KATAKLYSM / Karma, Politik und Texas

Kataklysm bei entertaim.net

Death Metal mit Tiefe und Substanz … The American Way, der Unterschied zwischen Texas und Kanada, die gesellschaftliche Verantwortung des Künstlers und die Bedeutung des Wortes „Freiheit“ …

Interview mit Jean-Francois Dagenais, von Peggy Schaller und A-K Melching, Bild mit freundlicher Genehmigung von Nuclear Blast

entertaim.net: Dies ist eine große Ehre für mich, das Interview mit euch zu machen. Denn ich mag euren schnellen, ungefilterten Death-Metal sehr und eure Songs beinhalten soziale Abgründe.

J.F.: Es ist natürlich für uns sehr wichtig, über die Dinge zu reden, die uns nahe liegen. Wir importieren in unseren Texte Dinge, die uns in unserem Alltag frustrieren. In der Death-Metal-Szene gibt es viele Bands, die sich lyrisch mit dem Thema Horror beschäftigen, aber das sind wir nicht. Statt dessen schreiben wir über die Dinge, die uns betreffen und für uns interessant sind.

entertaim.net: Lass uns über euer neues Album reden. Ich denke, einer der interessantesten Songs ist „The American Way“.

J.F. (lacht):

entertaim.net: Ich zitiere: „Dies war einst das Land der Träume.“ Ihr seid aus Kanada.

J.F.: Ja!

entertaim.net: Die USA ist euer Nachbar. Warum sind die US-Amerikaner so anders wie die Kanadier?

J.F.: Das liegt daran, dass das kanadische Sozialsystem sehr dem europäischen gleicht. Aber natürlich sich die USA und Kanada im Lebensstil sehr ähnlich. Ich z.B. lebe in Dallas, Texas, und ich fühle mich da sehr wohl. Für die Zukunft kann ich es mir sehr gut vorstellen, mehr auf das Land zu ziehen. Es gibt viele falsche Vorstellungen die USA betreffend. Die USA ist sehr liebenswert. Kanada ist viel europäischer. Wenn man in Montreal ist, denkt man, man wäre in Paris. Und wenn man in New York ist, fühlt es sich wie Amerika an. Wir haben den Song „The American Way“ gecovert, weil er im Original von Sacred Reich ist. Obwohl es ein älterer Song ist, ist die Aussage heute noch relevant. Es handelt sich bei dem Song nicht um eine Kritik an Amerika. Vielmehr geht es um Korruption in der Politik. Dieser Song wurde von Sacred Reich aufgenommen, als wir noch in unseren Band-Anfängen steckten. 2014 sind die Inhalte immer noch relevant. Mit unserer Band sind wir schon viel gereist und haben daher viele Länder gesehen. Man könnte denken, dass manche Länder besser sind als andere. Dem ist aber nicht so. Überall ist es gleich. Es gibt einige wenige, die über die Massen herrschen. Als einfacher Mensch hat man nur die Illusion von Freiheit, weil man sich nur innerhalb der von der Regierung vorgegebenen Parameter bewegen darf. Wenn man versucht, Dinge zu tun, die anders sind, bekommt man zu spüren, was vorgeschrieben wird, was man denken und tun soll. Und dies wird immer schlimmer. Diese Thematik behandeln wir auf unserem neuen Album.

entertaim.net: Der Song „The American Way“ enthält zudem die Stophe „Sieh nicht weiter als dein Fernseher.“

J.F.: Naja. Du kannst als einzeler Mensch nicht die Welt verändern und auch nicht als Band. Aber als Künstler finde ich es wichtig, dass man seine Meinung äußert. Als einzeler Mensch sollte man bewusste Entscheidungen treffen, die die Gesamtlage verbessern, weil es die Gesamtheit der vielen kleinen Dinge ist, die die Welt verbessert.

entertaim.net: Wie kam es zu dem Song „Kill the Elite“?

J.F.: Der Song ist schlicht entstanden, als wir alle im Proberaum waren und Maurizo aufstand und sagte: „Ich habe einen Text für diesen Song.“ Ich finde, dass der Text sehr gut zum Song passt. Als Gitarrist gefallen mir natürlich die Gitarren-Parts am besten, da diese recht komplex sind. Deshalb liebe ich es sehr, diesen Song zu spielen.

entertaim.net: Für das neue Album befindet ihr euch auf einer sehr langen Welttournee. Ihr ward bereits in Australien; sogar in Japan. In Europa hattet ihr 37 Konzerte innerhalb von zwei Monaten. Quasi ein Konzert pro Tag. Respekt. Hier noch etwas anderes: Was macht euch so stolz auf euer neues Album?

J.F.: Wir sind sehr stolz auf unser neues Album, weil es als Gesamtwerk stimmig ist. Es ist etwas kompelxer als die anderen Kataklysm-Alben und wir haben beim Schreiben der Songs versucht, über den Tellerrand zu schauen. Natürlich haben wir auch bewährten old-school Kataklysm-Stoff verwendet. Zudem haben wir Material verwendet, das schon in der Anfangsphase von Kataklysm entstanden ist, bislang aber nie verwendet wurde. Dies betrifft die schnellen Parts auf dem neuen Album. Wir haben auch versucht, Thrash-Metal-Elemente zu integrieren und uns auf musikalisches Neuland zu begeben. Mir gefällt der Sound von dem Album sehr gut; ich finde, dass die Aufnahmen sehr sauber klingen und dass es sich wie eine 2014-Version von Kataklysm anhört. Ich bin sehr stolz auf das Album, höre es mir immer noch an und hoffe, dass dies der Rest der Welt ebenfalls tut. Überall, wo wir die neuen Stücke gespielt haben, sind sie gut angenommen. Außerdem ist es wundervoll, um die Welt zu reisen und für ein begeistertes Publikum zu spielen, das extra gekommen ist, um uns live zu erleben. Indes ist es sehr schmeichelhaft, dass weltweit positive Reaktionen auf unser neues Album zu sehen sind. Für das neue Album werden wir uns bemühen, uns als Band noch mehr zu steigern. Das war immer das Anliegen von Kataklysm: Sich zu verbessern. Ich hoffe, dass dies allem Menschen auf der Welt ebenso geht. Das war immer die Formel von Kataklysm. Bislang hat das gut geklappt und ich hoffe, dass das so weiter geht. Wir haben viele verrückte Ideen. Geplant ist, dass wir im Februar 2015 wieder im Studio sind, um das nächste Album aufzunehmen. Dieses soll voraussichtlich im Sommer 2015 erscheinen, ehe die großen Festivals beginnen. Das ist unser nächstes Ziel.

entertaim.net: Kataklysm ist berühmt für seinen Northern Hyperblast. Oli ist der Schlagzeuger von Kataklysm seit letztem Jahr. Wie habe ihr Euch gefunden?

J.F.: Es lag nicht daran, dass Max nicht gut genug war. Wir hatten ein Konzert, das kurzfristig angesetzt wurde. Max konnte nicht, weil er zu einer Hochzeit eingeladen war. Oli spielt für eine Band namens Neuraxis und war auch schon mit Belphegor unterwegs. Nachdem er ein paar Mal eingesprungen war und wir ihn besser kennengelernt hatten, ist er zu einem Freund geworden. Da Max andere Termine hatte, haben wir Oli gefragt, ob er bereit ist, mit uns auf Tournee zu gehen. Wenn wir auf Tour sind, sind wir ohnehin alle gleichgestellt, weil wir im selben Boot sitzen. Wie verstehen uns alle gut. Mittlerweile sind wir alle auf derselben Wellenlänge.

entertaim.net: Eure nächsten Konzerttermine sind in Südafrika. Wie kam es dazu?

J.F.: Die Organisatoren von den Konzerten hatten uns eingeladen. Sie waren sehr vehement. Der Vorverkauf der Tickets ist bislang gut verlaufen. Zudem haben die Organisatoren eine Rundfahrt für uns geplant, um das Land besser kennenzulernen. Wir werden eine ganze Woche dort sein. Die Konzerte finden nur an zwei Abenden statt. So haben wir Zeit, uns umzuschauen.

entertaim.net: Was bedeuten Freiheit, Gerechtigkeit und Wahrheit für dich?

J.F.: Wahrheit heißt für mich, sich selbst treu zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen. Seit der Geburt wird man von der Gesellschaft und den Werten seiner Eltern sowie vom Bildungssystem in eine Rolle gedrückt, die profitabel für die Gesellschaft ist. Für mich bedeutet Freiheit einfach, nicht unbedingt dagegen zu gehen, aber sein eigenes Leben zu führen. Wenn man sich z.B. entschließt, keine Kinder zu haben, sollte das akzeptiert werden. Freiheit ist für mich, dass man in der Gesellschaft seine Niesche findet, Geld verdient und etwas tut, das einen glücklich macht. Mit seinen besten Freunden auf Welttournee zu gehen, dabei genug Geld zu verdienen, um seine Rechnungen bezahlen zu können, ist natürlich ein wahr gewordener Traum. Das ist es, was für mich Freiheit bedeutet.
Gerechtigkeit ist, dass jeder das bekommt, was er verdient. Ich weiß natürlich, dass die Welt nicht gerecht ist. Aber ich hoffe, dass es eine Kraft gibt, die dafür sorgt, dass Personen, die Gutes tun, Gutes widerfährt und dass Personen, die Schlechtes tun, nichts Gutes widerfährt. Ich glaube, dass das System, wie es im Moment ist, Ungerechtigkeit voraussetzt. Es wäre schön, wenn man ein paar Dinge ändern koennte, damit es gerechter zugeht. Wenn man ein positiver Mensch ist, zieht man auch positive Dinge an.

entertaim.net: Die Medien stellen Texas als einen sehr konservativen Staat dar. Wie lebt es sich als Kanadier in Texas?

J.F.: Kanadier und Texaner sind sich eigentlich recht ähnlich, da sie in ihrer Grundeinstellung sehr stolze Menschen sind. Natürlich gibt es in Texas viele Kirchen. Im Gegensatz dazu aber auch sehr viele Freigeister. Die Texaner sind sehr stolz auf ihren Staat und wollen sich von anderen nicht vorschreiben lassen, was sie tun oder lassen sollen. Texas hat auch eine sehr große Metal-Gemeinschaft. Eigentlich ist alles riesig in Texas. Außerdem finde ich den Latino-Einschlag in Texas sehr gut. In Kanada ist es z.B. sehr schwer, leckeres Tex-mex zu bekommen. Zudem ist Tex-mex billig, was mir als Musiker auch wichtig ist. In Texas kann ich meinen Dollar länger strecken, was unter auch daran liegt, dass die Steuern niedriger sind.

entertaim.net: Ihr habe eine spezielle Beziehung zu Deutschland, da ihr bei Nuclear Blast unter Vertrag seid.

J.F.: Ja, das ist vollkommen richtig. Nuclear Blast waren die ersten, die so wirklich an uns geglaubt haben. Ohne sie wären wir heute nicht dort, wo wir sind. Dafür sind ihnen sehr dankbar.

entertaim.net: Vielen Dank für das Gespräch:

J.R.: Ich bedanke mich.

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