ADAM ANGST/ Adam Angst (Grand Hotel van Cleef)

Adam Angst bei entertaimnet

Felix Schönfuss kennt man von der Band Frau Potz – nun hat er sich eine neue Spielweise aufgemacht für seine bitterbösen Betrachtungen der bundesrepublikanischen Realität 2015. Das selbstbetitelte Debut-Album der Band ADAM ANGST um Felix knallt gnadenlos in die Wohlfühlrepublik. Bittere Wahrheiten werden dem Hörer wütend in die Fresse gesungen – das ist die Haltung des Punk, das erinnert mich bei fast jedem Song wieder an die großartigen DRITTE WAHL. Und auch die Musik geht dermaßen punkmäßig nach vorn, erinnert manchmal an TURBOSTAAT, aber gepaart mit old school Sleaze Rock-Riffs, und die megafette Produktion von Mastermind Kurt Eblhäuser tut das ihrige dazu.

Wenn ADAM ANGST in der ersten Single „Ja ja ich weiß“ zynisch ausmalen wohin so viele Beziehungen nach ein paar Jahren abdriften – Streit, Misstrauen, Geringschätzung des Partners, die ewig gleichen Nerv-Sprüche, die Ablehnung („Mann bist du eklig mit deiner Popelei“): das ist so nah an der bitteren Realität und hab ich so noch nie gehört. – Dürfte bei manchen Hörer unangenehme Fragen auslösen…. Im überragenden Opener „Jesus Christus“ stellt Felix gar ein Szenario auf bei dem Jesus zurückkehrt – aber mit Hass statt Liebe für die dumpfen TV-Glotzer im Lande… Das ist so gut getextet: „Neue Jünger neues Glück, und jeder kriegt sein Stück vom Kuchen ab, Hätt ich doch damals Judas gut bezahlt, Mein Reich komme, mein Wille geschehe“).

„Was der Teufel sagt“ kommt überraschenderweise als Rocktango daher – da werden einige das Gesicht verziehen, aber ich finde es passt gut hier rein, und der Text ist super witzig: wer kennt nicht die Einladungen beim „befreundeten Pärchen“, und man bewundert den “Feldsalat mit Holunder Vinaigrette“ – während man das eigentlich total scheiße findet und sich fragt, wieso man sich das antut.

„Wochenende Saufen Geil“ könnte 100% von den Ärzten sein – macht den Song aber nicht schlechter – eine böse Betrachtung der Disco-Sauftouren am Wochenende mit seinen dunklen Seiten. Wenn’s politisch wird, ist Felix allerdings sehr schnell mit seiner Schwarz/Weiß Weltsicht dabei – das kennt man ja bei aufrechten Linken. Das ist manchmal offenkundig so Gutmenschen-korrekt und links-gestylt wie in „Professoren“ – trotzdem ein geiler Text! – , oder so beliebig wie in „Splitter von Granaten“, in der in 4 Minuten alle Probleme der Welt abgehandelt werden. Diese Holzhammer- Lyrik ist Punk, und das ist gut so – muss man ja nicht alles nachvollziehen können. Besser finde ich Schönfuss wenn er gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen abhandelt oder die Sinnlosigkeit der täglichen Tretmühle schonungslos offenbart („Flieh von hier“). Wahrhaftige Lyrics, die weh tun sollen.

Tolles Debüt, großes Kino von ADAM ANGST.

4/5

Martin