MOTÖRHEAD / Bad Magic (UDR)

Motörhead entertaimnet

Album Nr. 22 – unglaublich aber wahr, dass diese Band noch Alben aufnimmt und fetter den je klingt. Und direkt auf Platz 1 der deutschen Charts schoss – das gab es auch noch nie! Inzwischen dürfte bei den Käufern ein gehöriges Maß Nostalgie mitschwingen – eine neue Motörhead Platte kauft man eben, weil man es so gewohnt ist. Im Vergleich zum Vorgänger „Aftershock“ gibt es nicht sooo viel Neues – aber auch das kennt man von der Band, die noch nie ein Hort der Innovation war (Ausnahme damals Ace Of Spades und Hammersmith, ein noch nie erlebter Angriff auf die Hörgewohnheiten). Seitdem gibt es mal mehr mal weniger Variation, aber immer ein paar geile Songs mit hohem Wiedererkennungswert.

Produziert von Cameron webb, packen Lemmy, Phil und Mikkey alles aus was sie haben: schnelle, dreckige Hardrocksongs mit unglaublich viel Speed und Herz eingespielt. „Thunder & Lightning“ ist eine dieser ultimativen Lemmy on stage–Songs: „You’ll get more pussy if you’re in a band/ I always wanted the scream in the night/I always wanted the noise and the light/ Standing on stage the thrill never fades, the ultimate rage/ Raving and fighting/Maybe you’ll shake, maybe you’ll break/You’ll never escape/ Thunder and lightning. Geil! Wie immer direkt beim Aufnehmen hat Lemmy diese Lyrics spontan geschrieben – dafür brauchen andere Monate …. „Fire Storm Hotel“ ist Lemmys dystopische Ausgabe von Hotel California: alles abgebrannt, und der Teufel genehmigt sich einen Drink an der Bar – ein stampfender Bluesrock! „The Devil“ – hört sich an wie „Dogs“ vom Rock’n’Roll Album – aber hört sich nicht jeder neue Motörhead-Songs irgendwie nach irgendeinem anderen an? Egal – hier zählt der pure Durchhaltewille! Klar dass Lemmys Stimme inzwischen kämpfen muss – aber geschenkt, das kennt man ja auch seit Jahren. Wenn solche Mörder-Grooves wie bei „Electricity“ rauskommen, ist alles andere egal und man kann befreit headbangen. „Teach them how to bleed“ ist ein weiterer Nackenbrecher mit dem besten Solo von Phil seit Jahren. Hab ich gerade was über Lems Stimme gesagt? Hört euch „Until the end“ an – der Mann kann immer noch singen! Diese Ballade ist der Hammer, einer der besten Motörhead-Songs der letzten 20 Jahre. Der Beginn ist eine Antwort an alle die Lemmy schon in Rente sehen: “Don’t tell me what to do, my friend / You’ll break more hearts than you can mend / I know myself like no one else.” Und im Chorus erzählt er uns alles was die Band und ihn ausmacht: “All I know is who I am / I’ll never let you down / The rest will give you trust until the end.” Ein finales Statement – sollte er wirklich aus gesundheitlichen Gründen irgendwann nicht mehr live spielen können – dieser Hammer-Song gehört zu seinem Vermächtnis. Highlight von „Bad Magic“! Überhaupt sind die Texte wieder gefährlich und böse…. Am Ende gibt’s es dann eine extrem gelungene Coverversion von „Sympathy For The Devil“ – wer anderes als Lemmy könnte Mr. Satan verkörpern – finster böse und mit Augenzwinkern zugleich? Dies dürfte das beste und beeindruckendste Cover des Songs überhaupt sein – und gleichzeitig ein weiteres Highlight auf diesem Album und in dieser unvergleichlichen Karriere.

„Bad Magic“ überzeugt – mit einer ins Gesicht springenden Vitalität und einer latenten Gefährlichkeit, welche keine Band in diesem gesegneten Alter auszustrahlen vermag.

Martin

5/5