ABC-KLASSIKER DES METAL / W / WHITESNAKE/ 1987 (1987)

ABC-KLASSIKER DES METAL / W / WHITESNAKE/ 1987

David Coverdale gründete WHITESNAKE nach dem Ende von Deep Purple – basierend auf seiner Liebe zum bluesgetränkten Hardrock der 70er.  Den Hardrocklegenden um Ritchie Blackmore nicht unähnlich – zumal auch Jon Lord und Ian Paice mit von Purple zur neuen Band wechselten – wurden Whitesnake anfangs oft als Purple-Nachfolger gehandelt.

Eine Reihe cooler Alben folgte, und Coverdale verbrachte fast zehn Jahre in mittelgroßen Locations vor allem in Europa und spielte seine bluesigen Rocknummern. Nach der Veröffentlichung von „Slide It In“ (1984) begannen sich die Dinge langsam  zu ändern. Mit den etwas publikumswirksameren  Songs wie „Slow and Easy“ und dem Titeltrack begann das amerikanische Publikum aufmerksam zu werden, und nach der Entscheidung, das Album für den US-Markt zu remastern, begannen die Räder sich schneller für Coverdale und seine Band zu  drehen.
In dem Wissen, dass ein Hammer-Nachfolge-Album für die sich gerade in einer Glam-Metal-Hysterie befindenden USA erforderlich war, begaben sich  Coverdale und der genialische Gitarrist John Sykes ins Studio, in der Hoffnung, den kommerziell überaus wichtigen amerikanischen Markt zu knacken. Dass Sykes sich mit Coverdale während der Aufnahmen verkrachte (er wollte David während dessen Krankheitsphase  irrwitzigerweise ersetzen – also den Chef der Band rauswerfen!!) und nach Fertigstellung des Albums bereits nicht mehr in der Band war, ist eine interessante Randnotiz.

„1987“ (einfach bekannt als „Whitesnake“ in den USA) war und ist das mit Abstand meistverkaufte Whitesnake-Album. 8-fach Platin in den USA – der Erfolg von 1987 übertraf selbst die kühnsten Hoffnungen Coverdales bei weitem. Unterstützt durch MTV-freundliche Videoclips mit heißen Chicks in knappen Outfits und überbordendem Hardrock-Posing, enthielt das Album mehrere Hits und machte David Coverdale (wieder)  zu einem der größten Rockstars seiner Zeit.

Das auch heute noch unfassbare „Still Of The Night“ (basierend auf einem alten Demo von Coverdale/Blackmore) ist einer der besten Opener aller Zeiten und wird bis heute als Klassiker der Band verehrt. Na klar: Led Zep standen Pate, circa Höhe „Kashmir“, aber scheiß drauf: jedes Riff ist gigantisch, und es ist ein fantastisches Beispiel für Coverdales mega Shouter-Qualitäten, während Sykes pumpende Akkorde dazugibt und ein unvergessliches Solo.  Der runtergedimmte epische keyboardunterlegte Mittelteil löst sich dann in einer  wahrhaft orgasmischen Bridge auf, dessen Riff auch noch heute auf jeder Hardrockparty eine Gänsehaut verursacht. Allein dieser Song ist unerreicht, und 1987 konnte sich diesem Hammer kein Hardrock/Metal-Fan entziehen.

Die beiden größten Hits der Band sind auch auf dem Album zu finden. Die wegweisende Ballade „Is This Love“ und natürlich der Trademark-Whitesnake -Song  „Here I Go Again“. Er wurde schon 1982 für Saints & Sinners aufgenommen und auch in Europa als Single veröffentlicht,  aber erst die Fassung auf 1987 brach alle Rekorde und wurde zur Nr. 1 in den USA. Eine geniale Hymne auf das (Über-) Leben, die jeder echte Whitesnake-Fan schon 1982 auswendig mitsingen konnte, die dann aber 1987 auch außerhalb der Fankreise krass einschlug. Für mich in beiden Version immer noch eine der geilsten und ergreifendsten Hardrock-Songs überhaupt. Übrigens ist dies die einzige Nummer auf der John Sykes nicht das Solo spielt: Adrian Vandenberg übernahm dies nach Sykes‘ Demission.
Es wurde ja damals von alteingesessenen Whitesnake-Fans viel über die vor allem optische Neuausrichtung der Band Richtung Hair Metal gelästert (auch von mir), und man fragte sich schon ob der gute alte David jetzt wirklich da ist wo er immer hingewollt hat. Dennoch musste man zugeben: das Album war einfach nur geil, halt eine total aufpolierte und auch druckvollere Version der alten Bluesrock-Whitesnake. Es muss auch gesagt werden, dass viele der Songs auf 1987 immer noch offensichtlich im Blues verwurzelt waren, wie der ZZ-Top-Style von „Give Me All Your Love“ oder auch „Cryin In The Rain“.

Schnell übersieht bzw überhört man die Talente von Drummer Aynsley Dunbar und Bassist Neil Murray – die Rhythmusgruppe spielt hier mit der nötigen Lockerheit und gleichzeitig mit der zupackenden Tightness, die für die Neuerfindung der Band extrem wichtig waren.

Auch die weniger bekannten Songs überzeugen durchweg durch ihre schiere Qualität:  „Looking For Love“, „Bad Boys“ und „Children of the Night “ sind nicht weniger geil als die Hits.

2019 kann man sich das alles immer noch ohne rot zu werden anhören.  Sicher, die Drums klingen typisch 80er und es gibt wahrscheinlich mehr Synthesizer-Parts als schon damals nötig, aber man gerät doch unweigerlich bei jedem Neuhören in diesen wilden Coverdale/Syke-Adrenalinrausch – und es ist nicht zu erwarten dass es nachfolgenden Generationen anders ergeht.
Coverdale war nie mehr so gut wie damals – aber er hat seine Band dennoch immer wieder reaktiviert und bringt weiterhin sehr solide Alben heraus, so auch in diesem Jahr. Auch auf Tour wird man ihn in Deutschland im Sommer sehen. Sicherlich wird er wieder einige Songs von 1987 zum Besten geben – denn das Album ist nichts weniger als ein wahrer Klassiker des harten Rocks.

5/5

Martin

 

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