Israel Nash / Lifted (Rough Trade)

Israel Nash / Lifted (Rough Trade)

Ursprünglich aus Missouri stammend und jetzt in Dripping Springs/Texas beheimatet, nahm Israel Nash „Lifted“ – sein nunmehr 5. Album – wiederum in seinem Ranch Home Studio auf. Diesmal ist das Ergebnis direkter und kompakter als gewohnt – nur ein Track überschreitet die 5-Minuten-Marke –  dennoch mit einer unvergleichlichen melodischen Stärke. Nash verströmt ja seit jeher eine moderne Hippie-Spiritualität, die er nun zu neuen Höhen führt.
Die Einflüsse und Referenzpunkte bleiben jedoch weitgehend gleich, vor allem wie immer Neil Young, aber auch Westcoast-Rock à la CS & N, und neuerdings der sonnige psychedelische Harmonie-Pop der Beach Boys wie in „Sweet Springs“, dem ein kurzes Intro aus Field Recordings vorausgeht (plätschernder Regen und laut Info auch Frösche, Grillen und eine Klapperschlange!). Ähnlich der hymnische Album Opener „Rolling On“ mit seinem kosmischen Prelude – After The Goldrush ist nicht fern…
Unterstützt von seiner  Band um Joey und Aaron McClellan an Gitarre und Bass, Eric Swanson an der Pedal Steel und Schlagzeuger Josh Fleischmann, reüssiert Nash mit tollen verspulten Songs. Erwähnenswert besonders das orchestral aufgeführte „Looking Glass“ mit seiner CS & N Verträumtheit. Bei „Lucky Ones“ beweist Nash, dass er auch straighten lässigen Midtempo-Country-Rock kann.
Zum Ende hin dann gibt es dann die erhabenen Werke mit großen Gesten – Northwest Stars (Out of Tacoma), The Widow, Strong Was The Night sind nur noch groß, tief, und mit ihrem gospelähnlichen Ansatz gänsehauterregend. Völlig OTT – aber das muss man sich auch mal trauen. Der Albumtitel hält was er verspricht: Israel Nash hebt dich auf und trägt dich fort.  „Lifted“ ist megagroß und sehr intim, extrem persönlich und universell, und was die Texte angeht: aus Verzweiflung geboren, aber von Hoffnung getrieben.  Ein unwahrscheinliches Album im Jahre 2018.

5/5

Martin

Advertisements