SUZAN KÖCHER / Moon Bordeaux (Unique)

Suzan Köcher ist eine der großen Retro-Entdeckungen des Jahres 2017. Etwas verspätet hier ein paar Worte zu ihrem Debütalbum „Moon Bordeaux“, das im Herbst erschien, nachdem sie schon mit einer famosen EP „Blood Red Wine“ auf sich aufmerksam machte, von der hier auch der eine oder r andere Song auftaucht.

Hier wie dort zeichnet Julian Müller für die Produktion  verantwortlich – gut bekannt als Mastermind hinter The Blackberries und Palace Fever. Ein umtriebiger und ausgesprochen geschmackssicherer Musiker, der seine Portion Psychedelic mit den Blackberries auf internationales Niveau angehoben hat. Müller hat auch an den meisten Songs mitgeschrieben, so das hier unweigerlich etwas Blackberries-Feeling aufkommt – aber genau das ist ja eine tolle Referenz. Suzan Köchers Platte ist aber kein lahmer Blackberries-Aufguss – es ist ein eigenständiger künstlerischer Ausdruck, wie man ihn in diesem Land sehr selten zu hören bekommt.

Mich erinnert das Album sehr oft an klassische Lee Hazlewood/Nancy Sinatra-Nummern (nur dass hier kein Lee singt) – also entspannter, schwelgerischer, countryesker Folkrock mit einer leicht düsteren Atmosphäre. Was Lee und Nancy in den 60s so megatoll hinbekamen, versuchen Julian und Suzan in ähnlicher Weise – Julian schreibt mit und produziert, Suzan gibt ihre unverwechselbare tolle Stimme und Twang-Gitarren en masse. Wer weitere Anknüpfungspunkte braucht, mag an Sandy Denny/Fairport Convention denken, des Öfteren auch an die große Lana Del Ray, und für mich auch ganz oft – was den Gesangsstil angeht – an das Debutalbum von Bobo In White Wooden Houses von Anfang der 90er – hier gibt es eine frappierende Ähnlichkeit.

Was man in den beiden Videos zum Album sieht – ein etwas verhuschte  junge Dame von 22 Jahren, die entrückt und staunend über eine Kirmes oder durch eine Kölner U-Bahn-Station wandert – macht sich in der gesamten Atmosphäre dieser Songs fest. „Cinnamon“ ist denn auch für mich einer der schönsten Songs des Jahres 17. Ein süchtig machender Ohrwurm, perfekt arrangiert und produziert mit wundersamen Vocals und einer magischen Melodie. ein Cinemasocpe-Song, der sich so nach Amerika anhört wie nur selten was aus Deutschland.   Lee würde sich freuen darüber – Nancy müsste man es mal vorspielen.

4/5 P.

Martin

 

 

 

 

 

 

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