ABC-Klassiker des Heavy Metal / Q / QUEENSRŸCHE/ Operation Mindcrime (1988)

ABC-Klassiker des Heavy Metal / Q / QUEENSRŸCHE/ Operation Mindcrime (1988)

Achtung, Meisterwerk! Queensrÿche (wo findet man denn das y mit Punkten auf der Tastatur?) hatten es 1988 mit ihrem 3. Album geschafft, sich vom simplen Haudrauf-Glam-Hardrock-Trend fernzuhalten, der damals den Ton angab. Kein Sex & Drugs & RocknRoll-Klischee war von ihnen zu vernehmen, keine allzu flachen Lyrics wollten sie texten – das war ihr Credo auch schon auf den ersten Alben. Aber als dann die Band 1988 einige komplexe und extrem gut durchkomponierte Songs sowie intellektuell anspruchsvolle Texte schrieb, verband sie dies mit einem mitreißenden Konzept über Manipulation, gewaltsame Revolution und einen unfreiwilligen Mörder:  und fertig war 1988  „Operation: Mindcrime“,  ein gleichzeitig schwierig  zu durchschauendes, aber doch extrem massentaugliches Album, welches oftmals als das beste Konzeptalbum aller Zeiten angehen wird – trotz solche Kaliber wie Tommy oder The WallQueensrÿche brachten die Seriosität in den Metal zurück – ähnlich wie Guns’n’Roses ein Jahr zuvor, die den Dreck von der Straße in etwas nie zuvor gehörtes verwandelten, setzte sich diese Band von allem Glam-Pop-Metal brutal ab – es war ein finales Aufbäumen des anspruchsvollen Heavy Metals! 

Das sensationelle Werk beginnt nach dem Intro (berühmte Worte: „I remember now. I remember how it started. I can’t remember yesterday. I just remember doing what they told me…“)  mit  „Anarchy X“, einem Instrumental-Track, dessen Ziel es ist, Spannung für den  Killersong ‚Revolution Calling‘ aufzubauen. Dann folgen nur noch  erhabene und memorable Songs, zum Beispiel der Hit „The Mission“ mit seinem tollen Chorus, bei dem wir das gesamte Spektrum der Geoff-Tate-Sangeskünste bewundern fürfen – hier war er (wie die gesamt Band) eh auf dem Zenit seiner Schaffenskraft.  Einige Songs sind dabei von herausragender immerwährender Qualität („Speak“, „Operation: Mindcrime“, und das finale „Eyes Of A Stranger“, ein all-time-Klassiker des Heavy Metals, den jeder Metalfan auswendig mitsingen kann), während andere eher etwas experimenteller sind wie „My Empty Room“ und die elegische 10minütige „Suite-Sister Mary“ . „I Don’t Believe In Love“ wurde damals sogar für den Grammy nominiert. Was ein Hammer-Song! Es gibt eine Menge geiler Riffs, fabelhaftes Drumming, aber der wahre Held hier ist eindeutig Geoff Tate – selten hat jemand ein geilere Performance am Mikro geliefert. Seine Stimme, die manchmal an Bruce Dickinson erinnert,  ist dermaßen intensiv und emotional, dass sie das Album auf eine höhere Stufe der Mindcrime-Tragödie hebt. Zusammen mit Ronnie James Dio und eben Bruce Dickinson einer der besten Metal-Sänger aller Zeiten, ohne Zweifel.

Queensrÿche haben sich mit dieser Platte unsterblich gemacht. Jeder Musikfan sollte sich ernsthaft  mit der Musik, der Herangehensweise, der Produktion, und natürlich auch der Story von Nikki auseinandersetzen: dem so leicht manipulierbaren Herumtreiber, der einen bösen Pakt mit dem geheimnisvollen Dr. X abschließt, den er später bitter bereuen wird.  Ein Story, die gerade in diesen Jahren eine fast schon gespenstische Aktualität aufweist.  – Das Konzept und dessen kongeniale Umsetzung geht weiter über den Metalbereich hinaus und hat Maßstäbe gesetzt, die selbst spätere tolle Konzept-Musiker wie Porcupine Tree nicht überwinden konnten. Und es ist auch nicht vorstellbar, dass heute sich nochmal jemand so etwas zutraut.

5/5 P.

Martin

 

 

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