EZPERANZA / DARK SIDE OF THE MALL (vbj)

Ezperanza Discography

Ein Album mit außergewöhnlicher Tragweite in Sachen Songwriting sowie Artwork. Das letzte Album „Kilt the Konvention“ liegt mittlerweile genau 10 Jahre zurück und mit neuem Bassisten und Gitarristen Leo und 2 Jahren Studioaufenthalt melden sich EZPERANZA zurück. Es beginnt mit einem eher atypischen Opener namens „Celebrity Extasy“ mit überraschendem musikalischen Mittelteil, bei dem die Band sicher von Queen inspiriert worden ist. Danach kommt eine echte 80er-Glamrock-Nummer (Gun Crazy Gone), gefolgt von einem potentiellen Radiosong über Liebe und Verlust (2:22), doch dann wird der Hörer aus musikalischen Antizipationen gerissen und es folgen äußerst aggressiv und tight „Sounds of the nite“ sowie „Timebomb“, um dann durch die Ballade wieder in scheinbar sicheres Gefilde segeln zu dürfen. Doch dieser Schein trügt und die Ballade offenbart bitterböse Lyrics zum Thema „Loverboy-Syndrom“. Nach einer weiteren Metal-Nummer namens „Caprikorn“, die aus der POV-Perspektive einer neuartigen Designerdroge geschrieben wurde, folgt mit „Insane (Dark Side of the Mall)“ das eigentliche Meisterwerk … ein 15-Minuten-Track, der eigentlich aus drei separaten Songs besteht. Teil 1 führt uns musikalisch in die psychedelischen 70er und vermittelt eine Zeitreise zwischen den DOORS und „Hotel California“ (Eagles), Teil 2 zieht uns durch sämtliche Aspekte des extremen Metals mit langen Gitarrensoli, wo die Band auf die Hilfe weiterer Gitarristen zurückgegriffen hat, Teil 3 knüpft an den ersten Teil an und gipfelt in einem furiosen Finale. „Dark Side of the Mall“ ist musikalisch und textlich eine Reise durch düstere Visionen mit Gesellschaftskritik, Surrealem, aber auch Ironie, Zynismus und the Right to rock. Beendet wir die CD offiziell mit „Atlantic Flak Ahoi“, was sehr hart beginnt und mit einem genialen Refrain überrascht. Unterschiedliche Subgenres in unerwarteten Kontexten, Ezperanza verstehen es, den Hörer immer wieder zu verblüffen, obwohl man im Gesamtwerk einen Unique-Sound von Songwriter Dennis Rowehl erkennt, der dieses Album wie eine Art Film konzipiert hat, was daran zu erkennen ist, dass es ein 28-Seiten-Fotobooklet gibt, welches wie ein Konzeptalbum eine kontinuierliche Geschichte erzählt, die zum Teil von den Songs ergänzt wird. Dabei tauchen sehr viele attraktive, junge Damen und Themen auf, bei der die Band offenbar optisch von Pink Floyd inspiriert wurde. Insgesamt ergibt sich eine ungewöhnliche und extrem unterhaltsame Mischung auf äußerst hohem Niveau.

Bei der CD gibt es noch 2 Bonus-Tracks, darunter „Badlands“, der mit sehr harten Gitarrenriffs und einem abgefahrenen Mittelteil zu überzeugen weiß.

Ich muss sagen, dass man schon ein paar Durchläufe benötigt, um das Album als Gesamtwerk zu verstehen. Ebenfalls muss ich zugeben, ein derartig facettenreiches Album seit langem nicht mehr gehört zu haben. Da haben sich Ezperanza viel Mühe gegeben, den Hörer oder Betrachter immer wieder aufs Neue zu verblüffen und variieren zwischen psychedelischer Epik und Straight-to-the-Point Heavy Metal … und es ist der Band mehr als gelungen. RESPEKT! Ein großartiges Album !!!

5/5

Martin Hannig