QUERBEAT – Die neuen Winnetou …. Interview zum Tourstart in Köln

Querbeat – die Brass-Pop-Band mit Bonner Wurzeln – sind inzwischen im Kanon der Kölner Musik-Institutionen angekommen. Letztes Jahr 2 mal Palladium ausverkauft; spätestens seitdem  ist man bei den großen Kölner Bands mit dabei – und das beileibe nicht nur im Karneval. Wenn es überhaupt eines Beweises auch ihrer bundesweiten Massenkompatibilität bedurft hätte, dann ist er spätestens mit der neuen Deutschlandtour gegeben – denn viele Gigs sind bereits jetzt ausverkauft, so in Hamburg oder Frankfurt. Und das bei durchweg größeren Läden als bei ihrer ersten Tour 2017. 2018 wird nun also ihr Jahr: große Tour, neues Album im Herbst am Start, im Sommer erstmals große Festivals wie das Juicy Beats – und dann noch die „Kölsche Welttour“. Martin Hannig sprach vor dem 2. Gig in der zweimal natürlich ausverkauften Live Music Hall zum Tourstart mit der Band – und hier vor allem mit Jojo (Sänger, Gitarrist, Sprachrohr und begnadeter Sprüche-Raushauer – wir kamen aus dem Lachen nicht heraus!) und Andy Berger (Bassist, Studiofex, Manager).

Interview: Martin Hannig / Bild mit freundlicher Genehmigung von Querbeat

entertaim.net: Ich hab gerade kurz zugeschaut beim Soundcheck. Ihr habt ja hier ’ne richtig fette Lightshow am Start! 

Querbeat (Jojo): Wir übertreiben es gern mal ein wenig.  Das Büro und die Agentur und das Booking – die freuen sich nicht so darüber. Aber wir haben Bock unsere größeren Ideen auch mal auszuleben. Und da gehört Licht mit dazu, denn Licht verkörpert einfach viele Stimmungen, die wir in den Songs auch haben. Wir setzen voll auf Live-Energie. Und da ist das Licht ein echt wichtiger Posten!

entertaim.net: Ihr  geht jetzt auf Tour –  in Köln hier ist der Start, und ihr seid ja eine der wenigen Kölner Bands die so langsam auch außerhalb der Region erfolgreich sind. Man sieht auf der Website einige Shows sind schon ausverkauft! 

Querbeat (Jojo): Einige sind NICHT ausverkauft! (Gelächter). 

entertaim.net: Also steht ihr hier mit stolzgeschwellter Brust… 

Querbeat (Andy): Ja es ist krass! Letztes Jahr waren wir zum ersten Mal  auf Deutschlandtour, da haben wir es ausprobiert, in kleineren Locations. Jetzt haben wir einen Schritt nach vorn gewagt und spielen in 1000er, 1500er Locations, so wie hier. Wir hatten da schon etwas Respekt vor. Und jetzt bekommen wir ständig die Meldungen von der Agentur: ausverkauft, ausverkauft, ausverkauft. Das ist geil und wunderbar, dass wir außerhalb Kölns jetzt so ankommen.

entertaim.net: Ihr spielt ja schon sehr lange zusammen, und habt auch sehr lange für euer erstes Album „Fettes Q“ gebraucht… 

Querbeat (Jojo): Wir nennen das immer „eine sehr lange Inspirationsphase“ ….

ntertaim.net: Und nun soll es ein neues Album geben? 

Querbeat (Andy): Das ist richtig, es soll im Herbst erscheinen. Einiges ist fertig, ein paar Sachen brauchen noch. Da wollten wir uns wie immer nicht stressen lassen. Wer so lange für das erste Album braucht, kann auch mal für das 2. ein Jährchen brauchen (Gelächter!).

entertaim.net: Dennoch ungewöhnlich, dass ihr wieder auf Tour geht ohne ein neues Album.  

Querbeat (Andy): Wir haben Fettes Q ja auch noch nicht totgespielt. Außerhalb Kölns sind wir ja immer noch relativ unbekannt und so können wir uns noch einige neue Fans erspielen. Und für uns sind die Songs auch nicht tot, wir stehen zu ihnen und finden sie geil.

entertaim.net: So manchen Song spielt ihr ja im Kölner Karneval so gefühlt 10.000 Mal. Gibt es denn zumindest da Abnutzungserscheinungen? 

Querbeat (Jojo): Wir nutzen uns ab, aber der Song nicht (Gelächter!!) Klar wir spielen den Song oft, aber es sind jedesmal neue Leute da. Egal ob du ihn zum ersten oder zum zweiten und dritten Mal hörst, es ist für die Leute ja immer eine neue Erfahrung. Und die Zusammensetzung der Leute ist ja auch anders. Eigentlich wird der Song jedes Konzert neu geboren. Irgendwann, wenn man vielleicht wie Bryan Adams zurückschaut und 30 Jahre „Summer Of 69“ gespielt hat, dann kann man  vielleicht darüber nachdenken, die Nummer aus der Setlist zu nehmen. Aber die Leute wollen sie hören, und eigentlich muss man dankbar sein, dass man solche Songs hat, die die Leute gerne hören wollen.

entertaim.net: Draußen stehen ja schon seit Stunden Leute in der Schlange vor dem Eingang, völlig jeck . Ich würde sagen viele Studenten, Schüler, Azubis – aber auch deren Eltern sind teils mit dabei…. 

Querbeat (Jojo): Ja das ist inzwischen generationsübergreifend,  das beobachten wir auch. Natürlich sind die Jüngeren die, die ausrasten und eskalieren. Aber die Eltern haben oft auch nichts dagegen, mitzukommen. Das freut uns auch total. Dass die sich einigen können und die DVD zu Hause zusammen gucken, toll. Was früher Winnetou war, sind jetzt wir (Gelächter!!!).

entertaim.net: Geiler Spruch, danke für die Headline. 

Querbeat (Jojo): Gern. Karl-May-Festspiele in der Live Music Hall.

entertaim.net:  Also in Köln seid ihr ja bekanntlich Weltstars….

Querbeat (Jojo): Ja genau – deswegen machen wir im Oktober auch ’ne Welttournee. In Köln.

entertaim.net: DAS ist ja mal ’ne geile idee. Wie kamt ihr denn da drauf? Eine Tourneee durch Kölner Hallen und Clubs.

Querbeat (Jojo): Das war der Carlos von uns. Alle fragen uns ja: was kommt nach 3 mal Palladium? Die meisten sagen: 4 mal Palladium, oder die Arena. Aber wir haben einfach Bock auch als Clubband weiter zu wachsen, das ist ja auch unser Ding. So kam die Idee. Aber auch da haben erstmal alle die Hände übern Kopf zusammengeschlagen. Das macht ja finanziell auch gar keinen Sinn. Aber es macht Bock. Wir wollen uns auch so’n Nightliner mieten und dann vom E-Werk zum Palladium fahren einmal über die Straße. Das soll ja ne richtige Welttournee werden. (Gelächter!!!) Du merkst, es geht uns auch darum, dass wir Spaß haben.

entertaim.net: Wenn ihr jetzt hier losfahrt und ab morgen auf Tour geht, wie geht das, alle Mann in einem Bus?

Querbeat (Jojo): Ja klar, 26 Leute, das ist ’ne riesen Klassenfahrt.

entertaim.net:  Ist das nicht zu eng mit so vielen? Man kennt ja nur so Bands mit 3, 4 Leuten im Nightliner.

Querbeat (Andy): Ja die haben dann so ihre Suiten, während wir unsere Schiffskojen haben. Mal gucken wie das klappt, wir waren noch nie so lange am Stück zusammen unterwegs.

(Jojo): Vermutlich wird’s die eine oder andere Rauferei geben – irgendeiner bleibt halt immer auf der Strecke. Man geht mit 13 Leuten auf Tour und kommt mit 10 zurück. Ist ja bei uns gerad Trend (Gelächter!!!).

entertaim.net: Ihr seid so viele das fällt eh nicht auf.

Querbeat (Jojo): Eben. Ich würd am liebsten auch alleine losfahren (Gelächter!!!!!).

entertaim.net: Basti Kampmann hat mir mal erzählt, dass bei seiner Band Kasalla die „ernsthaften“ Musikmedien sofort die Schublade aufmachen – das ist Kölsch, Karneval, alles Driss. Obwohl die Songs und der Sound richtig geil fett sind. Das stört ihn zwar nicht aber so ist es halt, du kommst dann in so einem anderen Umfeld als Band gar nicht vor. Ist das auch für euch ein Problem, und ein Grund mehr hochdeutsch zu singen?

Querbeat (Jojo): Also uns gibt es seit 2001. Wir haben schon in Sprachen gesungen, das gibt’s gar nicht. Spanisch, Englisch, Klingonisch. Viel instrumental. Dann gab es jetzt die Phase wo wir gesagt haben: wir haben jetzt Bock auf Karneval – damit sind wir ja auch aufgewachsen. Aber wir gehen immer von Song zu Song, wie er sich anfühlt, welche Sprache zu der Musik besser passt. Ist viel Bauchgefühl.

entertaim.net: Wer schreibt bei euch eigentlich die Musik bzw. wie kommen die Songs zustande?

Querbeat (Jojo): Mal so mal so. Die Texte kommen meistens von mir. Die Musik von 5 , 6 Leuten die ihre Ideen der Band vorstellen. Dann wird relativ schnell das Ding weitergejammt. Oft entwickeln sich die Songs dann in eine ganz andere Richtung. Das ist der Vorteil: bei 13 Leuten hast du 13 Meinungen, das finden wir positiv. So fließen auch immer sehr viele Einflüsse und Geschmäcker in die Lieder ein.

entertaim.net: Im Sommer spielt ihr in Bonn mit LaBrassBanda. Waren die eine Inspiration für euch? Kennt ihr die schon lange?

Querbeat (Andy): Kennen auf jeden Fall. Platten immer viel gehört und auf jeden Fall wahrgenommen, dass da Mundart nicht nur im oberbayerischen Dorf funktioniert. Die überzeugen durch qualitativ sehr hochwertigen Bläsersound. Klar, die sind eine von vielen Inspirationen.  Aber nicht das Ding dem wir nacheifern wollen. Wir haben da immer unsere eigenen Süppchen gekocht.

(Jojo): Witzigerweise, an dem Tag vor dem Bonner Gig spielen wir mit ihnen in Österreich zusammen auf dem Woodstock der Blasmusik.  Da sind wohl immer ziemlich viele Leute am ausrasten, und da dürfen wir abends auch spielen und LaBrassBanda mal persönlich kennenlernen. Am Tag danach fahren wir dann gemeinsam nach Bonn. Das wird sehr geil – unsere Heimatstadt und dann bringen wir noch diese Blasmusikpromis mit.

entertaim.net: Ihr habt ja ein unfassbares Enegielevel auf der Bühne – ich seh das in den Karnevalsgigs, da geht es 20 30 Minuten volle Kanne. Und jetzt hier auf 2 Stunden. Wollt ihr das jetzt auf Tour jeden Abend so machen? 

Querbeat (Jojo): Genau das haben wir uns gestern nach dem Gig hier auch gefragt. Als wir so backstage da saßen – puuuh- und das jetzt 17 mal hintereinander. Da haben wir natürlich Respekt vor. Aber irgendwie werden  wir fit durch den Sport auf der Bühne. Viel Adrenalin, viel Emotion. Viel Spielfreude. Alkohol spielt ’ne große rolle, vor allem je länger die Tour geht (Gelächter!!!).

entertaim.net: Am Ende der Tour will ich euch dann sehen… 

Querbeat (Jojo): Immerhin einer! (Gelächter!!!!!)

entertaim.net: In  Wikipedia steht, ihr seid eine Brass-Band. Würdet ihr das noch so sagen? 

Querbeat (Jojo): Also 11 von 13 Instrumenten sind Brass. Besetzungsmäßig stimmt das. Gitarrenrock wäre falsch! Wir nennen es ja „Brass-Pop“. Wir nehmen die Brass-Instrumente und setzen die ein wenig anders ein. Eine Trompete muss ja nicht immer wie ein Trompete klingen. Wir versuchen sowas wie:  wie könnte eine Kombination von 5 Brassinstrumenten mal wie ein Synthesizer klingen? Oder: wie kriegen wir 3 Posaunen so hin, dass sie ein Gitarrenriff spielen! Ich glaube das macht unseren Sound auch so speziell. Da sind wir auch ein wenig anders drauf als BrassBanda. Die gehen da ein bisschen konservativer ran. Wir versuchen es in eine modernere Ecke zu lenken.

entertaim.net: Und live verfremdet ihr dann z.B. übers Mischpult?

Querbeat (Jojo): Auf jeden Fall, wir setzen da auch Effekte ein. Heute z.b.  faken wir ein Gitarrensolo mit ner Piccolo-Trompete. Die Trompete wird durch den Verzerrer gejagt, am Pult. Klingt dann wie ’ne Gitarre und ist ein geiler Effekt.

entertaim.net: Was passiert noch 2018?

Querbeat (Jojo): Wir mache jetzt nach der Tour noch die Songs fertig , da waren wir schon parallel dran und das bringen wir dann zu Ende.

entertaim.net: In  eurem eigenen Studio, hab ich gelesen. 

Querbeat (Andy): Ja wir haben unten einen Proberaum für uns und dann gibt es 3 Studioräume. Das macht es praktisch für uns. Das ist so etwas wie ein Zuhause für uns, wo wir selbst alles produzieren können.

entertaim.net: Hört sich feudal an… 

Querbeat (Jojo): Klingt feudaler als es ist! (Gelächter!!!).

 

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