INDUSTRIE 4.0 / Kompetenzen für die Welt von morgen / Herausforderung Komplexität / interactive cologne 2015

INDUSTRIE 4.0 / Kompetenzen für die Welt von morgen / Herausforderung Komplexität / interactive cologne 2015

Die diesjährige interactive cologne fand erstmals zusammen mit dem Medienforum nrw statt – die berühmten Synergieeffekte gab es diesmal tatsächlich, sind doch die Überlappungen zwischen den digitalen Themen und der Medienwelt offensichtlich. So manches Forum hätte in beide Formate gepasst. entertaim.net war für euch vor Ort, um sich in der digitalen Zukunft der Arbeitswelt umzuschauen: das Forum Industrie 4.0 behandelte dieses derzeitige Megathema aus theoretischer und praktischer Sicht.

Ein Bericht von Martin Hannig

Eingangs stellte Christiane Flüter-Hoffmann vom IDW die Analysen und Untersuchungen zum Thema vor. Ungefähr die Hälfte der Arbeitsplätze soll gefährdet sein in der digitalen Zukunft – so die schwarzmalerischen Prophezeiungen mancher Forscher. Ob es wirklich so kommt weiß keiner, auch Flüter-Hoffmann hielt sich bei diesen Prognosen bedeckt. Aber der Veränderungsdruck ist immens! Vor allem die erwarteten Kompetenzen der Mitarbeiter in den Unternehmen werden sich ändern. Was zum großen Thema Qualifizierung und Bildung führt – sogenannte Onlinekompetenzen werden zukünftig dramatisch nachgefragt. Ihr Fazit: Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend. Neue Geschäfts- und Berufsfelder entstehen, alte werden verschwinden – der Prozess ist bereits im Gange. In der digitalen Welt sind IT- und Internetkenntnisse Basiskenntnisse, werden also von jedem erwartet. Gefordert werden darüber hinaus umfassendes berufliches Erfahrungswissen und die Fähigkeit mit auch virtuellen Partnern zu kommunizieren und Prozesse zu koordinieren. Nicht zu unterschätzen sind sehr gute Englischkenntnisse – sie werden zukünftig immer wichtiger. Für die Personalpolitik bedeutet dies die Personalentwicklung stärker in den Fokus zu nehmen.

Es wurde dann im Podium die Frage aufworfen nach der Zuständigkeit der IT-Bildung. Winfried Felser von Netskill Solutions brachte hier einen interessanten Aspekt ins Spiel. Anders als man von einem IT Manager annimmt, sprach er sich vehement gegen den Einsatz von iPads im Unterricht aus. Ob es wirklich sinnvoll ist die Schüler nicht nur in der Freizeit und in den Pausen, sondern auch im Unterricht wischen und tippen zu lassen? Gleichzeitig wird Latein abgeschafft – der Weg in die Schmalspurbildung ist für ihn gefährlich – „aber Hauptsache sie können iPad“…. Felser ist der Überzeugung dass dies alles Nebenkriegsschauplätze sind. Es geht nicht um Tablets, sondern um eine grundlegende Änderung des Denkens. Die digitalen Grundfähigkeiten sind nur notwendig, aber nicht hinreichend für die Transformationsfähigkeit der Gesellschaft. Die Runde war sich einig: Diese Grundkompetenzen hat eh jeder – aber sie sinnvoll und gewinnbringend in die Arbeitswelt einbringen kann nur gelingen wenn man jung und alt in Teams zusammensetzt, damit auch ältere von jüngeren lernen z.b. durch Mentoring-Ansätze. Dieser Ansatz wird durch den demografischen Wandel immer mehr an Bedeutung gewinnen: Kompetenzen der jüngeren und älteren richtig und effektiv nutzen.

Wenn die Tendenz der Individualisierung der Produktion (Stichwort Losgröße 1) weiter anhalten wird, wird sich dies in den geforderten Kompetenzen der Angestellten (Beherrschung von wachsender Komplexität) stark bemerkbar machen. Und – so Felser – die neue Generation Y – die er als Generation „Why?“ bezeichnete – tendiert dazu alles zu hinterfragen und Entscheidungen so zu verzögern. Dies wird zukünftig nicht gehen – wer keine Entscheidungen trifft, wird es schwer haben….

Felser hielt zudem fest dass die Komplexität allein durch den Markt weiter zunehmen wird. Gelernt werden kann dies kaum in Schulen – z.b. in einem Fach „Komplexität beherrschen“ – dies sind Skills, so Flüter-Hoffmann, die klassischerweise in der betrieblichen Ausbildung oder im Hochschulstudim erlernt werden. Und hier mahnte sie: wir benötigen dringend mehr IT-Spezialisten!

Im zweiten Teil des Forums wurden die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Managerberuf besprochen: “Manager 4.0“ – was braucht er? Einmütig wurde festgestellt: es geht zukünftig in der Führung nirgends ohne Flexibilität. Der Manager von morgen muss vor allem begeistern können, und er darf seine Mitarbeiter weder unter- noch überfordern. Da Mitarbeiter tendenziell mehr Verantwortung übernehmen, wird der Chef die Rahmenbedingungen stellen und seine Teams anleiten, und das werden immer mehr virtuelle Teams sein.

All diese sozialen und kollaborativen Kompetenzen, so Felser, sind auch weibliche Kompetenzen, so dass das gute alte „Alphamännchen“ zum Auslaufmodell wird. Was allerdings im Gegenzug nicht heißt, dass wir das Kuschelmanagement erwarten dürfen oder ein „gutmenschliches“ Führungsverhalten – dies wird im Wettbewerb nicht reichen. Ursula Vranken vom IPA (Institut für Personalentwicklung) pflichtete bei: Führung wird zusehends komplexer – und auch die fachlichen Anforderungen in den Branchen werden weiter steigen. Die Kommunikationsanforderungen steigen ebenfalls, denn selbstorganisierte Prozesse müssen zielorientiert moderiert werden. Die Fähigkeit zur vernetzten Kommunikation stellt extrem hohe Anforderungen an die Führungskraft von morgen. Fazit: einfacher wirds nicht….