DIRTY DEEDS ’79 / Interview mit Vangus: Grandios und tief im Groove!

Ein Samstagabend Anfang Mai in Köln  – das Eingangsriff des Powerage-Klassikers Riff Raff wabert durch das dicht gefüllte Luxor. DIRTY DEEDS ’79 haben soeben ihr alljährliches Gastspiel begonnen – und was danach kommt ist völlig wahnsinnig. Wenn es eine AC/DC Coverband schafft, dem Sound und dem Spaß der frühen AC/DC extrem nahe zu kommen, dann die 5 Deeds. Bis zum letzten Song For Those About To Rock blieben keine Fragen offen. Jeder Song wurde frenetisch bejubelt, mitgesungen, abgefeiert, und die Deeds gaben alles. Man fragt sich ja jedes Jahr – kann es noch besser und geiler werden? Anscheinend ist immer noch etwas Luft nach oben. … Kurz vor dem Gig sprachen wir mit dem Gitarristen Vangus (a.k.a. Volker Voigt)….

Interview von Martin Hannig, with a big help from Frank Weichbrodt / Bild mit freundlicher Genehmigung von Dirty Deeds ’79 von Marc Oliver John

entertaim.net: Vangus, du bist ja eigentlich Gitarrenlehrer, man erfährt einiges über dich auf deiner Website www.freakinfingers.de . Du hast mal in den USA Gitarre gelernt! Wie kam das? 

Vangus: Ich habe ein Jahr beim GIT in L.A. Gitarre studiert und auch dort gelebt. Das ganze Ding heißt Musicians Institute, dort lernen dann Keyboarder, Drummer, Gitarristen, Sänger, oder auch Tontechniker. Dort trifft man dann auch ne Menge interessante Leute, abgesehen von den Lehrern, die schon sehr geil sind.

entertaim.net: Wie kamst du eigentlich auf die Idee?

Vangus: Ich hatte davon gelesen und ich hatte dann längere Zeit die Idee. Ich hab dann jemanden kennengelernt der dort war, und der erzählte mir viel davon. Und dann habe ich das auch realisiert. Du musst halt Entscheidungen für dein Leben treffen, und ich setzte alles auf die Gitarrenkarte. War letzendlich eine gute Entscheidung, für meinen Gitarrenunterricht. Wir haben dann dort in einer WG gewohnt, und in dem Haus wohnten nur Leute die da studierten, das war ziemlich geil damals.

entertaim.net: Gabs dann so ein offizielles Zertifikat?

Vangus: Ja, ich bin Diplom-Gitarrist. (lacht)

entertaim.net: Hast du dann nach deiner Rückkehr dich hier selbstständig gemacht?

Vangus: Ja, das ging recht schnell nachdem ich wieder hier war. Erst noch zusammen mit anderen, dann später alleine.

entertaim.net: Erkläre uns mal das Full Treatment Karaoke, was du da veranstaltest.

Vangus: Das mache ich einmal jährlich im BLA in Bonn.  Das ist eine Karaoke nicht nur für Sänger, sondern für Instrumentalisten. Wenn du z.B. immer schon mal We Will Rock You spielen wolltest, trägst du dich vorab ein in die Liste. Ich spiele Gitarre, jemand anders will den Gesang machen, der Dritte sagt ich spiel Drums. Das Interessante ist, dass man eben nicht zusammen probt. Die Leute gehen auf die Bühne, kennen sich oft nicht, dann wird angezählt und wir schauen was passiert! Oft funktionieren die Songs und es ist geil – aber viel geiler ist es noch, wenn du merkst man ist sich nicht einig, die Tonart ist unsicher, der Sänger ist unsicher, aber alle stehen da und zittern mit denen! Und wenn der Song durch ist gibt es immer einen großen Jubel.

entertaim.net: Thema AC/DC. Wie fandest du das letzte Album Rock Or Bust?

Vangus: Also zunächst mal ist das jetzt eine Zeit für Fans in der man mit gemischten Gefühlen zusieht. Das war auch so in der Zeit als das Album rauskam. Man wusste nicht wo es hingeht – aber es entwickelte sich ja alles noch viel schlimmer als man es damals ahnen konnte! Aber grundsätzlich fand ich, dass Angus sehr geil gespielt hat dort, ein bisschen geiler als auf der letzten. Aber ich muss gestehen, ich höre lieber den alten Kram. Ich höre mir immer die neueste Platte an, und finde auch den einen oder anderen Song geil, aber ich höre viel lieber altes Zeug.

entertaim.net: Denkst du, dass nochmal was von AC/DC kommt? Und wer soll dann die Songs schreiben?

Vangus: Nach wie vor Angus. Warum nicht? Der Malcolm hat die ja nicht alle allein geschrieben. Und selbst wenn da Malcolm und Angus drunter stehen heißt das nicht unbedingt dass die alle zusammen geschrieben wurden.  Das ist wie bei Lennon/McCartney – da standen auch immer beide drunter. Was die Zukunft angeht: da wird viel spekuliert. Angus und Axl Rose haben sich ja wohl gut vertragen. Angus macht ja auch so Sondereinsätze bei Guns’n’Roses.

entertaim.net: Viel Fans haben sich ja bitterlich beschwert als Axl einstieg. Was denkst du darüber?

Vangus: Ach, da will ich nicht viel zu sagen. Weißt du, das ist Sache von Angus, der muss da durch. Von uns muss niemand da durch. Wenn einer keinen Bock hat auf Axl Rose, dann  geht er halt nicht hin. Und wenn der Angus sagt: das ist der Mann mit dem ich das durchziehe, dann ist das okay und Punkt!

entertaim.net: Thema Gitarre: Wie kommst du zu deinem Angus Young Live Sound, gibt es da ein spezielles Setup oder Einstellungen? 

Vangus:  Nee. Ich bin eigentlich schlecht im Verstärker einstellen, ich steh da wie ein Ochs vorm Berg. Ich mach das Ding an und dann hoff ich dass es gut klingt. Und wenn’s das tut bin ich zufrieden. Letztendlich habe ich einen Marshall, der ist vom Tonehunter modifiziert worden. Das hat er wirklich sehr gut gemacht. Das gibt mir die Möglichkeit, auch bei halbwegs erträglichen Lautstärken einen Sound zu machen, der der Sache nahe kommt.

entertaim.net: Welche Gitarre spielst du bei Dirty Deeds? Die SG Standard oder eine Angus Young Signature?

Vangus: Nee ich hab keine Signature. Ich hab verschiedene SGs, die fühlen sich auch alle unterschiedlich an. Die sind am Hals alle unterschiedlich, die sind vom Sound alle unterschiedlich. Ich hab 4 Stück und keine klingt wie die andere. Dann hast du ein Pickup drin der wiederum anders klingt. Ich hab eine SG mit einem total schwachen Pickup – die ist lauter als alle meinen anderen Gitarren. Selbst wenn ich bei den anderen dicke Pickups verwende, diese Gitarre ist einfach nur die lauteste und fetteste. Irgendwie ist Holz schon wichtig, oder was immer das ausmacht….

entertaim.net: Ich hatte einmal eine SG die war extrem kopflastig, das war nichts für mich…

Vangus: Das ist aber von Gitarre zu Gitarre verschieden. Ich hab auch eine SG die ist sehr kopflastig, das ist die laute (lacht), die rote, während die anderen gar nicht so sind. Immer wenn ich die anziehe muss ich mich auch erst dran gewöhnen. Aber letztendlich hab ich beim Spielen immer die Hand dran, und dann merke ich das nicht so.

entertaim.net: Viele Musiker wie z.B. Scott Ian von Anthrax sagen ja von Angus, dass man ihn zwar gut nachspielen kann, aber dann doch nicht den Sound oder das Feeling so originalgetreu  hinbekommt. Wie siehst du das?

Vangus: (lacht). Okay wir machen das ja schon etwas länger und die meisten Dinge gehen uns recht gut von der Hand.  Aber ich kann mich erinnern, dass wir an gewissen Sachen sehr lange gefeilt haben. Vor allem die langsamen Sachen finde ich schwierig für uns. Back In Black z.B. ist sehr langsam, und wenn da einer auf der halben Strecke nervös wird, dann bist du schnell hinterher, das merkt man halt direkt. Da musst du solid sein. AC/DC spielen ist aber einfach grandios, da bist du richtig tief im Groove. Ich meine, es gibt ja viele Gitarristen die richtig gut sind, die spielen Zeug, da fragst du dich wie macht der das. Und da gibts auch schnellere Leute als den Angus. Aber er hat halt einen Sound, der für sich steht. Viele Gitarristen benutzen Effekte und machen dies und jenes – und der Angus hat nichts an der Gitarre dran! Gitarre im Verstärker, das ist alles. Er macht mit einem Sound der nicht viel hergibt tierisch Alarm! Angus Young hat defintiv einen Trademark Sound. Wenn der so’n Solo spielt und das schwingt dahinten,  dann weißt du schon, das isser! Ich finde das sensationell. Und wenn du die mal die ersten Platten anhörst – da spielt der ja auch schon geiles Zeug. Ist ja nicht so dass man sagen könnte: mit 28 hat er dann den Dreh raus gehabt. Der hat mit 18 oder so Dinger rausgekloppt, wo hat der die denn hergenommen? Gestern habe ich mal wieder die „If you want blood“ aufgelegt und bin total abgegangen, weil du hörst was der da alles Geiles spielt. Und dann gibt es ja auch die Filmaufnahmen aus Glasgow von diesem Konzert, und du siehst was der da macht genau an der Stelle wo er das ultraschnelle megageile Ding spielt, dass er da auf dem Rücken liegt und sich dreht oder so. Unfassbar!! Völlig verrückt was der drauf hat.

entertaim.net: Kannst du eine Art von Entwicklung feststellen in seinem Gitarrenspiel vom ersten Album  1974  bis jetzt?

Vangus: Ich habe den Eindruck, dass  in den letzten Jahren der Blues einen noch höheren Stellenwert eingenommen hat. Früher war das natürlich bluesbeeinflusst, aber schon eher Richtung Hardrock, es war viel heavier. Mittlerweile spielt er schon Sachen die du auch von Leuten wie Albert King kennst. Auch sein Sound war in den letzten Jahren oft unverzerrter gewesen, auch live.

entertaim.net: Wie gestaltet sich das Zusammenspiel mit eurem Rhythmusgitarristen KutA? Ist ja bei AC/DC auch immer sehr speziell gewesen, das Duo Malcolm/Angus.

Vangus: Wir beide spielen ja schon seit 1988 zusammen in einer Band, also bald 30 Jahre. Erst bei Molotow Soda, dann bei Dirty Deeds.  Wir sind schon richtig gute Kumpels. Und der Angus sagt ja auch immer: die Band lässt mich gut aussehen.  Das wird von  den Leuten gern unterschätzt.

entertaim.net: Ist ja wirklich eine wahnsinnig lange Zeit, die ihr jetzt als Deeds zusammen seid. Bei Ac/DC fragen immer alle: macht Angus noch weiter in seinem Alter? War’s das nun? Ihr wirkt ja nun auf der Bühne auch immer noch total frisch und gebt immer Vollgas. Wie sieht es aus, fühlt ihr euch gut und fit um weiter zu spielen?

Vangus: Ich denke mal! Wir fühlen uns gut und fit. Wir machen das solange bis einer mal sagt: Leute, ich habe was anderes vor. Wir sind auf jeden Fall alle mit Herz dabei. Ich hab also nichts Gegenteiliges gehört (lacht).

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