HELDMASCHINE / LÜGEN (Soundsolution)

Heldmaschine entertaimnet

„Lügen“ ist das nunmehr dritte Album von Heldmaschine und nach ausgedehnten Tourneen stellt sich bei einer neuen CD natürlich immer die Frage, wohin die Reise gehen soll: Mehr Metal oder Electro? Expansion, Innovation und gleichzeitig die Erfüllung der Erwartungshaltung der eingefleischen Fans. Um diesen im Vorfeld Respekt zu zollen, haben Heldmaschine mit „Wir danken Euch“ schon einmal ein Dankeschön-Track mit aufs Album gebracht … und somit eine potentielle Gefahr gebannt.

In den letzten Jahren gab es diverse Line-up-Wechsel und man hatte sich gefragt, wie sich das musikalisch bemerkbar machen könnte. Da Heldmaschine als komplettes Unique-Produkt mit dem charismatischen Frontmann Rene‘ Anlauff und dessen Präsenz im Fokus steht und nicht die einzelne Virtuosität einzelner Bandmitglieder, haben HM auch dieses „Problem“ geschickt gelöst und es geschafft, eine Art Corporate Identity zu erschaffen … sowohl musikalisch, aber auch bezüglich des Artworks. Außerdem hat die Band inklusive ihrem Team bereits einen respektablen Weg hinter sich; so wird die ganze Energie in den musikalischen Aufstieg investiert und diesem Engagement hat man es auch zu verdanken, dass sich die Fanbase stetig vergrößert hat.

Einige der neuen Tracks dürften den Hardcore-Heldmaschinisten bereits von der letzen Tour bekannt sein, wie beispielsweise der Opener „Collateral“ und dem musikalischen Kracher „Ich will Dein Bestes“.

Mit „Schwerelos“ kommt eine catchige und kommerzielle Ader zum Vorschein, denn diese Nummer könnte problemlos im Radio laufen, ebenso „Ein Traum“. Durch diese Synthi-Hooks wandert HM natürlich immer einen schmalen Grat zwischen Kommerz, Innovation und Schützenfest-Hymne und wenn man grundsätzlich weniger auf dominante Elektronik steht, könnte man bei einigen Tracks leichte Probleme bekommen, andererseits sind natürlich genau diese Elemente die Ear-Catcher und es ist schwierig, diese Ohrwürmer wieder loszuwerden.

Wie gesagt, die Kracher wurden bereits bei der letzten Tour dem Publikum präsentiert und eben diese Tracks sind eigentlich auch die richtigen Highlights, sodass meine recht hohe Erwartungshaltung im weiteren Hörverlauf dann leider doch etwas gedämmt wurde. Es gibt diverse Songs (wie beispielsweise ausgerechnet „Wir danken Euch“), die vom Niveau unter den Highlights zurückbleiben. Insbesondere für mich als HM-Hörer, der mehr die Metal-Schiene bevorzugt, stellte sich aufgrund der starken Synthi-Dominanz eine Überreizung ein, woraus in Verbindung mit dem hart-kalten Stakkato auch eine schwindende Aufmerksamkeit resultierte. Wie gesagt, man kann natürlich nicht jedem Fan gerecht werden und ich bin mir sicher, dass HM mit diesem Album genau den Nerv ihrer treuen Fanbase treffen wird; auch die erwähnten Tracks mit Radiotauglichkeit könnten die Popularität steigern und so gesehen hat die Band vieles richtig gemacht.

Mir fehlte doch ein wenig der Überraschungseffekt … „Lügen“ enthält einige Tracks auf sehr hohem Niveau, aber auch ein paar vorhersehbare Durchschnittstracks; insgesamt hat die Band aber wieder einmal einen fetten Sound und ebenso diverse verspielte Elemente in die Aufnahmen einfließen lassen … insgesamt 3,5 von 5 …

3,5/5

Dennis