RICK PARFITT / Over And Out (Ear Music) – Review und Würdigung des großen Rockers

RICK PARFITT / Over And Out (Ear Music) - Review und Würdigung des großen Rockers

Rick Parfitts Abschiedsalbum. Was soll man sagen? Rick verstarb am Heiligen Abend 2016 – ein massiver Schlag ins Kontor für alle QUO- und RocknRoll-Fans. Er hatte immerhin seine Gesangs- und Gitarrenparts schon alle eingespielt. Das Album wurde dann von einigen seiner besten Freunde vervollständigt, u.a. den Ex-Quos Rhino Edwards und Alan Lancaster, sowie Brian May und Chris Wolstenholme (Muse), ein lebenslanger QUO-Fan.

„Over and Out“ ist eine Zeitreise duch das Quo-Universum, wie Rick es sah. Hier kann man es noch ein letztes mal hören, erleben: seine Rhythmusgitarre war weltweit einmalig, und hier bekommt man in vielen Songs nochmal das volle Boogie rhythm pattern Brett, wie nur Ricky es drauf hatte. Die Opener ‘Twinkletoes’ und ‘Lonesome Road’ schießen uns direkt zurück in die 70er, ungefähr „Blue for You“. Und es dürfte Alan Lancaster da am Bass sein! Brian May gibt sich direkt am Anfang auf ‚Twinkletoes‘ die Solo-Ehre mit seiner trademark guitar.

Danach wird’s für Parfitt-Fans wirklich hart zuzuhören. Der Song ‘Over and Out’ läutet die ruhige Seite des Albums ein. Ein autobiografischer Song mit einer unfassbar traurigen Message – I’m trying to fly, I think it’s goodbye, And this is my over and out‘  – wusste Rick dass es bald vorbei sein würde? Unfassbare Zeilen, die einen traurig und schaudernd zurücklassen.  ‚When I Was Falling In love‘ ist gar Roy Orbison/Travelling Wilburys-Stoff vom Allerfeinsten mit Streichern und großen Gefühlen. Hammer was Rick alles drauf hatte! Schwer dann wieder zurückzukehren  zum Boogie-Kanon in ‘Fight For Every Heartbeat’ (auch dieser Titel ist angesichts des nahen Tods beinahe makaber). Parfitt liefert hier seine Rhythmen, es ist der gute alte vintage Quo Sound in die Jetztzeit transponiert,  mit einer sehr cleveren Ohrwurm-Melodie.

‘Without You’ – noch eine Ballade die sich immens nach Abschied anhört, und spätestens hier darf der Hörer und Fan auch mal eine Träne vergießen. Bewegend.  Hier merkt man aber auch, dass Ricks Songwriting eine emotionale Tiefe  erreichen konnte, die man bei Quo so kaum hörte. Definitiv mehr als „nur 3 Akkorde“ – was Quo natürlich auch nie war.

Die straighten pumpenden Rocknroll-Songs am Ende der Platte sind dann wieder ein wahres Freudennfest. ‚Long  Distance Love‘ geht mächtig ab, hat eine superbe Melodie und noch mal Brian May. Toller klassischer Parfitt-Song, den man nicht oft genug hören kann.  Den Parfittschen getragenen slow boogie bluesrocknroll zum Headbangen und Airguitar spielen gibt’s auch am Ende bei ‚Halloween‘- Rick mit krass voller Singstimme, die den Chorus rausschreit, Hammer. So hat man ihn bei Quo Jahre nicht gehört. Tolles Album – und was hätte da noch kommen können mit Quo. So schade, dass er uns so früh verlassen musste.

Ricky hat nicht nur mich durch mein ganzes Leben begleitet, Status quo waren überhaupt mit die allererste Rockband, die man in den 70ern als Junge geil fand – und seine Art zu spielen hat so viele Musiker inspiriert. Neben Malcom Young, der ein Jahr später verstarb,  war er  der größte Rhythmusgitarrist aller Zeiten.  Einen wie ihn wird es nicht mehr geben – weil das Modell Rockstar und Gitarrenheld nicht mehr in der Form existiert. Er war der protoypische Rockstar seiner Ära und Zeit seines Lebens ein echter down to earth Rocker – seine linke Hand ist legendär, und wer sich Videos anschaut wie er seine Fender Telecaster spielte, bearbeitete, angriff, versteht hoffentlich, wie einmalig er war. Dabei ähnlich wie Lemmy kreativ bis zum letzten Herzschlag, wie das Album beweist. Seine Fans werden ihn nicht vergessen.

Wie schrieb Chris Wolstenholme kürzlich: „Rick’s strength as a player was his immediately recognisable style; very staccato, like his left hand was constantly bouncing off the strings. It’s very hard to do, and I’ve never seen anyone else do it quite like him. But then, there never was anyone quite like Rick!“

Thank you for the music and all the memories Rick Parfitt – rest in peace.

 

5/5 P. Martin

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