FOXYGEN / Hang (Jagjaguwar/Cargo)

FOXYGEN / Hang (Jagjaguwar/Cargo)

„… And Star Power“ war Foxygens ausgeflipptes Magnum Opus  – fast schon ungenießbar ob seiner wirren und unstrukturierten Ideen über 4 Albumseiten. Auf jeden Fall größenwahnsinnig. Und so geht es hier auf „Hang“ weiter – diesmal komprimierter, auch zum ersten Mal überhaupt besser produziert. Mitgeholfen dabei hat der umtriebige Indie-Soul-König Matthew E. White – man hört es. Und welch ein Überwältigungsgestus! Sie packen wie in „America“ oft ein paar verschiedene Songs mit völlig verschiedenen Arrangements in einen. Sie tauchen tief ein in den Popkessel der Musikgeschichte und fischen sich das Beste raus: Tin Pan Alley  trift auf Elton John trifft auf Country, ein 40köpfiges Orchester schwelgt permanent im Hintergrund. France singt wie der junge Mick Jagger, tönt aber auf einmal wie David Bowie zu seiner Berliner Zeit oder Lou Reed. In dem Übersong „On Lankershim“ nimmt die Band gar einen luftigen Umweg in den Westcoast-Softrock der 70er Jahre – könnten  jetzt auch die Eagles sein, wenn nicht am Ende France jaggermäßig dem Song noch in eine andere Richtung biegt – worauf dann in „Upon a Hill“ ein Mini-Musical aufgeführt wird. Dixieland? Broadway? Klar!  Am Ende klingt „Rise Up“ gar  nach Meat Loafs Bat Out Of Hell – Drama inclusive der Pauken.  Wie kann man sowas machen? Keine Ahnung, hat so noch niemand versucht, aber Foxygen kommen damit durch, denn man erwartet von ihnen genau diesen maximalen Ansatz. Ein kurzes Album, nur eine halbe Stunde, aber nach dem Durchhören denkt man, man hätte gerade 4 Alben auf einmal gehört. Halbe Stunde reicht total! Wer die völlig mitreißenden und etwas durchgeknallten Live-Shows der Band kennt, kann sich kaum ausmalen, wie das live zur Aufführung kommen mag – aber auch das werden Sam France und Jonathan Rado wieder schaffen. Tipp: mindestens 3 mal hören  vor dem Urteil 😉  weird but great album!

4/5

Martin

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