TOM PETTY and THE HEARTBREAKERS / Hypnotic Eye (Warner)

TOM PETTY and THE HEARTBREAKERS / Hypnotic Eye (Warner)

TOM PETTY hat’s mit seinen HEARTBREAKERS wieder getan: seine neue Platte macht da weiter, wo das grandiose Blues-Manifest „Mojo“ 2010 aufhörte. Dabei beginnt es eher düster: eine genervte Vocoderstimme erzählt vom gescheiterten amerikanischen Traum im Opener “American Dream Plan B“ – begleitet von einem heftigen distortion riff – aber dann heißt es im luftigen Refrain “I got a dream I’m gonna fight till I get it right“ – der Kontrapunkt ist gesetzt! Ab da gibt’s kein Halten mehr: „Fault Lines“ mit seinem flüssigen Basslauf, und einer total fiesen Campbell-Gitarre, die im Solo unfassbar dirty reinbratzt. Anschließend „Red River“ – knüpft an dem Trademark-Byrds-Sound des jungen Tom Petty an, mit einer Schippe Rock obendrauf – hätte auch auf dem Überalbum „Into The Great Wide Open“ super draufgepasst. Das ungewöhnlich jazzige „Full Grown Boy“ schleicht sodann um die Ecke – Benmont Tench mit seinem Bar-Jazz-Piano begleitet den gefährlich croonenden Petty, Mike Campbell mit Jazz-Licks dazu – toll. Aber dann muss es mit dem simplen Highway-Rocker „All You Can Carry” weitergehen, in dem ein Typ apokalyptische Visionen verbreitet – packt eure Sachen, „we better run!“ Und Mike wringt seine Gitarre ein weiteres Mal. Man könnte ewig weiterschwärmen, würde über „Forgotten Man“ schreiben, mit seinen goldenen Bo Diddley Anleihen, und den luftigen Jingle Jangle Gitarren; man würde schwärmen über das ruhige „Sins Of My Youth“ mit dem kleinen Latin-Touch; man würde den coolen Bob-Dylan-artigen Blues „Burnt Out Town“ bejubeln; man würde den grandiosen Schluss-Song über den grünen Klee loben, „Shadow People“, mit den Heartbreakers in ihrer ganzen Pracht, stark an „Breakdown“ angelehnt  – ein dunkel-faszinierendes Bild der Inhumanität der amerikanischen (und unserer?) Gesellschaft, wie es nur ein Ton Petty singen kann….

Der auch schon 63jährige Petty und seine ewigen Heartbreakers kehren mit „Hypnotic Eye“ ganz weit zurück zu ihren Roots mit ihrer coolsten und geradeaus rockendsten Scheibe seit vielen Jahren, mit der Tom Petty seine Einzigartigkeit, seine schiere Größe beweist. Dieser Tom Petty, der uns seit den 70ern mit seinem Näseln beständig begleitet, der uns dabei Songs für die Ewigkeit schenkte (Learning To Fly! American Girl! Free Fallin‘!) – dieser Petty ist noch nicht am Ende, und allein das macht das Leben lebenswert!

Album des Jahres.

5/5

Martin