ABC-Klassiker des Heavy Metal / J / JUDAS PRIEST / Screaming for Vengeance (1982)

ABC-Klassiker des Heavy Metal / JUDAS PRIEST / Screaming for Vengeance (1982)

Bei JUDAS PRIEST hat man die Qual der Wahl – es gibt das überragende Aggro-Werk Painkiller, es gibt das Meisterwerk am Ende der frühen Phase, British Steel, und dann gibt es: SCREAMING FOR VENGEANCE – ich habe mich dafür entschieden, weil es das Album war, das ich zuerst als als Jugendlicher von Priest kennen lernte, das mich packte und nie mehr losließ. Und auch unter Fans ist SFV als Großtat der Band anerkannt, und durch den überragenden kommerziellen Erfolg gilt es als eine der wichtigsten Platten des Heavy Metal.
Priest erreichten nämlich mit ihrer immerhin schon achten Studio-Veröffentlichung endlich ein wichtiges Karriere-Plateau, nämlich den späten endgültigen Durchbruch in den USA mit Doppel-Platin. In Europa waren sie ja schon als Pioniere des Heavy Metals berühmt – Sad Wings Of Destiny von 76 dürfte eines der allerersten Metal-Alben überhaupt sein, und jahrelang waren sie mit Black Sabbath die einzigen die „echten“ Heavy Metal spielten.

Einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg dieses Albums war das verfeinerte Songwriting von Halford/Tipton/Downing. Während die eher zurückhaltenden Pop-Metal-Experimente von POINT OF ENTRY kurz vorher zumindest teilweise enttäuschten, ging die Band bei SFV ausgewogener an die Arbeit. Fans ihrer früheren Alben wussten die inspirierte und auf Adrenalin getrimmte Gitarrenarbeit von Glenn und K.K. zu schätzen. Und dann die zupackende Aggressivität  von „Electric Eye“, „Riding On The Wind“, „Bloodstone“ und der metallischen Groove des Titeltracks  – dem konnte sich 82 niemand widersetzen! Es waren Definitionen des harten Heavy Metals, wie er zu jener Zeit einfach (noch) nicht zu hören war. Motörhead waren ja mehr harter Rocknroll, Venom knüppelten sich im Underground ihren Black Metal zusammen auf untersten Niveau – Metallica und Slayer waren kurz vor dem dem Durchbruch. Und na klar, die NWOBHM rollte an und stellte alles auf den Kopf. Priest als Vertreter der „old wave“ waren ihren jüngeren Epigonen aber zumindest mit dieser Großtat 1982 wieder meilenweit voraus – was  schierer eindeutiger Heavy Metal angeht, waren sie die Geilsten.

Ihre Pop-Metal-Neigungen lebten sie auch aus – aber sparsamer als auf POINT, dennoch extrem effektiv mit dem hardrockigen Übersong „You’ve Got Another Thing Comin“ , das zu einem mega crowd pleaser wurde und in den USA der erste Riesenhit in den Charts wurde. „(Take These) Chains“ (geschrieben von Bob Halligan Jr.) ist auch kommerziell ausgerichtet, aber dennoch genug Metal, um auf dem Album zu bestehen.  „Fever“ ist sowas wie eine Priest Power-Ballade, aber selbst dieser Song hat immer noch ein aggressives Metal-Potential. Nur die S&M Phantasie  „Pain & Pleasure“  – Rob Halford hat ja nebenher auch das Leder-und Ketten-Image des Metals erfunden – fällt etwas ab in der Reihe der Mega-Klassiker.

Eine weitere tolle Sache an SFV ist die gestochen scharfe Produktion von Tom Allom. Der Sound ist eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem relativ langweiligen Mix von POINT OF ENTRY und einiger früherer Sachen.

Hervorheben möchte ich allerdings noch die einzelnen Bandmitglieder. Rob Halford glänzt hier wirklich bei jedem Song. Ich weiß noch, als ich das Album die ersten Male hörte, dachte ich nur: was ist DAS für ein unfassbarer Sänger? Zu den denkwürdigsten Momenten seiner großen Karriere zählt wohl „Electric Eye“, unglaublich geil sein „Screaming For Vengeance“ (und er schreit es hinaus!) und seine Stimme auf den Bridges bei  „Devil’s Child“ und „Fever“. Glenn Tipton & K. K. Downing glänzen in jedem Song, ihre Soli sind zum Niederknien – sie setzten die Messlatte hoch für alle zukünftigen Metal-Gitarristen!

SCREAMING FOR VENGEANCE öffnete 1982 vielen neuen Fans die Tür ins JUDAS PRIEST-Reich  – ich finde, jeder Metalfan sollte dieses Album besitzen und regelmäßig hören. Ob es nun das BESTE Album von Judas Priest war oder nicht: diese Debatte dauert schon Jahrzehnte und sie wird wohl nie beendet sein. Ich habe keinen Zweifel daran, dass dieses Album definitiv ein Highlight in der unglaublichen Karriere dieser Metal-Helden ist – und darüber hinaus ein Meilenstein in der Geschichte des harten Rocks überhaupt.

5/5

Martin

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