COLOGNE CONFERENCE 2015 / Verleihung der Filmpreise – ein glanzvolles Fest

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Die 25. Ausgabe der Cologne Conference: das internationale Film und Fernseh-Festival fand seinen glanzvollen Abschluss mit der Preisverleihung im Gürzenich zu Köln – der „guten Stube“ der Stadt. entertaim.net war zu Gast!

Ein Bericht von Martin Hannig

Die Cologne Conference ist der kleine Bruder von Cannes und Berlin: alles intimer, persönlicher, und vor allem ganz im Zeichen des Fernsehens – was nicht heißt dass auch einige Spielfilme im Programm laufen. Es ist denn auch lange geübter Brauch dass die zum Festivalausklang verliehenen Filmpreise an Filmschaffende aus beiden Bereichen gehen – so letztes Jahr zum Beispiel an die großartige Martina Gedeck und dem schrägen Lars von Trier. Der Saal des Gürzenich zu Köln bildete auch im Jubiläumsjahr die Kulisse für diese glanzvolle und gelungene Award-Zeremonie.

Vorab natürlich das Schaulaufen der zu ehrenden und anderer Stars und Sternchen der Branche auf dem roten Teppich – der allerdings fehlte. Schon dort fiel Nora von Waldstätten auf mit ihrer Ausstrahlung und einem schwarzen schlichten Kleid, das an Understatement nicht zu überbieten ist.

Geehrt wurden dieses Jahr:

  1. Mathieu Amalric erhielt den Hollywood Reporter Award für herausragende Leistungen in der internationalen Film- und Fernsehbranche. Der renommierte französische Schauspieler und Regisseur setzt seit seinem internationalen Durchbruch mit „Schmetterling und Taucherglocke“ fortlaufend hochklassige Filmprojekte um. Im Festivalprogramm war er in „My Golden Days“ und „Wolf Hall“ zu sehen. Leider konnte er nicht anwesend sein – unterhielt das Publikum aber mit einem launigen Video-Einspieler aus seiner Wohnung, die ihn als Serge Gainsbourg-Lookalike mit klassischer Filterloser zeigte. Fehlte nur noch das Baguette😉
  2. Der US-Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer erhielt den phoenix preis des Dokumentarkanals. Seine ergreifender Film über das sinnlose Massenmorden im Indonesion der 60er Jahre „The Act of Killing“ wurde für einen Oscar nominiert und erhielt sodann weltweit Anerkennung. Im Festivalprogramm wurde sein vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilm „The Look of Silence“ präsentiert, der am Tag der Preisverleihung in deutschen Kinos anlief. Für beide Filme verbrachte er 8 Jahre in Indonesien. Die Schrecken der Zeit der Diktatur sind bisher dort kein nationales Thema. Oppenheimer versicherte, dass seine Filme ein klein wenig dazu beitragen, dass nun die Zeit der Massenmorde unter dem Suharto-Regime auch in Indonesion wenn schon nicht aufgearbeitet werden, so doch wenigstens bekannt werden. Er nahm den Preis sichtlich dankbar und gerührt entgegen – in einem Land, in dem im Holocaust ein Großteil seiner Familie ausgelöscht wurde.
  3. Der Österreicher David Schalko erhielt den TV-Spielfim-Preis für den besten fiktionalen Beitrag der Festivalreihen TopTen, Look oder Kino. Schalko ist ein kreatives Multitalent. Große Medienresonanz erhielt er in Deutschland für seine TV-Serie Braunschlag“, die 2012 auf der Cologne Conference ein Erfolg war. Schon vorab sorgt seine aktuelle Serie „Altes Geld“, mit Stars wie Udo Kier, Sunyi Melles und Nora von Waldstätten, für Begeisterung in den deutschen Feuilletons. Schalko ist nicht nur im TV-Film unterwegs, er hat in so ziemlich in allen Genres, Formaten und Gattungen gearbeitet. Er war Werbetexter und Kolumnist, hat einen Lyrikband veröffentlicht, eine Kurzgeschichtensammlung und drei Romane. Er hat Drehbücher geschrieben und Regie geführt bei Fernseh- und Kinofilmen,  außerdem Theaterstücke verfasst und inszeniert, Unterhaltungssendungen für den ORF konzipiert und die Produktionsfirma Superfilm mitgegründet. Verbindendes Element seiner Arbeit als Autor und Regisseur ist immer wieder, dass er seine Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in seinem Heimatland mit surrealen Momenten und viel schwarzem Humor verbindet. – Er nahm den Preis aus der Hand des Intendanten des Kölner Schauspiels, Stefan Bachmann, entgegen. Und natürlich hielt er keine langweilig ausgelernte Dankesrede, sondern war einfach froh, dass die damit verbundenen 10.000 EUR die Hälfte seiner Küche finanzierten. Zu „Altes Geld“ fiel ihm noch ein, dass er einfach mal eine Serie drehen wollte in der nur Arschlöcher agieren – die dann im Verlaufe der Serie sich nicht ändern! Genialer Typ, der Schalko – so einen gibt’s in Deutschland nicht…. Die während der Show gezeigten Ausschnitte machen höllischen Appetit auf „Altes Geld“ – die Serie gibt es ja bereits vor der Ausstrahlung im deutschen TV auf DVD zu kaufen!
  4. Nora von Waldstätten nahm den zum dritten Mal verliehenen international actors award.cologne entgegen; herausragende Schauspieler aus der internationalen Film- und Fernsehlandschaft werden mit ihm geehrt. Ihr Durchbruch als eiskalte Internatsschülerin im Kölner Tatort „Herz aus Eis“, der ihr neben viel Lob auch die ersten Preise einbrachte, war noch allein ihrer Präsenz und ihrem Talent geschuldet. Danach überzeugte sie als bürgerliche Möchtegern-Revolutionärin in der deutsch-französischen Miniserie „Carlos“, die mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, ebenso wie als verlockende Ex-Jugendliebe in „Schwerkraft“, wofür sie den Max Ophüls-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin erhielt. Insofern ist ihre Rolle als bittere Eisprinzessin und inzestuöser Todesengel in Schalkos “Altes Geld” eine Rückkehr zu ihrem frühen Rollenbild.  Von Waldstätten steht nun in einer Reihe mit den ersten Festival-Preisträgerinnen Isabelle Huppert und Martina Gedeck – große Namen, großartige Künstlerinnen, die Nora von Waldstetten anspornen werden. In ihrer Dankesrede erwähnte sie dann kurz ihren Köln-Bezug –  ein „Sommer auf der Aachener Str.“ ist ihr in bester Erinnerung geblieben. Zudem ging ihr Dank an David Schalko, der sie so kongenial in „Altes Geld“ besetzt hat.
  5. Der Filmpreis Köln als wichtigster Preis wird klassischerweise zum Schluss verliehen; er wird von der Film- und Medienstiftung NRW und der Stadt Köln gesponsert. Der diesjährige Träger des Filmpreis Köln ist der italienische Regisseur Paolo Sorrentino  – neben Michael Haneke der wohl am meisten ausgezeichnete europäische Regisseur der letzten Jahre. Gekrönt wurde sein Erfolg 2013/14 mit dem Gewinn des Auslands-Oscars und des Europäischen Filmpreises für seine Rom-Hommage „La Grande Bellezza“. In bislang sieben Filmen hat der italienische Regisseur seine ebenso elegante wie fordernde Filmsprache entwickelt. Sorrentino ist im besten Sinne ein Formalist: Er verbindet Einflüsse von David Lynch und Federico Fellini zu einer eigenen Ästhetik, die mit den Mitteln der Übertreibung und Groteske die Realität entstellt. Tom Tykwer – einer der der letztjährigen Preisträger – hielt seine überschwängliche und filmanalytisch fundierte  Laudatio genau Darüber auf Englisch – damit der Preisträger ihn auch versteht. Sorrentino selbst sagte nach der Überreichung des Filmpreises nur kurz und unaufgeregt danke – große Künstler verlieren nicht viele Worte über ihr Werk. Die Cologne Conference präsentierte Sorrentinos neuen Film „Ewige Jugend (Youth)“ vorab exklusiv als Deutschlandpremiere.

Der anschließende Empfang brachte dann das eingeladene Publikum mit den Preisträgern und Laudatoren zusammen – ein extrem gelungener Abend und viel Glanz für die Filmstadt Köln!!

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