MOTORPSYCHO / Here Be Monsters (Stickman Rec)

MOTORPSYCHO / Here Be Monsters (Stickman Rec)

Nach fast 30 Jahren und unzähligen stilistischen Änderungen durch ihre schiere Lust am Experiment haben sich Motorpsycho wieder mal neu erfunden. Ihr neues Album entwickelte sich aus einer Auftragsarbeit für das norwegische Technikmuseum, ein Konzert, das die Band mit dem altbekannten Kollaborateur Ståle Storløkken gab. Dieses Konzert wurde zur Grundlage von „Here Be Monsters“.

Als Ergebnis dieser Live-Herkunft ist „Here Be Monsters“ eine deutlich leichtere Angelegenheit als die schweren, komplexen oder harten Elemente in ihren letzten Alben. Hervorstechendstes Merkmal ist die Rückbesinnung auf die Psychedelia der Endsechziger, am markantesten und schönsten bei ‚Spin, Spin, Spin‘, einem umwerfenden Cover eines Terry Callier-Hippiestücks, mit fein gesetzten Gesangsharmonien, die einem eine wohlige Gänsehaut über den Rücken jagen. Sowas können nur Motorpsycho – zweifellos.

Obwohl Motorpsycho nun bewusst ein leichteres Album erarbeitet haben, geraten sie kaum in Phanerothyme-Psych-Pop-Fahrwasser. Davor steht vor allem das epische ‚Big Black Dog‘. Beginnend mit Gitarrenpicking in Moll und den typischen zweistimmigen Vocals, versinkt der Track langsam in eine paranoide Welt, in der Synthesizer die Führung übernehmen. Die chaotische Intensität ist wie geschaffen für das Thema des Songs, die langen arktischen Nächte. Bis Snahs hypnotische Gitarrenmuster den Track beenden, wird man durch das ganze Motorpsycho Universum geschickt. Ein Wahnsinn. Nicht weniger gelungen sind die anderen Tracks, allen voran ‚Lacuna / Sunrise‘, ein wunderschönes Laid back-Arrangement um einen warmen typischen Bent-Basslauf; und wenn Bent und Snah singen, schafft das diese einmalige Atmosphäre, die nur Motorpsycho kreieren können. „Here Be Monsters“ geleitet die Band und ihre Fans zurück in die psychedelische Ära der Band, irgendwo zwischen den frühen Alben der 00er Jahre und dem Meisterwerk „Behind The Sun“. Dass Motorpsycho es immer wieder verstehen, so dermaßen eigenständige Musik zu ihrem Universum hinzuzufügen, erstaunt, begeistert, macht sprachlos. Sie sind einmalig, im wahrsten Sinne des Wortes.

5/5

Martin