da können wir uns den eigenen Mixer sparen.

entertaim.net: Die Idee ist es also, oft an an die Orte zurückzukehren, die man schon kennt…

Carlos: Es ist ja ein Konzert, aber auch eine Partyreihe. Und die Party ist mehrmals im Jahr. Bei so vielen Songs wird es ja auch nie langweilig. Theoretisch könnten beim nächsten Mal 10, 20 Songs gespielt werden, die beim letzten Mal nicht vorkamen!

entertaim.net: Und du weißt als Zuschauer ja auch nicht was kommt. Wie so eine Jukebox, die man nach dem Zufallsprinzip abspielen lässt. Was mich noch interessiert: Hier im Sonic ist ja ständig ausverkauft, Wochen vorher. Das ist natürlich auch nervig, wenn du als Zuschauer den Termin nicht mitbekommen hast. Wie wäre es denn einfach mal eine größere Location zu buchen?

Carlos: Da denken wir schon drüber nach. Aber es ist gerade mit dem Sonic Ballroom  so eine tolle Symbiose. Da muss ich das Team im Sonic mal besonders loben. Die sind einfach super. Wir werden da immer toll empfangen, tolles Essen, man fühlt sich echt zu hause. Wir werden den Teufel tun und woanders hingehen. Wir haben das ja schon gemacht früher, vor dem Sonic. Wir waren ein Jahr im Luxor, und wir waren ein Jahr im Gebäude 9, und auch mal in der Werkstatt. Vielleicht macht man mal ein Event in Köln, einmal im Jahr etwas Größeres außerhalb der Party-Reihe. Aber solange Sonic uns will, wird es immer dort stattfinden.

entertaim.net: …und solange ihr noch wollt! Ihr seid noch nicht müde und noch voller Elan?

Carlos: Nee, das hält fit. Dank KTD bin ich seit Jahren permanent auf der Bühne.

entertaim.net: Ein Glücksfall! Wer kann das schon, jahrelang sehr erfolgreich live auftreten?

Carlos: Ohne Scheiß, das reicht mir schon. Ich bin letzten Endes mit Leib und Seele Musiker. Ich brauche die Möglichkeit, live spielen zu können. Es sind zwar Songs, die nicht von mir stammen – aber ich hab das alles gehabt früher, 15 Jahre auf Tour mit Blackmail. Es ist ja nicht so, dass ich, seit ich 20 bin, nur Songs von anderen gespielt hab. Es ist natürlich ein Spaßprojekt, aber es kommt ja scheinbar rüber, so wie du es auch gerade erzählt hast, dass eine gewisse Authentizität mit reinspielt und dass wir auch unser eigenes Ding daraus machen. Wenn wir Metallica oder Priest spielen, hört man immer auch was eigenes!

entertaim.net: Für mich ist KTD so ein Zwischending zwischen Spaßband und richtig fucking geiler Liveband…

Carlos: So ein Feedback freut mich echt zu hören. Das ist ja genau unsere Absicht!

entertaim.net: Danke für das tolle Gespräch Carlos und alles Gute für die Gigs im Sonic!
Carlos: Danke dir, wir sehen uns!