ABC-KLASSIKER DES METAL / V / VENOM / Black Metal (1982)

VENOM aus Newcastle waren im UK schon einigermaßen bekannt, als sie mit ihrem Debüt Welcome To Hell 1981 aufhorchen ließen – da machte sich ein räudiger Dreier in Nachfolge von Motörhead oder Tank daran, das Metal-Hardrock-Trio-Konzept noch zu toppen.
1982 erschien dann ihre Großtat Black Metal.  Allein der Titel begründete ein völlig neues Genre: kompromissloser Heavy Metal, schnell, dreckig, und grundlos böse!  Anders als die Vorgenannten und all die Bands der NWOBHM,  die aus der Priest und Maiden-Tradition kamen, die Hardrock und Punk als ihre Wurzeln nannten, kamen Venom zwar auch aus der Ecke, mixten das aber zu einem bisher ungehörten Sound. Hinzu kamen die abgefuckten Lyrics, die sich ein Bruce Dickinson nie hätte leisten können…..

Hört man sich die Platte heute an, stellt man fest: so klang 1982 wirklich niemand, das war der eigentliche Start des schnellen Metal – die Ursuppe, aus der Thrash und Death und Speed wachsen sollten, und 2 Jahre nach Ace Of Spades der Beweis, dass man noch krasser als Lemmy sein konnte – was eigentlich nicht vorstellbar war 81/82.

Was gilt es hervorzuheben? Erstmal natürlich die musikhistorische Bedeutung des Albums. Black Metal! Gab’s vorher nicht, und auf einmal war das Schlagwort in der Welt, und man wusste: wie Black Sabbath  in den 70ern mit diabolischen Themen herumspielten – das kann man auch viel direkter machen – voll auf die 12: hier geht es um die Anbetung des Satan!  Der Opener und Titelsong ist auch heute noch ein Killertrack: Satanismsus meets heavy metal Rocknroll (lay down your souls to the gods rocknroll!!) – das fanden damals alle Metalfans ultrageil, megaböse und sind voll drauf abgefahren. Zurecht!

VENOM begründeten also mit dieser Platte das Genre Black Metal und waren für ein paar Jahre die Könige in ihrem Reich – obschon sehr bald Bands wie Slayer (deren Debüt sehr nach Venom klingt, und die extrem von Venom beeinflusst waren) oder Possessed oder in Europa Hellhammer/Celtic Frost ihnen nacheiferten und sie bald auch überholten. Woran lag es, dass die Band nicht den nachhaltigen Erfolg von z.B. Slayer hatte? Da sind wir beim 2. Punkt: die Produktion bzw der Sound des Albums. Zwar besser als das Debüt, aber immer noch – typisch Neat Records – ein ziemlicher Klangbrei – nicht zu vergleichen mit Slayers erstem Album ein Jahr später.

Punkt 3: das Trio Infernale VENOM war einfach musikalisch etwas unterbelichtet. Arrangements und Songwriting halten den Vegleich mit den amerikanischen Nachfolgern nicht stand. Zuviel vom Gleichen – das konnte nicht gut gehen. Schauen wir den Drummer Abandon (ja, VENOM waren auch die Erfinder der lustigen bösen Nicknames!!) an: wie er auf seinem Drumset einprügelt, ohne Sinn für’s Timing  oder geile Fills, da erscheint ja Peter Behrens von Trio als Virtuose. Note 5-. Mantas an der Gitarre: wenig Gefühl, scheiss Sound, verkackte Soli. Nur Cronos überzeugte mit seinem doch sehr geilen Bass-Spiel – wie er immer wieder den Hals hochrutscht und den Tieftöner songdienlich malträtiert, das hatte Neuigkeitswert und hört sich immer noch toll an. Auch seine extrem räudige Stimme war damals völlig neuartig – die hörte sich wirklich evil an, er erfand eigentlich so nebenher das, was man später als Grunzen im Death Metal wiederhörte.

Aber auch hier: scheiß auf Produktion und mangelnde musikalische Ausdrucksweise: es war das Gesamtpaket, der Novelty-Wert, das Unerhörte, was uns Metal-Fans damals packte. Der Band ging ja hierzulande ein legendärer Ruf voraus, vor allem ihre Live-Shows waren in unfassbares Spektakel – und sie machten sich in Deutschland live rar – was ihren Ruf noch legendärer machte. Der METAL HAMMER war auf jeden Fall fasziniert von der Band, und wir als Leser des Hammers konnten es kaum erwarten, Black Metal auf den Plattenteller zu bekommen.

Raise The Dead, Acid Queen, das witzige (!) Techers Pet, die absoluten Black Metal Klassiker Bloodlust, und  Countess Bathory – Songs die ich heute noch auswendig mitgröhlen kann und die eine Armada junger Metalmusiker inspirierte, es genauso oder noch finsterer und schneller zu versuchen.

Hinzu kommt das legendäre enigmatische Coverbild – böse böse! Da hatten wir Metalkids schon ein Frösteln beim Auspacken der Platte…. Ok, den Kopf haben sie von Angel Witch geklaut, aber hey: so war das früher!

Black Metal ist ein Muss in jedem gut sortierten Metal-Haushalt und sollte regelmäßig durch die Lautsprecher preschen! Denn wie deklamierte good old Cronos doch so subtil wie nachdrücklich : „Black is the night, metal we fight/ Power amps set to explode. /Energy screams, magic and dreams/ Satan records the first note./ We chime the bell, chaos and hell/ Metal for maniacs pure./Faster than steel, fortune on wheels/ Brain haemorrhage is the cure. / Black metal / Black metal/Lay down your souls to the gods rock ’n roll! „

Darauf ein Messbecher Opferblut!

5/5

Martin