DIRTY DEEDS `79 / GRÜSSE AUS DEM ROCK’N’ROLL WOHNZIMMER / Das Interview

Dirty Deeds 79 bei entertaimnet

Die DIRTY DEEDS `79 sind in Kölle – da heißt für alle AC/DC-Fans, die das Warten bis zum Gig auf den Jahnwiesen im Juni nicht mehr ertragen können, die beste AC/DC-Coverband des Landes live im Luxor zu erleben. Alle Jahre wieder kommen die Bonner in die Stadt im Norden – und auch dieses Jahr gab es ordentlich auf die Ohren vom Opener „Live Wire“ bis zum finalen Brutal-Boogie „Rocker“. Highlight der Show dürfte sicherlich „It’s A Long Way To The Top“ gewesen sein – wenn der Gast-Musikant Dirty Pussy den Dudelsack bläst und zum finalen Gruß den Schottenrock hebt, bleibt kein Auge trocken. Dabei stand der Gig unter keinem guten Stern, denn Stammrhythmusgitarrist Kuta hatte es dermaßen grippemäßig erwischt, dass er zu Hause bleiben musste – die Absage drohte, wenn nicht Ersatzmann Niko eingesprungen wäre, der Malcolm Young von weitem total ähnlich sieht und Kuta gebührend vertrat.

Schon letztes Jahr sprachen wir mit den DEEDS – und vergruben uns gleich mal in die frühen Jahre der AC/DC-Discografie (https://entertaimnet.wordpress.com/2014/03/06/dirty-deeds-79-maximum-spas-und-die-platten-im-tempel-interview-mit-der-acdc-coverband/) „Platten vor Gericht“ – wer anders als Holger Jan Schmidt (bass) und Sänger Alex „Panzer“ sind prädestiniert mit uns durch die Alben der Band zu wandern. Außerdem sprachen wir über das abgelaufene Jubiläumsjahr der DEEDS und über die spektakulären Schlagzeilen über AC/DC in den letzten Monaten.

Interview von Franky und Martin / Bild mit freundlicher Genehmigung von Dirty Deeds ’79

 entertaim.net: Wenn man die News so verfolgt, vor allem das Drama um Malcolm Young, dann wird man das Gefühl nicht los es kommt nun zu einer Art Abschiedstour. Wie seht ihr das?

Holger: Ja wir auch, ist ja auch naheliegend. Uns hat es schon gewundert, dass es überhaupt zum letzten Album gekommen ist. Angus sagt ja selber, AC/DC wäre die Band seines Bruders. Wenn er nun nicht mehr dabei ist, fehlt das Herz.

Panzer: Aber sie haben ja auch in Interviews angedeutet, dass es noch diverse Riffs und Ideen von Malcolm aus vergangenen Sessions auf diesem Album gibt, das ich dafür erstaunlich gut finde. Das gibt mir dann die Hoffnung dass die Tour auch geil wird. Gerade wurde ja verkündet dass Chris Slade an den Drums dabei ist.

Holger: Ich könnte mir sehr gut vorstellen dass Malcolm in einem wachen Moment gesagt hat: macht weiter mit der Band! Und wenn die Band nicht das Gefühl hätte, sie werden ihm gerecht, hätten sie nicht weitergemacht.

entertaim.net: Mir ist aufgefallen dass die neue Platte sehr kurz ist, die kürzeste Platten aller Zeiten von ihnen. Könnte ja ein Indiz dafür sein, dass die Ideen ohne Malcolm nicht mehr so sprudeln.

Holger: Andererseits sprach Angus kürzlich in Interviews öfter mal über die nächste Platte. Also ich glaube das ist noch nicht definitiv raus ob es weitergeht. Aber ich kann‘s mir irgendwie doch nicht vorstellen.

entertaim.net: Und dann die Story mit Phil Rudd…

Holger: Es hieß ja dass er damals schon nicht rechtzeitig zu den Aufnahmen in Seattle gekommen ist. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass man eine Platte zusammen aufnehmen will und einer kommt nicht! Der einzige der sich das überhaupt rausnehmen dürfte, müsste mit Nachnamen Young heißen.🙂 Dann kommt der Mann nicht, der ja zwischendurch auch schon mal rausgeflogen war. Und als er dann da war, sagt Angus, sei er nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen.

Panzer: Das sah man ja auch bei den veröffentlichten Aufnahmen aus dem Gerichtssaal, als er barfuß dort auftrat, mit solchen Ringen untern Augen und in einer offensichtlich derangierten Verfassung…. Da ist doch ein Multimillionenunternehmen wie eine AC/DC-Tour gefährdet, das ist doch eindeutig! Warum sollten diese Profis sich das gefallen lassen? Muss man mal ganz klar festhalten, das ist ja auch ein Riesenbusiness.

Holger: Das mit Rudd ist ja das Heftigste – neben der Krankheit von Malcolm – was man in den letzten Jahren über die Band mitbekommen hat. Andererseits machen wir uns schon darüber lustig – z.B. sagt Alex ja beim Gig schon mal: wir sind froh dass unser Drummer noch dabei ist….😉 Diese ganzen Geschichten mit dem Mordkomplott und dass er irgendwelche Nutten nicht bezahlen wollte, das ist ja auch in Anführungszeichen Rock’n’Roll, aber am Ende dann auch wieder gar nicht, wenn man weiß was Rock’n’Roll eigentlich ist, nämlich das was AC/DC auf die Beine stellen. Und wenn er nicht funktioniert, dann darf er sich nicht beschweren. Er ist aber eigentlich der beste Drummer den AC/DC haben können!

entertaim.net: Letztes Jahr war ja euer silbernes Jubiläumsjahr. Du erzähltest beim letzten Mal, dass ihr euch auf einen großen Jubiläumsgig bei Rhein in Flammen vorbereiten würdet. Wie war es denn?

Panzer: Das war wunderbar in der Rheinaue zu spielen, Freitagsabends vor ca. 10.000 Leuten. Zusammen mit der Rhine Power Pipe Band, unseren Dudelsack-Freunden aus Köln. Das war der gefühlt kälteste Sommertag des Jahres, und es hatte dann sogar geregnet, aber die Leute sind geblieben. Für uns ein totales Erlebnis und für mich persönlich die Krönung unseres Jubiläumsjahres zusammen mit den 4 Harmonie-Gigs.

entertaim.net: Das fand ich ja erstaunlich, dass ihr an 4 Abenden hintereinander die Harmonie ausverkauft….

Holger: Das haben wir ja schon 2013 zum ersten Mal so gemacht.

entertaim.net: Wieviel Leute sind das ungefähr zusammengezählt?

Holger: 2000. Wir haben nun endlich den Getränkerekord dort gebrochen!

Panzer: Die haben nur noch gegrinst als sie die Zahlen sahen. Man lebt ja auch voneinander. Die Harmonie ist absolut unser Rock’n’Roll-Wohnzimmer.

entertaim.net: Ich kenn den Laden nur von den jährlichen Rockpalast-Aufzeichnungen dort.

Panzer: In dem Rahmen durften wir ja 2007 spielen!

entertaim.net: Die erste Coverband die der Rockpalast je aufzeichnete.

Holger: Der Chef vom Rockpalast war damals regelmäßig in der Harmonie und der fand uns halt geil. Er meinte ja auch dass wir dem ganzen Coverding einen eigenen Charakter geben würden. War aber auch Glück für uns dass wir aus dem WDR-Sektor kommen.

entertaim.net: Lasst uns nun weitermachen mit unseren Plattenbesprechungen aus der AC/DC-Historie. Immerhin seid ihr die größten Experten was diese Band angeht. Letztes Mal waren wir bis „For Those About“ gekommen…. Könnt ihr euch noch daran erinnern als das Ding erschienen ist?

Panzer: Ich bin damals auf dem Schulweg täglich an den einschlägigen Bonner Plattenläden vorbeigerannt. Irgednwann stand sie dann da – mit der Kanone. Ich verbinde damit die Kanonen – die begleiten die Konzerte mein ganzes Leben lang. Ich hatte sie damals das erste Mal live gesehen. Das Album an sich ist lange nicht so stark wie die Back In Black, sie hat aber noch 4 supergeile Stücke drauf. Aber ab da gings dann qualitätsmäßig bergab finde ich.

Holger: Back In Black ist ja nie getoppt worden. Es sind aber noch viele gute Platten gekommen. Z.B. Flick Of The Switch finde ich total unterbewertet. Das liegt aber auch am Sound. Wurde von Malcolm und ich glaube auch von Angus im Alleingang produziert. Nervous Shakedown, Landslide, das war gutes Zeug, das aber nicht so geil klingt als wenn sie’s mit Mutt Lange aufgenommen hätten.

entertaim.net: Habt ihr jemals was von Flick oder Fly gespielt in eurer langen Zeit?

Holger: Also bei uns ist das wie bei AC/DC. Wir spielen was von Back In Black, wir spielen FTATR, Thunderstruck, und heute abend Stiff Upper Lip. Sonst nur alte Sachen.

Panzer: Wir haben halt auch nur 2 Stunden zur Verfügung und haben Bock auf Nummern die die halt nicht mehr live spielen. Was sollten wir auch weglassen? TNT? Rosie? (lacht)

entertaim.net: Zurück zu Flick: Da gabs ja dann den berühmten Schlagzeugerwechsel….

Holger: Simon Wright kam glaube ich direkt nach den Aufnahmen in die Band, auf derPlatte spielt aber noch Phil Rudd. (Anmerkung des Autors: Die fantastische Fly On The Wall haben wir dann glatt vergessen zu erwähnen)

entertaim.net: Dann kam irgendwann Who Made Who raus, ein Soundtrack-Album mit einem neuen Song….

Holger: Du meinst Chase The Ace🙂 –  Nee Quatsch. Das waren die 2 Instrumentals. An dem Album scheiden sich dann endgültig die Geister. Ich mag es sehr gern. Und das war ja die Zeit von MTV, als dieses Who Made Who Video ständig lief. Mit diesen hunderten von Angussen, die dort abrockten.

entertaim.net: War ja die erste Platte seit Jahren die Vanda/Young produzierten.

Holger: Seit der Powerage. Ich kann das jetzt nicht so raushören. Aber im Vergleich zur Flick klingen die hier deutlich präsenter.

Panzer: Apropos Video! Ich möchte hier kurz erwähnen, dass beim Videodreh von Big Gun der Vangus dabei war in Kalifornien! Er ist dort im Publikum zu sehen. Damals hatte er dort Gitarre studiert, und er hörte da Gerüchte dass wohl AC/DC ein Video drehen werden. Er hats dann geschafft da reinzukommen.

entertaim.net: 1988 dann Blow Up Your Video.

Holger: Das war dann meine erste Tour die ich als 16jähriger gesehen habe. Die Platte ist auch nicht so schlecht wie sie oft gesehen wird. Heatseaker ist eine super Nummer! Und Thats The Way I Wanna Rocknroll. Ich denke da sind wir dann in einer Zeit angekommen, in der man nicht mehr davon ausgehen konnte, dass sie an die good old times anknüpfen können, weil das dann auch 10 Jahre her waren. Diese good old times sind für uns ja die Zeit vor allem von Let There Be Rock bis Back In Black. Das konnte man damals nicht mehr erwarten, schon gar nicht nach Millionen verkaufter Platten. Das war kein Clubact mehr, sondern ein Stadionact, das ist ein ganz anderes Feeling und eine große Herausforderung. Du musst dann halt ein Stadion rocken, mit einer fetten Show, da geht’s nicht mehr nur um Marshallstacks und Schweiß. Dieses dreckige, schnelle, ruppige von Whole Lotta Rosie – das konnte man dann ab Ende der 80er nicht mehr erwarten.

entertaim.net: So eine geile Nummer wie Walk All Over You z.B. hat man seit Bon Scotts Tod nie mehr live von AC/DC gehört.

Holger: Na klar – das ist ja das Problem mit der Setlist das wir auch kennen. Du kannst nur eine gewisse Anzahl an Stücken spielen. AC/DC können sogar noch weniger als wir spielen, weil Angus da noch durch ein halbes Stadion laufen muss und sie dann in der Zeit ein ellenlanges Intro machen oder so. Bei uns ist es so, dass ¾ unserer Setlist sowieso vorgeschrieben ist. Da kann man nichts streichen!

Panzer: Das restliche Viertel mischen wir dann aus einem Fundus von 25 Stücken.

entertaim.net: Back to the music. 1990: Razors Edge. Mit Thunderstruck, das seitdem auf jeder Party läuft.

Holger: Ein unkaputtbarer Song. Ganz merkwürdig zu spielen im Vergleich zu allen anderen Songs, die Rhythmusgitarre ist ganz anders. Es dauert auch elend lange bis der Song mal losgeht. Das funktioniert ja auch live, aber ist schon merkwürdig zu spielen. Die Razors Edge lege ich übrigens nie auf, die Platte hat mich nicht so gepackt. War damals vielleicht auch der Zeitgeist, dass die Platte so abgegangen ist.

entertaim.net: Das Video hat viel dazugetan. Angus von unten durch den Glassteg gefilmt. Die Leute an der Seite so hoch gestapelt. Hammer.

Holger: Seitdem sehen ja alle Videos von AC/DC so aus. 🙂

entertaim.net: Money Talks fand ich ja damals super, dieser sehr untypische, melodische Chorus.

Holger: Das finden wir ja dann auch wieder bei Anything Goes.

entertaim.net: Auf der Razors Edge sind die Songcredits erstmals ohne Brian Johnson!

Panzer: Brian hatte damals wohl Probleme mit seiner Scheidung. Er war bei der Vorbereitung der Platte nicht verfügbar, deswegen haben die anderen es allein gemacht. Brian war dafür auch sehr dankbar. Und dann war’s fortan nur noch Young/Young.

Holger: Ehrlicherweise muss man sagen dass bei allen neueren Platten die Lyrics nicht so sind dass man sagt: „wow, hast du DAS gelesen?“

Panzer: Bon Scott hat aber auch unglaublich geile, hintergründige, wortwitzige und einfach supergute Texte geschrieben! Da kommt kaum einer ran. Er war ein echter Straßenpoet.

entertaim.net: So manches Mal kommt man bei den aktuellen Texten zum Fremdschämen….

Holger: Du schaust aufs Plattencover und siehst 4 Songs mit „Rock“ – naja. Ich bin mir ziemlich sicher dass die auch diskutieren und sagen: „nee können wir nicht machen“. „Doch WIR können das!“

entertaim.net: Andere kämen damit nicht durch. So aus Zeitgründen jetzt noch ein Schnelldurchlauf vom Rest.

Holger: dann kam die Live-Scheibe. Ich würde If You Want Blood immer dieser Live-Platte vorziehen. Dann die Ballbreaker. Der Song Ballbreaker ist ein Knaller, Hard As A Rock ist mir ein wenig zu cheesy. Aber ich hab mich damals sehr gefreut dass Phil Rudd wieder dabei war. Stiff Upper Lip – erste Nr.1-Scheibe in Deutschland. Guter Titelsong. Die Black Eyes danach war auch ein richtiger Brummer.

Panzer: Und nun die Rock Or Bust – ist schon ein geiles Album, mit zwei drei super Nummern drauf, das läuft bei mir im Auto immer noch!

entertaim.net: Jungs, vielen Dank – gleich geht’s los, euch viel Spaß!