SCHAKAL / DEUTSCHER METAL MAL ANDERS

Schakal auf entertaimnet

Das hier ist eine Reise in die Welt der Schakale, die sich von der anderen Musikwelt im deutschsprachigen Raum unterscheidet. Der Unterschied ist nicht die Verwendung der deutschen Sprache im Bereich Heavy Metal, sondern das WIE ! Fernab von Kitsch und Klischee ist es dieser Band gelungen, Musik und Sprache in Einklang zu bringen und ein herrlich düsteres Album zu präsentieren.

Interview mit Roland Scharf, von Dennis Rowehl, Bild mit freundlicher Genehmigung von Schakal und Finest Noise

entertaim.net: Deutschsprachige Rockmusik ist ja immer so ein schmaler Grat … die harte Sprache macht sich gutt bei Bands wie Rammstein, Eisbrecher, Heldmaschine etc … auf der annderen Seite hat deutschsprachige Musik auch immer so einen pseudo-intellektuellem Studententouch, was mir persönlich ziemlich auf die Nerven geht. Umso überraschter war ich von eurem Album, denn ihr passt in keine dieser Schubladen und es hört sich richtig gut an! Was war der Grund, deutsche Texte zu verwenden?

Roland: Danke erstmal für die Blumen. Da muss ich weiter ausholen. Ich habe bis dato fast ausnahmslos englisch getextet. Und zwar, weil ich es aus dem Genre nicht anders kannte und daran gewöhnt war. Selbst als Texter habe ich beim Hören eigener Stücke den Inhalt indirekt wahrgenommen. Der Gesang wirkte für mich in erster Line wie ein melodiegebendes Instrument, der Inhalt erschloss sich erst, wenn ich mich darauf einließ. Da kann man dann irgendeinen Scheiß schreiben und es es klingt dennoch cool. Bei englischen Texten funktioniert das ja auch erstaunlich gut. Umbrella, ah, ah ah … Umbrella. Für so etwas auf deutsch wird man verprügelt. Ich wollte jedoch den gleichen Höreindruck bieten, den ein Amerikaner hat, wenn er englische Texte hört. Direkter Empfang der Nachricht. Das passiert in der Muttersprache zwangsläufig. Dies birgt jedoch auch die Notwendigkeit von guten Texten. Ob das gelungen ist, sollen andere bewerten. Jedenfalls frage ich mich, warum deutsche Künstler nicht mehr Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein zeigen und immer über den Teich schielen. Ich möchte aber hiermit in keinster Weise musikalische, westliche Einflüsse in unseren Stücken verleugnen. Zudem kann ich Muttersprache natürlich am authentischsten vortragen. Dann muss Leidenschaft auch nicht gespielt werden. Durch den Text erhält ein Lied seine Seele. Warum also diese verschleiern? In Folge dessen war dann auch klar, dass ein deutscher Bandname her musste.

entertaim.net: Euer Album ist fett produziert und klingt sehr international. Dadurch, dass ihr eben nicht englische Texte verwendet habt, entzieht ihr euch der Kategorisierung und dem Vergleich mit vergleichbaren Bands. War das auch eine Intention?

Roland: Das Album wurde von Herman produziert. Man benötigt heute kein Studio mehr. Jedoch ist das Wissen um Aufnahmetechnik unerlässlich für eine Produktion, welche nicht nach Demo klingen soll. Und dieses brachte Herman glücklicherweise mit in die Band. Ich meine, dass er eine Produktion auf allerhöchstem Niveau erreicht hat. Ich war noch nie zufrieden mit eigenen Produktionen. Diesmal voll und ganz! Eigenständigkeit ist ein sehr willkommener Nebeneffekt durch die deutschen Texte. Natürlch haben wird darüber gebrütet, wie dies zu erreichen ist. Und der Entschluss zu deutschen Texten ist ein Drittel, neben der Musik und dem optischen Erscheinungsbild, welches das Bandimage formt. Oft ist jedoch auch erwünscht eine Schublade vorzugeben und den Leuten konkret zu sagen welcher Spezies man angehört. Wenn dies durch den deutschen Gesang jedoch nicht klar zu definieren ist, kann es auch wieder ein Nachteil sein.
Je offengeistiger für Musik die Hörer sind, desto besser werden wir aufgenommen.

entertaim.net: Textlich ist das Album schon etwas finster, wie dunkel ist der Platz, an denen die Schakale leben?

Roland: Unser Zuhause ist so finster wie eines jeden eigenes Herz. Der Mensch polarisiert mit Liebe und den abscheulichsten Gräueltaten mehr, als man verstehen kann. Selbst Frohnaturen haben Kammern in Ihrer Seele, welche nie beleuchtet wurden. Da gibt es immer eine Zuflucht für uns Schakale.

entertaim.net: Ist das so?

Roland: (lacht)

entertaim.net: Was ist als nächstes geplant? Eine Tour?

Roland: Es ist schwer, als neuer Bandkeimling durch den harten Boden ans Sonnenlicht zu dringen. Man braucht Unterstützung, Kontakte und Leute, die an einen glauben. Die Labels heutzutage haben es ebenfalls schwer, weil viele Geschäftkonzepte auf der Vergangenheit beruhen. Folglich setzen sie nur auf Pferde, welche oft gewonnen haben. Auf ein unbekanntes Pferd möchte niemand setzen. Wir würden sehr gerne touren, also generell mehr Konzerte geben. Dies bedarf jedoch Hilfe von Unterstützern, welche ich hiermit herzlich aufrufe.

entertaim.net: Wird es ein oder mehrere Videos zum Album geben?

Roland: Ja. Erstmal das erste. Diesbezüglich gibt es auch schon ein Konzept und Menschen, die es umsetzen sollen. Jedoch gab es bisher viele organisatorische Dinge neben der Musik zu tun, welche das Video nach hinten rücken ließen.

entertaim.net: Eine Frage noch zu den musikalischen Wurzeln. Es kommt mir vor, als seid ihr auch etwas im 80er-Thrash Metal verhaftet … von den Akkorden … trotzdem hat das as Album an sich nichts mit dieser Zeit zu tun und klingt modern und sehr frisch. Welcher Sparte würdet ihr euch zuordnen?

Roland: Definitiv liegen unsere Wurzeln auch in den 80ern. Für meinen Teil gibt es dort immer noch den Großteil der Musik, der mich am meisten bewegt und bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Es gibt natürlich viel aktuelle Musik, welche uns gefällt. Die Blaupause dieser Musik liegt jedoch oft ebenfalls in den frühen Tagen. Abgesehen vom Produktionssound kann man nicht gewollt modern klingen. Man muss sich treu bleiben, Mut zum eigenen Stil haben. Dieser wird durch das definiert, was man kann und was nicht. Die Stärken sollte man ausarbeiten. Die Schwächen sind meist eh die Dinge, welche man anderen abguckt … das sollte man gleich bleiben lassen. Das machen schließlich bereits andere und zumeist auch besser. Dies beherzend sollte sich ein eigener Stil herauskristallisieren, von dem dann vielleicht jemand sagt, dass er modern ist. Wenn unser Album also als retro und dennoch modern/frisch rüberkommt, kann das nicht wünschenswerter für uns sein.

entertaim.net: Alles Gute für die Promo und weiter so !!

Roland: Vielen Dank für die schönen Fragen. Für solche nimmt man sich gerne die Zeit. Besten Dank.