BILLY SHEEHAN / BASS – BESSER – BILLY – Interview zur Tour von THE WINERY DOGS

Billy Sheehan bei entertaim.net

Er ist einer der brillantesten Bassisten aller Zeiten und zurzeit mit seiner neuen Band THE WINERY DOGS auf Tour, um in bester Gesellschaft von Mike Portnoy und Richie Kotzen die Bühnen zu rocken.

Vor der Show in Köln am 29.1.2016 trafen wir einen etwas erkälteteten, aber dennoch völlig entspannten Billy Sheehan … und wir sprachen über die aktuelle Band und natürlich auch über die Vergangenheit bei der David Lee Roth Band.

Interview: Dennis Rowehl

entertaim.net: Hallo Billy, lass uns mit den WINERY DOGS beginnen. Ist es mehr als Projekt oder als echte Band zu bewerten? Und wie war bislang die Resonanz?

Billy Sheehan: Es ist definitiv mehr als ein Projekt. THE WINERY DOGS ist eine richtige Band, die sich auch anfühlt wie eine richtige Band. Die Resonanz war der absolute Wahnsinn. Das Album hat überall so richtig eingeschlagen, sehr gute Album-Verkäufe und die Show heue Abend ist ausverkauft. Das macht richtig Spaß!

entertaim.net: Ihr seid ein Trio aus brillanten Musikern. Was macht da eigentlich mehr Spaß? Sachen und Feinheiten im Studio auszuprobieren oder live zu spielen?

B.S.: Live zu spielen ist das Größte für mich. Studioarbeit ist ganz nett, aber am meisten Spaß macht die Interaktion auf der Bühne. Das ist ähnlich wie einst bei Jimi Hendrix. Es gibt zwar eine Playlist, aber wir improvisieren auch viel auf der Bühne, sodass die Länge der einzelnen Songs schon mal abweichen kann. Das ist ja das Spannende am Live-Spielen. Vieles kommt wie beim Jazz einfach spontan und wie harmonieren als Band total, dass es immer wieder von Neuem Spaß macht und niemals langweilig wird.

entertaim.net: Ihr alle könnt auf eine lange Musikgeschichte zurückblicken. Wie geht man da eigentlich beim Songwriting vor … für die WINERY DOGS? Ist das nicht schwierig, sich immer wieder neu zu definieren?

B.S.: Das stimmt schon. Man versucht natürlich, nichts zu kopieren …. von anderen oder sich selbst. Man sitzt einfach da und dann kommen die Songideen … und sobald man merkt, dass es das ja schon gibt, verwirft man diese Idee wieder, bis man einen neuen Einfall hat. Songideen entstehen einfach auf dem natürlichen Weg, erzwingen kann man da gar nichts.

entertaim.net: Wie hältst Du dich eigentlich fit, wenn Ihr auf Tour seid … zumal die Europa-Konzerte zumeist im Winter liegen?

B.S.: Das ist richtig, man muss schon auf sich achten. Gesundes Essen, keine Drogen … nur mal ein Gläschen Wein …

entertaim.net: … daher der Name WINERY DOGS …

B.S.: (lachend) Bier ist auch dabei, insbesondere in Deutschland! Wir haben im Tourbus auch eine Menge Spaß und feiern ein wenig, es ist aber wesentlich ruhiger als damals …

entertaim.net: … was mich zur David Lee Roth Band bringt. Steve Vai hat mir in einem Interview mal gesagt, er habe noch niemals zuvor etwas derartiges erlebt, als er das erste Mal eine Backstage-Party bei David Lee Roth erlebt hat …

Interview: https://www.youtube.com/watch?v=nElQBIgAoDY

B.S.: (lacht) Das war wirklich eine verrückte Zeit! Im Backstage-Bereich waren immer die hübschesten Frauen, die etwas von uns wollten. Die Hübschesten von ihnen wurden bereits vom Publikum gerausgefischt und bekamen die Backstage-Pässe. Un wenn man derart nette Angebote hat … da kann man ja schlecht „nein“ sagen … aber ich möchte da betonen, dass wir immer Gentlemen waren und jede Dame mit Respekt behandelt haben. Man hört aus dieser Zeit von vielen Bands die abgefahrensten Geschichten … also wir haben uns auch bei den wildesten Parties wie Gentlemen aufgeführt. Ich stand auch nie auf dieses Drogen-Ding. Natürlich haben wir viel getrunken, aber das war’s auch zu diesem Thema. Aber die Zeiten waren schon sehr cool damals. Im Grunde hat jede Phase seinen Reiz. Die „Eat’em and Smile“-Tour war großartig, die Zeiten mit Mr. Big und auch jetzt, nur dass man natürlich die Prioritäten anders setzt und nicht mehr so viel feiert … (lacht).

entertaim.net: Als David Lee Roth Van Halen verlassen hatte, musst er ja auch ein starkes Line-up präsentieren, um ein Zeichen zu setzen. Beim dritten Album waren Steve (Vai) und Du nicht mehr dabei und das Album ist auch wesentlich schwächer als die Vorgänger. Ohne Euch hätte David womöglich gefloppt?! Wie beurteilst Du diese Phase?

B.S.: Die Aufnahmen von „Eat ‚em and smile“ haben richtig viel Spaß gemacht. Wir haben das Album quasi live eingespielt, ohne großartig Overdubs verwenden zu müssen. Alles verlief flüssig, die Atmosphäre war locker und die gesamte Tour war ein riesiger Erfolg. Bei den Aufnahmen von „Skyscraper“ hat sich alles verändert. Jeder hat sein Zeug separat eingespielt, alles war technisierter, das gefiel Steve und mir gar nicht. Mir gefällt das Album auch längst nicht so gut wie das Debütalbum und dann haben wir einfach beschlossen, die Band zu verlassen, weil es nicht mehr unser Ding war. Und es war auch die richtige Entscheidung.

entertaim.net: Was hat Dich eigentlich als kleiner Junge dazu bewogen, ausgerechnet Bass spielen zu wollen? Meistens standen ja die Gitarristen im Fokus …

B.S.: … die erste Inspiration war tatsächlich mein Nachbar, ein Wahnsinnsbassist und danach habe ich die Bassisten in großen Bands ganz anders wahrgenommen, sodass ich einfach Bassist geworden bin …

entertaim.net: Billy, vielen Dank … dann viel Spaß bei der Tour …

B.S.: Dank Dir …

Altes Video-Interview: https://www.youtube.com/watch?v=20EPXpq2gaA

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