ABC-KLASSIKER DES METAL / Z / ZZ TOP/ Eliminator (1983)

Jaja – ZZ TOP sind natürlich kein Metal, höchstens Südstaaten-Blues-Hardrock – aber 1. ist der Buchstabe Z seit jeher in meinem Plattenregal mit ZZ TOP voll besetzt – ist ja auch ne geniale Idee sich so zu nennen um garantiert immer die letzten zu sein 🙂 – und 2. DIESE Platte hier sticht aus ihrem Southern-Bluesrock-Oevre raus – ein arschcooles Teil, das sie damals – auch dank MTV – in die globale Rock-Stratosphäre schoss .

Und das ganze Album leitete eigentlich den 80er US-Glam-Metal so richtig ein – zumindest in der Videoästhetik und im Ansatz, ein Hardrockalbum für die Massen zu produzieren. Und HAIR METAL waren die 3 ja schon 1979 – mit DEN Bärten haha.
ZZ TOP bewiesen ja schon auf dem Vorgänger EL LOCO (1981) , dass sie Experimenten mit Synths nicht abgeneigt waren – schon damals renovierten sie ihren Sound, spielten etwas mit Keyboards und den Vocals rum, erweiterten die begrenzten Trio-Möglichkeiten. Es war also ihr Willen sich nochmals ganz neu zu erfinden, der sie mit „Eliminator“ ganz nach vorne brachte.

ELIMINATOR war dann eigentlich EL LOCO auf 11 gedreht, ein nahezu perfektes Album  was Sound und visuelle Umsetzung angeht. Es lieferte der Band ein Hit nach dem anderen – sie waren omnipräsent überall auf der Welt, und die dirty little bluesband from Texas wurde – unwahrscheinlich aber wahr – zu Superstars für ein paar Jahre.

Hört man sich das ding heute noch mal auf 10 an, diesen eigenwilligen und einmaligen Synth-Dance-Hardrock-Mix , stellt sich die Frage: ist das immer noch so geil?

Und es bedarf nur der ersten paar Snare-Hits von Frank Beard auf dem unfassbaren Opener „Gimme All Your Lovin“, um festzustellen: jaaaa! Das ist es, der erste Megahit damals, der alles begründete. 14 Jahre nach Gründung der Band – und einer langen auf- und-ab-Karriere – kamen ZZ Top über Nacht mit einem völlig neuen Sound um die Ecke!  All das, was  im Glam/Hair/Sleeze-Rock-Jahrzehnt folgen sollte, ist hier schon angelegt: Popsongs, die als Hardrock daherkommen, die coolen Hüftschwünge, die Bratpfannengitarren, die lasziven Texte samt megacoolen Vocals, nicht zuletzt die Fütterung des Giganten MTV mit enigmatischen Videos, in denen die 3 als gute Geister  inszeniert werden, die mit dem saucoolen Eliminator Car durch die Gegend fahren, und sich um die eigene Achse drehende Plüschchgitarren spielen! Das ganze kreiert von drei hart arbeitenden Texas Boogiemen, die einfach nur mal Spaß haben wollten mit ihren neuen Synthies, die sie kurzerhand unter die Gitarrenspuren legten. Wenn überhaupt irgendein Song die 80er Popkultur widerspiegelt, dann dieser. Auch heute noch klingt er unfassbar geil.

Und dann „Sharp Dressed Man“: ein Video voller Playboy Girls, der 2. Hit in einer Trilogie  männlicher Rock-Fantasien, die  MTV für Monate in der heavy rotation hielt. Lack und Leder sind das eine – aber wenn nicht der Song als nahezu perfekter Pop-Rock-Bastard daherkäme , würde das alles nichts bringen. „Sharp Dressed Man“ ist ein tolles Beispiel  für den damals neuen ZZ Zop-Stil: Keyboard-Schlieren wurden durchgehend unter die pochenden Dusty Hill basslines gelegt, während das Genie Billy Gibbons ein Megariff raushaut, das schon nach dem ersten hören ganz und gar und komplett unantastbar war. „Every girl’s crazy bout a Sharp Dressed Man!“ 

Und dann noch: „Legs“! Jeder denkt sofort an das Video mit dem heißen Girl und dem Eliminator Car (übrigens ein a 33er Ford Couple von Billy Gibbons, der auch das Cover ziert) und an dieses perfekte Riff, im Maschinengewehr-Stakkato eingespielt, und das uns right in the face mitteilte: „Willkommen in 80ern!“ „Legs“ war von allen Hits dort derjenige, der ZZ Top als Marke etablierte, er war vor allem in den USA überall zu hören, MTV, Radio, TV-Werbung, Soundtracks. Die absolute Neuerfindung der Band und das Ganze auch noch mit BÄRTEN! Ich meine: NIEMAND trug Bärte 1983, wirklich niemand. Das war echt ein Novelty Ding, so aufzutreten (echte Fans kannten das natürlich schon, aber die echten Fans waren 83 eine verschwindende Minderheit!). Noch heute hört man diese 3 genannten Hits ständig im Radio, auf Partys. Eine Reminiszenz an die lässigen und unschuldigen 80er, als Leder-Miniröcke, heiße Chicks in coolen Autos, und laute Synth-Gitarren das heiße Ding waren. Und Gitarren-Synths!

Neben der Dreiheiligkeit der Hits gibt es noch jede Menge Knaller: „Got Me Under Pressure“, megageil und hart, wie immer coole Vocals, jede Menge Gibbons Solo-Arbeit, wie wir sie lieben, und wir nur er sie spielen kann: ein Gibbons-Solo erkennst du nach wenigen Takten, keiner schlägt die Gitarre an wie er.

Es gibt den down to earth Boogiereißer  „If I Could Only Flag Her Down“,  das schleppende durchgeknallte „TV Dinners“ (I like the enchiladas and the teriyaki too
I even like the chicken if the sauce is not too blue!), es gibt den kläffenden „Dirty Dog“ („Legs“ revisited, aber geil!), und und und. Alles geil. Supergeil.

Ein Muss in jeder Plattensammlung!! Einordnen unter Z. Ganz hinten!

5/5 P.

Martin

 

 

Werbeanzeigen