MOTORPSYCHO / The Tower (Stickman Rec.)

Motorpsycho the tower

Silberjubiläum! 25 Jahre Motorpsycho wollen mit einem anständigen Album gefeiert werden:  es erscheint als Doppel-Album auf Tonträger, es nicht das erste in der unübersehbar reichhaltigen Karriere der norwegischen Psychonauten.  Grenzen existieren eh nicht in ihrem OEvre – egal ob Hardrock, Alternative, Stoner, Metal, Psychedelic, Folk, Kraut, Prog – sie können alles kongenial umsetzen. Seit Jahren mit einem unfassbaren kreativen Output auf höchstem qualitativem und quantitivem Niveau gesegnet, präsentieren sie uns 2017 The Tower. Das Gegenstück zum eher introspektiven letztjährigen  Here Be Monsters, nach dessen Veröffentlichung und dazugehöriger Tour der langjährige Drummer Kenneth Kapstad MP verließ – Bent Sæther and Hans Magnus Ryan mussten sich erst mal neu sortieren und heuerten am Ende Tomas Järmyr an, der seine Sache keinen Deut schlechter als der wahnsinnige Kenneth macht.

The Tower überzeugt in jeglicher Hinsicht. Ein riesiges Werk – mal wieder – dennoch konsistent und stimmig bis in die letzten Nuancen ausgearbeitet – nach Here Be Monsters vielleicht sogar ein kreativer Aufbruch. In jeder MP-Albumkritik lasse ich den Satz fallen: unglaublich wie sie nach XX Jahren immer noch in der Lage sind, sich etwas gänzlich Neues einfallen zu lassen, wie sie ihren Trademarksound immer wieder variieren; wie sie dem Psychoversum  immer neue Seiten abgewinnen können.

Damals bei Kenneth‘ Einstieg war die neue Power förmlich spürbar – die Band wurde neu wiederbelebt. Ähnlich erscheint es nun mit  Tomas Järmyr: das Feuer ist neu erwacht, und es rockt wieder härter a la Heavy Metal Fruit. So im Opener, der dieses MP-Gefühl nahezu perfekt einfängt – ruhige Mellotronklänge führen zum klassischen MP Power Riff. Bents und Hans’ harmony vocals umspielen sich wie in besten Zeiten  – das ist klassisches MP Terrain, dennoch aufregend und innovativ! Das treibende Bartok Of The Universe entwickelt sich danach zu einem nachgerade kosmischen Epos mit Anleihen beim klassischen NWOBHM circa Maiden und Priest A.S.F.E. geht sogar noch mehr nach vorne – krasse Riffs, Hammer-Melodie, genialer Ohrwurm-Chorus. This is A Song For Everyone! – für mich der beste Song auf The Tower.  Interpred Explorer führt zurück zu YES Prog Mitte der 70er – was ein toller Song, der ruhig länger als 9:52 gehen könnte! Und natürlich gibt es auf diesem Meisterwerk auch wieder die ruhigen, folkigen und  reflektierten Stücke: A Pacific Sonata lässt einen mit Südseeträumen verzaubert zurück.  Dennoch: spätestens beim letzten Song 14- Minuten Hammer Ship Of Fools will man nur noch niederknien –  ein Hammer von einem Song mit diesem unfassbar tollen MP-Vocals wie sie nur Bent und Hans draufhaben. Bass Gitarre Drums geben hier nochmal auf höchsten Niveau alles – was für unglaubliche Musiker! Namentlich Bents unvorhersehbares Bass-Spiel ist stets so variantenreich und tricky dass man nur noch staunend zuhören kann.

Am Ende bleibt man wie so oft fassungslos und etwas ergriffen zurück – sie können es noch und immer wieder. Eine neue Ära im Psychoverse hat begonnen, und wir sind dabei.

5/5 Punkte

Martin

 

TOUR 2017:

 

Oct 30. 2017, Zoom, Frankfurt

Nov 08. 2017 Stollwerk Köln Germany

Nov 09. 2017 Conne Island Leipzig Germany

Nov 10. 2017 Festsaal Kreuzberg Berlin Germany

Nov 11. 2017 Kulturzentrum Faust Hannover Germany

 

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