KASALLA / Interview mit Basti / fetter Rock und das Momentum – das Selbstverständnis einer kölschen Rockband

Kasalla bei entertaim.net

Es gibt eine Menge Bands in Köln, die mehr oder weniger für den Karneval existieren und vielleicht noch ein paar Sommerfeste mitnehmen. Und es gibt Genregrößen wie Brings und Kasalla –  die nicht nur das ganze Jahr über spielen, sondern auch überregional eine größere Bedeutung erlangen konnten. Gerade Kasalla haben es geschafft, seit 7 Jahren eine immer größere Fangemeinde im wahrsten Sinne des Wortes zu erspielen – zuerst im Rheinland, danach auch bundesweit. Ihre Alben und Songs überzeugen dabei auch den Nicht-Kölschmusik-Hörer – denn sie haben immer einen extrem hohen Anspruch, der auf mehr zielt als die nächste Karnevalsbühne zu bespaßen. Anlässlich ihres nunmehr 5. Albums „Mir sinn eins“ sprach unser Redakteur Martin Hannig  mit Basti Campmann, Sänger und Sprachrohr der Band.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Kasalla, (c) Ben Wolf

entertaim.net: Das Album Nr. 5, wenn man das Live-Album mitzählt. Ihr hattet ja z.B. den song „Mir sinn eins“ schon im Novmber als Single draußen. Ist denn das Album nun aus einer gemeinsamen Session hervorgegangen oder habt ihr auch die teils älteren Aufnahmen genommen?

Basti: Naja, in dem Metier, in dem wir uns bewegen, musst du ja jedes Jahr eine neue Nummer rausbringen. Von den 18 Nummern auf dem Album sind also 5 im Prinzip schon vorab veröffentlicht, die Singles der letzen 2 Jahre plus die b-Seiten. „Mir sinn eins“ war dann aus ’ner Session im letzten Jahr. Wir waren mit den Aufnahmen sehr happy und haben die dann auch genommen.

entertaim.net:  Eure Songs hören sich vom Sound her total fett und gut an, also auch überregional gesehen könnt ihr euch damit blicken lassen. Irgendwie hab ich manchmal den Eindruck, dieser fette Breitwand-Rocksound passt dann gar nicht zu dem Kölsch…

Basti: Jein. Ist natürlich auch ein Vorurteil. Der Dialekt ist ja der rote Faden und musikalisch probieren wir uns aus und wollen auch, dass es fett klingt. Da muss es dann nicht „ufftata ufftata“ sein. Wir haben aber auch das Glück,  dass der Flo – unser Mainsongwriter –  im Maarwegstudio in Köln arbeitet. Er kennt da auch die Leute, und wir poduzieren auch dort bei Wolfgang Stach im Studio. So hat man dann auch die richtigen Kontakte zu den Produzenten, mit denen wir zusammen arbeiten. Kiko Masbaum z. B. hat ja auch schon mit Unheilig und vielen anderen gearbeitet. Dadurch kriegt man auch Input aus der Szene und hat dementsprechend die Möglichkeit einen ordentlichen Sound abzuliefern und es richtig fett klingen zu lassen, was auch unser Anspruch ist!

entertaim.net: Ich hatte mal ein prägendes Erlebnis mit Kasalla, als ich Karneval zum ersten Mal „Stadt met K.“  hörte und das megageil fand, vor allem diese Powerchords-Gitarren und den Punksound.  Aber ich wusste nicht wer das ist.  Als ich später googelte und Kasalla dort stand war ich völlig erstaunt und konnte es nicht glauben. Wie war das denn für euch, als ihr „Stadt met K.“  rausbrachtet: habt ihr euch gedacht: geht das? Kann man sowas Hartes bringen?

Basti: Diese Erlebnisse haben wir sehr häufig. Wenn jemand Kasalla googelt landet er bei „Pirate“ und einem Auftritt im Gürzenich. Und dann denkt er sich „ach du Scheiße, das will ich nicht, das  ist Kölschmusik“.  Aber wir spielen halt viel außerhalb und da gibt es Leute die völlig unverdächtig sind, jeck zu sein. Und die kommen dann und sagen „Hey das war einfach ein geiles Konzert“. Ist halt für uns etwas schwieriger, weil die Leute uns erstmal live sehen müssen, aber das ist auch okay. Aber zu deiner Frage: bei „Stadt met K.“ waren wir uns in der Tat nicht ganz einig, ob wir das so machen können. Wir fragten uns natürlich,  ob wir das auf so ’ner klassischen Karnevalssitzung bringen können. Wir haben es dann irgendwann probiert und es hat halt super funktioniert. Nach langen Diskussionen sind wir einfach gesprungen. Hätte auch in die Hose gehen können. Aber mal ganz ehrlich: die Leute rennen ja auch nicht das ganze Jahr mit der Pappnase rum. Die gehen ja normalerweise auch auf Rockkonzerte.  Da muss man  sich halt mal freischwimmen.

entertaim.net: Ist aber auch ganz einfach nur ein unglaublich geiler Rocksong.

Basti: Und das Gute ist, es hat sich ja viel getan in den letzten Jahren! Es gibt ja Bands wie Cat Ballou oder Querbeat, die machen was völlig anderes, aber da geht es auch unfassbar ab!

entertaim.net: Du hast irgendwann mal im Zusammenhang mit Mundart LaBrassBanda erwähnt. Ich hatte die mal gesehen ohne die zu kennen vor Jahren, und es war einer der geilsten Gigs überhaupt, obwohl du kaum was verstanden hast. Aber die machen halt ne geile Show. Euer Kölsch versteht man ja auch nur hier im Raum. Ist das auch für euch dann umso wichtiger, einfach eine geile Show abzuliefern?

Basti: Ja natürlich die Sprache ist so ein Indikator. Aber es gibt bei vielen Songs die Hookline, die du auch verstehst, wenn du nur Hochdeutsch kannst.  Musik ist viel mehr als das reine Textverständnis. Es gab ja in Deutschland auch mal eine rumänische Nr. 1 oder „Alors en dance“ von Stromae, das hat auch keine Sau verstanden. Da geht es um das Gesamtpaket. Deshalb glaube ich, dass auch wenn man nicht jede Zeile versteht, am Ende man von unserem Konzert was mitnehmen kann. Das ist ja auch die Idee dahinter, warum wir uns überhaupt raus wagen!

entertaim.net: Und dann auf dieser Tour bis nach Österreich und die Schweiz! Ich frag mich, ob das dort auch geht; gibt es da Kasalla-Hörer?

Basti: Natürlich spielen wir dort in kleinen Clubs…. Aber immerhin:  in der Schweiz spielen wir in einem 300er Laden, und der ist schon fast ausverkauft. Dabei sind das noch fast 2 Monate. Das hätt‘ ich auch nicht gedacht, sehr erstaunlich!

entertaim.net: Und Leipzig, Hamburg – dort seid ihr im Grünspan, ein sehr bekannter Live-Club! Ist ja geil, dass ihr dort rocken könnt.

Basti: Leipzig ist echt ein ganz kleiner Club. Dort hatten wir letztes mal schon gespielt und das war die kleinste Crowd, so 60 Leute in einem 120er Club. Aber vollkommen super, weil es halt die völlige Diaspora dort ist. Im Grünspan durften wir letztes Jahr schon spielen und es war auch ausverkauft, das war auf jeden Fall richtig fett da!

entertaim.net: Da sind natürlich diese Exilanten vor Ort, Rheinländer, aber mit Sicherheit doch auch viele Einheimische oder?

Basti:  Total! Wir haben mal im Knust in Hamburg gespielt und da standen so in der 6. Reihe 2 Hardcore Punks, die hatte ich während des Konzerts schon im Blick… Da standen wir dann nachher noch an der Theke und dann kamen die rüber und wir haben mit denen noch ein  Schnäppschen getrunken. – Und wir so: „seid ihr irgendwie Kölner oder so?“ – Nee, das waren waschechte St. Paulianer Punks und die meinten: „wir sind eigentlich  nur hier reingekommen weil euer Logo so’n Totenkopf ist (lacht)! Das gucken wir uns mal an!“ Und die fanden uns richtig geil! Durch Zufall reingestolpert, und sie kamen drauf klar. Großartig.

entertaim.net: Also das ist der Beweis! Inzwischen gibt’s ja so viele Kölsch singende Bands. Ihr wart mit die ersten, die ausbrachen aus der eingefahrenen Schiene als junge Nachwuchsband damals. Nun gibt es so viele die nachkommen. Ist der Kuchen denn überhaupt groß genug für so viele?

Basti: Natürlich ist ein Kuchen immer nur begrenzt groß. Obwohl es in Köln unglaublich viele Veranstaltungen dafür gibt. Am Ende wird sich wie immer Qualität durchsetzen. Allerdings: musikalische Qualität ist natürlich schwierig zu definieren. Es gibt ja geile Bands, die aber keinen interessieren. Und es gibt Bands,  die nur Schrott machen aber die Leute ziehen. Aber irgendwas wird sich am Ende durchsetzen. Konkurrenzkampf macht jedoch überhaupt keinen Sinn. Wenn ich die Ellenbogen ausfahre unsd sage: ich muss hier aber um Marktanteile kämpfen, interessiert das keinen Hörer, und es ist auch nur verbittert und unsympathisch. Du kannst nur versuchen mit voller Energie deine Musik zu machen, zu schreiben und live zu pärsentieren. Ob und wie lange die Leute das annehmen, ist ja auch immer so eine Frage des  Momentums…

entertaim.net: Bei euch dauert das Monetum ja schon 7 Jahre – das ist ja eigentlich  eine super lange Zeitspanne für eine Band. Wer kann schon 7 Jahre als Band erfolgreich unterwegs sein? Überleg mal wie lange es die Beatles gab…  Als Kölsch singende Band haftet euch ja auch immer das Karnvalsimage an… Karneval ist für euch aber lange nicht alles. Das führt dazu, dass ich noch nie in einer seriösen Musikzeitschrift wie Intro oder Musikexpress irgendein Wort über euch gelesen habe. Wünscht ihr euch das nicht auch,  dass man mal in der Rockkritik ernsthaft über eure Musik schreibt?

Basti: Natürlich wär das toll. Aber es heißt ja auch: Schuster bleib bei deinen Leisten! Man muss die Realitäten auch anerkennen. Es gab mal eine Szene, als die GEMA den Musikautorenpreis vergab, den wir tatsächlich in Empfang nehmen durften in Berlin. Schon in der Laudatio fingen die an mit Karneval und Höhner (Lacht). Und hinterher haben wir so ein paar bekannte Musiker getroffen, und die sagten: Ach ihr macht doch die Kölschmucke. Das merkt man dann halt. Ist aber nicht immer so, klar, wir haben ja auch genug Kontakte zu anderen Musikern.  Bei den Arena-Konzerten war z.B. der Nicholas Müller, der früher bei Jupiter Jones gesungen hat, und der ist ja sicherlich völlig unverdächtig… Er meinte dann nachdem er das ganze Konzert sah: hey, geile Liveshow! Aber natürlich werden wir damit nie in der Intro auftauchen…. Da fällt mir ein bei Intro: wir haben da lustigerweise  mal auf einem Sommerfest gespielt über so eine persönliche Beziehung. Ganz obskures Erlebnis. Da standen natürlich die ganzen Hipster und Indiejungs rum. Selbst wenn sie in der Kneipe „Stadt met K.“ mitgesungen haben, hätten sie das dort als absolut uncool empfunden (lacht).  Gibt halt viele Leute die gehen auf unsere Konzerte, würden es dann aber nie zugeben anderen gegenüber. Muss man halt mit leben. Wir würden ja auch nie sagen,  wir wären nicht im Karneval aktiv – das wäre auch gelogen. Wir versuchen den Spagat zu schaffen und kriegen es ganz gut hin. Aber wir werden nie in der Visions sein,  egal was wir machen!

entertaim.net: Schade eigentlich. Die hören sich das bestimmt noch nicht mal an, was ihr macht. Und verpassen was!

Basti: Ja das ist für die: Köln, Kölsch, Alaaf – weg damit.

entertaim.net: Naja, geht allen Bands so, selbst Brings mussten damit leben. Die hatten ja in ihrer ersten Karriere eine Phase als sie national promotet wurden, so als BAP-Nachfolger, waren auf dem Cover vom Musikexpress damals als die neuen Rockstars.  Deren 2. Platte hieß ja damals „Kasalla“. Kommt euer Name daher?

Basti: Nein, das ist halt nur der feste Begriff im Kölschen. Aber in der Tat haben wir Peter Brings damals getroffen um ihn zu fragen, ob das okay ist wenn wir uns so nennen…  Bei denen war das Problem damals: das war eine kredibile und richtig geile Live-Rockband. Am Anfang war der Anspruch da, mit Karneval und so nichts zu tun zu haben. Und dann haben sie das irgendwie verbunden. Das hat vielleicht so ein paar alte Fans verprellt. Letztendlich machen sie das ganz fantastisch! Immer noch eine überragende Liveband!

entertaim.net: Kasalla, wo seid ihr in 5 Jahren?

Basti: Ganz ehrlich – ich ich bin sehr zufrieden mit dem was wir gerade tun dürfen und wo wir stehen. Wir haben 2 mal die Arena ausverkauft. Was soll  da noch passieren? Wenn der Status quo gehalten wird, bin ich sehr zufrieden. Wenn wir weiterhin so produktiv und kreativ arbeiten können. Und die Leute uns noch ein paar Jahre hören wollen; man weiß ja, dass der Fahrstuhl ganz schnell nach unten gehen kann, wenn irgend etwas sich ändert, wenn man in der Band Krach hat, oder irgendein Momentum sich ändert. Ich hab gerade keine hochgesteckten hehren Ziele. Vielleicht,  wenn wir noch ein bisschen mehr draußen spielen könnten. Wir sind jetzt auf 19 Städte in der Tour, das ist schon cool. Wenn wir da weiter machen können und die Hallen noch einen Ticken größer werden könnten, und wir das einmal im Jahr in die Republik raustragen dürften,  fände ich das schon sehr geil.

entertaim.net: Um wieder den Bogen zum neuen Album zu finden zum Schluss. 18 Songs – mehr gehen ja wohl nicht drauf – wo ist für dich der Unterschied zum Stadt met K.-Album? Was ist das Besondere an dem neuen Album für  dich?

Basti: Es ist in der Zusammenstellung ein bisschen anders. Wir wollen ja immer viel ausprobieren. Es gibt z.B. ’ne sehr düstere Nummer, die düsterste, die wir jemals aufgenommen haben, auch mit harten Gitarren – und am Ende darf der Flo einen Rapteil  machen. Kölscher Rap, der trotzdem ernst ist. Das funktioniert tatsächlich! Dann gibt es sehr persönliche Songs über die Geburt von Kindern und ähnliches. Ich finde, es ist ein breit gefächerteres und in vielen Teilen sehr persönlicheres Album geworden als das Stadt met K. – Album.

entertaim.net: Vielen Dank  für das überaus  interessante Gespräch Herr Campmann 🙂

Basti: Gerne!

 

 

…  die Live-Termine der kommenden Deutschland-Tour findet ihr hier:

http://kasallamusik.de/termine

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