Cologne Music Conference / Clubkultur vs. Stadtentwicklung….

Cologne Music Conference / Clubkultur vs. Stadtentwicklung....

Im Rahmen der Cologne Music Week schaute entertaim.net  bei den Panels  der Cologne Music Conference rein – es ging um (ökonomische) Aspekte des Kölner Kulturlebens mit dem Schwerpunkt Clubszene vs. Stadtentwicklung und der Frage, ob ein gesetzlicher Kulturraumschutz notwendig ist. Ein Bericht von Martin Hannig

 

Was ist los mit den Kölner Clubs und Kulturschaffenden? Wie werden ihre Interessen berücksichtigt bei Stadtentwicklungsprozessen? Am Beispiel Ebertplatz wurde heiß diskutiert – einerseits ein Platz mit Künstlern und Galerien, andererseits ein Drogenumschlagplatz und Angstraum in der Kölner Bevölkerung. Niklas Kienitz, Ratspolitiker, plädierte eindeutig dafür den Deckel auf den Ebertplatz zu machen – ihn also ebenerdig zu gestalten, um alte Sichtachsen zwischen Eigelstein und Neusser Straße wieder herzustellen. Man müsse sich ehrlich machen, es ginge  hier also nur noch um eine kulturelle Zwischennutzung. Galeriebetreiberin und Ebertplatz-Aktivistin Meryem Erkus hingegen war damit gar nicht einverstanden. Sie sah überhaupt keinen Angstraum – „sowas gehöre halt auch zu einer Großstadt“, sagte sie wörtlich – womit sie wohl Drogenschäfte und schwere Straftaten meinte.

„Übernachten in der Eifel“

Der Dauerbrenner Brüsseler Platz (und andere Locations mit Lärmproblemen) ist immer noch in der politischen Diskussion. Kulturpolitiker Ulrich Soénius schilderte sein Erfahrungen mit Bürgern und Anwohnern aus dem Belgischen Viertel, die teils extrem reaktionär auf die Lärmemissionen reagieren – er empfahl diesen Querulanten leichthin, doch gefälligst „in der Eifel zu übernachten“. Ob das die Probleme vor Ort löst?

Ein weiteres Beispiel war der Fall Gebäude 9 – vor einiger Zeit drohte hier der Abriss, aber eine breite Bewegung von Musikfans konnte dank viraler Social Media Kampagne dieses letztendlich verhindern. Geb. 9 -Chef Jan van Weegen schilderte seine negativen Erfahrungen mit dem Stadtplanungsamt – da wo nun Gott sei Dank das Gebäude  9 steht sollte laut Planungen „ein Baum“ stehen, was für ungläubiges Gelächter im Publikum sorgte.  Positiv wurde der Investor des nebenan gelegenen neuen Wohngebiets gewürdigt, der eine Lärmschutzwand zwischen Gebäude 9 und den Wohnungen baut. Dank des langen Planungsvorlaufs wäre dies im gegenseitigen Einvernehmen gut möglich, aber so nicht auf die Probleme anderer Clubs übertragbar.

„Da wo das Gebäude 9 ist, sollte ein Baum stehen“

Jan war auch sichtlich empört dass z.B. das Underground für das neue Heliosviertel platt gemacht wurde, und die Diskussion um Jack in the box würde zeigen, dass „man nicht viel gelernt hat“.

Live Music Hall – Chef Micki Pick meldete sich dazu aus dem Publikum mit dem dringenden Hinweis, dass politische Verantwortung für diese Prozesse der Verdrängung einfach nicht übernommen wird. Nach seinen dramatischen Eindrücken würden sehr bald 70% der Ehrenfelder Clubs zumachen müssen,  aus verschiedensten Gründen. Es gäbe immer wieder Pläne und tolle Visionen, aber niemand in der Stadt Köln übernehme Verantwortung für die besorgniserregende Situation der Clubs vor Ort.

Wie nun die Interessen der Kulturschaffenden und Clubbetreiber berücksichtigen bei Stadtplanungsprozessen? Eine erste Idee: eine Stelle in der Verwaltung für koordinierte kulturelle Entwicklung  bei der Stadtplanung zu schaffen.  Ulrich Soénius mahnte ein themenorientiertes Arbeiten in der Stadtveraltung an statt der reinen Ämterorientierung. Niklas Kinietz goss dann zum Schluss Wein ins Wasser: wenn die Stadt immer mehr Auflagen beim Bauen im Umfeld von Clubs mache und z.B.  erhöhten Lärmschutz fordere durch Einbau spezieller Fenster, würde das Wohnen dort natürlich durch steigende Mieten teurer (Investoren benötigen eine gewisse Rendite) – was wiederum die überall zu beobachtenden Gentrifizierungsprozesse beschleunigen würde.

Fazit der Beteiligten: die Stadt Köln und ihre Verwaltung erkenne so langsam die Bedeutung der Clubszene als Kulturträger und als materieller und immaterieller Wirtschaftsfaktor – dieser Weg muss nun weitergegangen werden, damit die Interessen der Clubs nicht unter die Räder der Stadtentwicklung geraten, so wie es im sich gentrifizierenden  Ehrenfeld  droht.

Cologne Music Conference / Clubkultur vs. Stadtentwicklung....

 

 

 

 

 

 

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