EAST CAMERON FOLKCORE / Kingdom Of Fear (Grand Hotel van Cleef)

EAST CAMERON FOLKCORE / Kingdom Of Fear (Grand Hotel van Cleef)

Das Reich der Angst – wir haben es alle längst betreten, lassen uns von quoten- und auflagengeilen Medien ständig weißmachen wo und wann die nächste Apokalypse droht. Gesundheit, Klima, Wirtschaft, Karriere – überall lauert die Angst, etwas falsch zu machen. Politik benutzt diese von auch von ihr bewusst geschürten Ängste um unsere Freiheitsrechte einzudampfen – Schritt für Schritt. Neben The Last Internationale sind EAST CAMERON FOLKCORE eine der wenigen Kollektive mit wachem künstlerischem Bewusstsein, die sich dagegen auflehnen. Mit ihrem dritten Album gehen sie aufs Ganze. Ungemütliche Themen, politische Agitation – ganz im Geiste des Punk. 14 Songs, aufgeteilt in vier Sektionen, die versuchen ein Konzept gegen die Angst zu entwickeln – die aufrütteln und optimistisch in eine bessere Zukunft weisen.

Musikalisch gibt es von ECF wie immer das volle Programm – der einleitende Titelsong ist Irish Folk mit einer kleinen Prise Hardrock, zwischendurch gibt’s Bläser – ein bunter Kessel wird wie immer serviert, und die Backgroundchöre schwelgen wie bei Mumford & Sons. Folk trifft auf Punk trifft auf Rock und Gospel oder Soul – die Band sitzt zwischen allen Stühlen und fühlt sich hörbar wohl dabei. „ECF sind die E Street Band aus dem Underground“, so der Infozettel des Labels – eine passende Umschreibung für den Mut zur Größe, zum überbordenden instrumentalen Reichtum dieses Albums. Und in der Tat hört man manchmal die Dringlichkeit und Sehnsucht des jungen Boss in Jesse Moores Gesang. 8 bis 12 Mitglieder zählt EFC – so überrascht der Ideenreichtum natürlich nicht. Und wenn nach 52 Minuten der 14. Titel erklingt, das 7 1/2-minütige “Goodbye To Fear” möchte man sofort die EFC-Lösung für die ultimative Bekämpfung der Angstgesellschaft mitmachen: Computer aus, Pillen weg, aufhören die immer gleichgeschalteten Nachrichten zu konsumieren – und vor allem: Schluss mit dem Rückzug ins Private. Do something! Ein erster Schritt: „Kingdom of Fear“ hören und weiterempfehlen!! Und sich nicht an der etwas schwachbrüstigen Abmischung des Albums hören – muss man halt lauter drehen.

4/5

Martin Hannig