KING 810 / Memoirs of a murderer (Roadrunner)

King 810 bei entertaim.net

Dem Presseinfo ist die Heimatstadt dieser Band zu entnehmen: FLINT (Michigan), die man offenbar in den US-Medien auch „Murder City“ als „Paradebeispiel einer fehlgelaufenden industriellen Monokultur“ nennt … Leben unter der Armutsgrenze, Survival of the fittest! Mmhh … vielleicht sollte sich Obama mal innenpolitischen Problemen widmen … Naja .. klingt aber irgendwie auch wie ein Teaser oder eine Rechtfertigung, die Musik bereits vorm Hören mit einer schweren Kindheit zu rechtfertigen. Es wird sofort deutlich, dass die Jungs von King 810 nicht nur stark von Slipknot inspiriert bzw. beeinflusst worden sind, sondern auszugsweise auch den Slipknot-Style ziemlich präzise adaptiert haben. Der Gesang erinnert mich (welch Wunder) an Slipknot, aber teilweise auch an Venom. Soundmäßig hat man sich hier nicht lumpen lassen und ein musikalisches Brett hingelegt. Die Songs sind zum Teil brachial-schleppend, teilweise zerfahren-diffus. Schwierig zu entscheiden ist natürlich die Dichotomie aus Gesellschaftskritik und Fischen nach Aufmerksamkeit, weil sich zerrütete Lebensverhältnisse in der Kindheit immer gut verkaufen lassen. Das ist nicht nur im Metal so, das weiß man auch von DSDS und anderen Casting-Shows. Aber betrachten wir nach dem Poem „Anatomy 1:2“ den weiteren Verlauf neutral und musikalisch, so haben King 810 auch einiges an Abwechslung zu bieten, z. B. das düster angehauchte „Eyes“. Man bekommt Slipknot nie so richtig aus dem Kopf, aber aufgrund der düsteren Facetten gefällt mir dieses Album dann doch besser als das weichgespülte Stonesour, weil es sich bei dieser Band dann doch authentischer anhört. 16 Tracks und eine Spielzeit weit über einer Stunde sind natürlich recht lang und man könnte auch Filler vermuten … nun, ich bin mir sicher, dass die Zwischenspiele und Poems ihre Daseinsberechtigung im Rahmen der Memoiren eines Mörders haben … vielleicht ist diese Theatralik aber auch ein wenig too much …. das kann man aber womöglich nur dann einwandfrei entscheiden, wenn man sich eingehender mit den Texten beschäftigt hat. Insgesamt bleibt ein Ausrufezeichen … könnte mit gut vorstellen, dass die Jungs noch durchstarten werden. Roadrunner an der Seite ist sicherlich keine schlechte Referenz.

3,5/5

Dennis Rowehl