ACCEPT / EINE ABSOLUTE MACHT

Accept bei entertaim.net

Das dritte Album nach dem Re-Start – „Blind Rage“ – startete durch und landete in den deutschen Albumcharts auf Nummer 1 und sogar in den USA auf Platz 35. Respekt! Und live präsentierten sich ACCEPT in der Kölner Live Music Hall gewohnt spielfreudig und absolut professionell, insbesondere dem Duo Hoffmann / Baltes konnte man die Erfahrung sowie die neu gefundene Jugend anmerken. Zuvor trafen wir noch einen entspannten Wolf Hoffmann zum Interview.

Interview: Hannig / Rowehl, Bild mit freundlicher Genehmigung von Nuclear Blast

entertaim.net: Wolf, Du lebst immer noch in Nashville. Alles gut in Nashville?

Wolf Hoffmann: Absolut. Es ist eine Musikstadt, also wenn man Musiker ist, dann ist man da auch nicht verkehrt (lacht). Viel Country, aber es gibt auch eine Menge Metal-Musiker, dennoch wird Nashville immer eine Country-Stadt sein, das Business ist auch viel größer. Gigantisch. Dan Huff und Co. Der ist immer noch fett im Geschäft.

entertaim.net: Und Ihr seid immer noch heiß?

Wolf Hoffmann: Wir sind heißer denn je. Für uns fühlte es sich auch nicht so an, als wären wir schon ewig dabei, sondern seit „Blood of the Nations“ haben wir ja quasi mit einem Neuanfang begonnen.

entertaim.net: „Blood of the Nations“ war ja auch ein richtiger Einschlag. Was hat dieser Erfolg mit dem Comeback bei Euch bewirkt?

Wolf Hoffmann: Wir haben ja ständig hohe Ansprüche an uns selbst. Es spielt keine Rolle, ob man mit einem Album erfolgreich war oder nicht, denn grundsätzlich muss man sich als Musiker und Künstler das meiste abverlangen und die Ansprüche an sich selbst sehr hoch halten. Die Musik muss aus sich selbst herauskommen. Das Beste liegt auch noch vor uns. Der beste Gig ist noch nicht gespielt worden und der beste Song ist auch noch nicht geschrieben worden. Ich glaube, da kommt noch einiges.

entertaim.net: Was mich erstaunt, ist die schiere Länge der neuen Alben … insbesondere von „Blood of the Nations“ …

Wolf Hoffmann: (lacht) Da haben einige gesagt: „Hey, die Platte ist super … nur ein bisschen lang“. Na gut, die Songs sind auch länger. Da steckt keine Absicht hinter, sondern man lässt es solange rollen, solnage es sich gut anfühlt. Früher in den 80ern gab es immer die goldene Regel von 3 Minuten, damit dien Songs im Radio gespielt werden, aber im Radio wird sowieso kein Metal gespielt, also ist es auch völlig egal und wenn sie nicht im Radio gespielt werden, können wir von vornherein das machen, worauf wir Bock haben. Oft ist es so, dass wir im Mittelteil unterschiedliche Passagen mit Gitarrensoli etc. einbauen … oder auch viele klassische Elemente … und dadurch verlängert sich natürlich der Song. Wir versuchen, den Fans mehr als das klassische Schema F zu bieten.

entertaim.net: Ich hab gehört, dass du zurzeit auch an einem Soloprojekt mit klassischem Background arbeitest. Stimmt das so?

Wolf Hoffmann: Ja ja, ich hab ja auch vor Urzeiten schon einmal eine Soloplatte aufgenommen, weil die klassische Musik bzw. klassische Themen auf der E-Gitarre zu spielen immer schon mein Steckenpferd war und da hab ich schon einmal ein Album aufgenommen, das alles aber wieder aus den Augen verloren und nun endlich bereite ich seit einiger Zeit das Folgealbum vor, was ich dann im nächsten Jahr rausbringen möchte.

entertaim.net: Auch mit Live-Performance?

Wolf Hoffmann: Das wäre dann die nächste Frage. Könnte durchaus passieren, aber das weiß ich noch nicht. Ich hab das Material zu 80% fertig, aber mir fehlt noch die Zeit, die restlichen 20% aufzunehmen.

entertaim.net: Uns ist im Metal-Segment aufgefallen, dass viele Bands jetzt einen auf Mittelalter machen bzw. mit Orchester etc. auftreten wie jüngst sogar SAXON in Wacken. Ihr werdet sowas aber doch bitte niemals machen, oder?

Wolf Hoffmann: (lacht) Nein, das werden wir niemals machen, unsere Musik ist auch nicht dafür geschrieben und ehrlich gesagt, alle Beispiele, die ich bereits gehört habe, inklusive METALLICA, gefallen mir überhaupt nicht, weil das unterschiedliche Welten sind und wenn eine Synthese aus Metal und Klassik funktionieren soll, dann muss das auch so konzipiert bzw. komponiert werden, dass jedes Instrument seinen eigenen Part bekommt und sich alles ergänzt, aber es ist im Moment so ein Trend, weil es cool aussieht … oder nach Kultur aussieht …

entertaim.net: … vielleicht gibt es da Fördergelder?

Wolf Hoffmann: (lacht)

entertaim.net: Find ich gut, also falls ACCEPT jemals mit einem Orchester auftritt, werde ich Dich daran erinnern …

Wolf Hoffmann: (lacht) Mach das.

entertaim.net: Jetzt mal zum berühmten Zitat von Gene Simmons, „Rock is finally dead“. Was sagst Du dazu? Ist Rock … oder Metal dead?

Wolf Hoffmann: Also sagen wir mal so, in Amerika ist Metal etwas zurückgefallen, dafür geht Metal in anderen Ländern umso besser. In Südamerika, in Japan und in den ehemaligen Ostblockländern sind wir ganz stark angesagt … überhaupt Metal … also kann ich das nicht behaupten. Wir spielen auch noch in Amerika, aber nicht mehr so stark wie früher. In den 80ern war Metal fett im Geschäft, da haben wir auch in Amerika gut mitgemischt … das war ja die Zeit von Bon Jovi, Skid Row, die haben ja Millionen Platten verkauft … was weiß ich. Wir waren ja mehr Underground und nicht so eine fette Mainstream-Nummer ….

entertaim.net: … naja Udo sah ja auch nicht so aus wie Sebastian Bach (lachend) …

Wolf Hoffmann: (lacht) … okay, das hat MTV sicherlich auch gedacht … logisch, das stimmt wohl so, aber wir hatten einen riesigen Einfluss auf andere Bands …

entertaim.net: … ich hab kürzlich Sebastian Bach live gesehen und er hat „Balls to the Wall“ gecovert …

Wolf Hoffmann: Ja, er ist ein richtiger Fan von uns. Es sagen immer wieder viele Musiker, die uns als Inspiration genommen haben. Dennoch hatten andere Bands und nicht wir die ganz großen kommerziellen Erfolge, auch wenn von denen heute niemand mehr spricht …

entertaim.net: Mal eine Frage zum Cover von „Balls to the wall“, was ich immer schon mal fragen wollte. Der Typ mit dem Lederslip und der Kugel in der Hand. Was habt Ihr euch dabei gedacht?

Wolf Hoffmann: Es sollte irgendwie provozieren, obwohl es da keinen tieferen Sinn gab. Wir fanden diese Schwarz-Weiß-Fotos von Helmut Newton ganz cool und so entstand dieses Cover. Es hat dann auch polarisiert, die eine Hälfte fand es cool, die andere total scheiße (lacht) … insbesondere in Amerika.

entertaim.net: Das Video zu „Balls to the wall“ lief später auch bei Beavis & Butthead …

Wolf Hoffmann: Das war doch eine Ehre für uns, dort gespielt zu werden … (lacht)

entertaim.net: Das aktuelle Album ist in Deutschland sofort auf Nummer 1 geklettert … wir war es eigentlich beim Songwriting, nachdem die ersten beiden Alben seit dem Comeback ganz erfolgreich waren … ändert sich das Songwriting irgendwie? Dass man mal was komplett anderes ausprobieren muss?

Wolf Hoffmann: Nein, die Arbeitsweise ist eigentlich immer gleich, Peter und ich setzen uns zusammen und tauschen die Ideen aus und wenn wir dann zusammenspielen, fängt es dann auch an, sich nach ACCEPT anzuhören und wenn wir der Meinung sind, dass wir die richtigen Songs haben, dann kommt der Text dazu. Was sich geändert hat, ist, dass wir genau wissen, was wir wollen. In den 90ern haben wir mal unterschiedliche Sachen probiert, das gibt es jetzt nicht mehr. Wir wissen, was die Fans erwarten und kennen unseren Weg sehr genau. Wir sind da wesentlich trittsicherer. Wir werden live viele neue Nummern spielen, was natürlich auch daran liegt, dass das neue Album auf Platz 1 der Albumcharts war …. dann erwarten die Fans auch mehr Songs von dieser Platte. Es kommen ja auch viele Fans, die uns schon häufiger gesehen haben, und wir müssen ihnen auch mehr bieten. Das Programm passt schon gut zusammen und die Resonanz ist super.

entertaim.net: Es macht wieder Spaß, wieder in Deutschland zu sein?

Wolf Hoffmann: Immer wieder schön hier. Wir haben viele Bekannte getroffen … und das Essen ist super!

entertaim.net: Wolf, vielen Dank und weiterhin viel Erfolg.

Wolf Hoffmann: Danke, hat mich gefreut.