RISE AGAINST / BLACK MARKET, SOCIAL ISSUES AND STUFF

RISE AGAINST bei entertaim.net

Es gibt noch Hoffnung. „The Black Market“ konnte sich doch tatsächlich wieder einmal ein Deutschland durchsetzen, was bedeutet, dass textlicher Tiefgang doch noch nicht auf taube Ohren stößt. Statt „ATEMLOS“ gibt es den „Eco-Terrorist in me“! Großartig! Aber tatsächlich gehört Deutschland zu den stärksten Märkten von RISE AGAINST und endlich gibt es mal wieder eine (mittlerweile Mainstream)-Band (wenngleich im Punk Rock Segment), welche keine Angst vor der öffentlichen Meinung hinsichtlich politisch-sozialkritischer Statements hat und darüber Songs macht, was sie für richtig hält. Lobenswert in diesem Kontext auch die Würdigung der Arbeit von Paul Watson! Aber auch musikalisch haben Rise Against wieder mal wieder ein reifes Album hingelegt; Grund genug für ein Gespräch mit Bassist Joe Principe über relevante Themen!

Interview: Dennis Rowehl / Bild mit freundlicher Genehmigung von Oktober Promotion

entertaim.net: Ihr habt erst kürzlich euer neues Album „The Black Market“ veröffentlicht. Wie war bislang die Resonanz und seid ihr zufrieden?

Joe: Absolut. Wir waren wirklich aufgeregt und konnten es nicht abwarten, dass dieses Album veröffentlicht wird. Es mag sich vielleicht etwas überheblich anhören, aber ich habe eigentlich auch mit einer positiven Resonanz gerechnet, denn ich finde, dass es das beste Rise Against-Album überhaupt ist. „The Sufferer and the Witness“ war bisher mein Lieblingsalbum, aber bei „The Black Market“ konnten wir noch eine Schippe drauflegen.

entertaim.net: Wenn man sich im Punk Rock-Segment befindet, hören sich viele Bands ähnlich an. Zweifelsohne hat Rise Against einen Unique-Style entwickelt, aber ist es nicht schwierig, in diesem Genre immer neue Songs zu schreiben, die sich tatsächlich unterscheiden?

Joe: Eigentlich nicht. Darüber denken wir auch nicht nach. Wir haben einen eigenen Sound, der natürlich auch etwas mit Tims Gesang zu tun hat und in unserem Stil schreiben wir die Songs.

entertaim.net: Was kommt zuerst bei euch? Die Musik oder die Texte?

Joe: Ich würde sagen, zu 99% erst die Musik … und die Texte entstehen aus den Vibes der jeweiligen Musik. So ist es meistens.

entertaim.net: Ihr seid für eure kritischen Texte und euer Engagement für Sea Shepherd und Paul Watson bekannt. Aber von den „großen“ Bands gibt es nicht viele, die ein hohes Engagement für Tiere und die Erhaltung der Umwelt tun. Womit hängt das deiner Meinung nach zusammen?

Joe: Ich kann da nicht für andere Bands sprechen, aber es liegt wohl in der Natur der Sache, dass Bands sehr unterschiedlich sind. Wir sind ja auch mit Bands aufgewachsen, die nur Parties feiern wollten und mit Kritik wenig am Hut hatten. Das ist aber nicht unser Ding. Wir interessieren uns sehr für die Sachen, die uns umgeben und die falsch laufen. Und darüber schreiben wir unsere Songs mit Botschaften.

entertaim.net: Insbesondere im Hip Hop fällt auf, dass es mehr um Statussymbole geht, als um soziales Engagement. Pelzmäntel statt Engagement für Tiere. Woher kommt das?

Joe: (lacht) Ich denke, in jeder Sparte gibt es Bands mit sozialem Engagement und die sich mit wirklich wichtigen Themen beschäftigen. Im Hip Hop-Bereich fällt mir da spontan PUBLIC ENEMY ein. Aber auch in anderen Sparten wie Metal, Hardcore gibt es viele Bands mit kritischen Texten …

entertaim.net: … wie zum Beispiel GOJIRA, die ebenfalls Sea Shepherd unterstützen …

Joe: … richtig, aber wie du schon sagtest, der Mainstream … vor allem im Hip Hop … befasst sich mit oberflächlichen Dingen wie Statussymbolen uns so’n Zeug.

entertaim.net: Ihr gehört seit einigen Jahren auch zu den großen Acts, insbesondere in Deutschland und den USA habt ihr großartige Chartplatziereungen erreicht. Hast du dich persönlich verändert und spielen Statussymbole wie fette Autos eine Rolle in deinem Leben?

Joe: (lacht) Ich denke nicht. Ich bin immer noch derselbe Mensch, der ich vor unserem Durchbruch war … und übrigens … ich fahre einen Jeep (lacht). Statussymbole sind Dinge, die irrelevant sind. Ich gehe gerne auf Gigs von Nachwuchsbands und auf kleine Konzerte und unterhalte mich normal mit den Leuten. Die wichtigen Dinge im Leben haben nichts mit Statussymbolen zu tun.

entertaim.net: Kommen wir nochmals auf Sea Shepherd zu sprechen. Viele Schiffe sind nach den namen der Sponsoren benannt: Bob Barker, Brigitte Bardot, Steve Irwin. Wann gibt es die „RISE AGAINST“? Jetzt, wo ihr erfolgreich seid …

Joe: (lacht) Hey, das ist wirklich mal eine gute Idee! Wir haben großen Respekt vor dieser Organisation und Paul Watson, deshalb unterstützen wir sie auch, so gut es geht. Aber die Idee mit dem Schiff gefällt mir, daran hab ich noch gar nicht gedacht.

entertaim.net: Wenn du Präsident der USA wärest und die Möglichkeit hättest, 3 Gestze zu erlassen, die dann auch tatsächlich umgesetzt werden müssten, was wäre das?

Joe: Jetzt auf die USA bezogen?

entertaim.net: Ja.

Joe: Als erstes würde ich eine universelle Krankenversicherung einführen. Versuche wurden bereits gestartet und die stießen auf starken Widerstand. Aber ich halte eine gesetzliche Krankenversicherung für alle Bürger für unerlässlich. Als zweites würde ich das Budget für die Bildung erhöhen und musikalische Erziehung fördern. Bildung ist der Schlüssel und die Förderung der Schüler, ein Instrument zu erlernen, wäre ein Meilenstein für die Entwicklung unserer Kinder. Drittens …. ich denke, ich würde Marihuana legalisieren, denn es ist eine Schande, wieviel Steuergelder damit verplempert werden, diese so genannte Kriminalität zu bekämpfen. Verstehe mich nicht falsch, ich rauche das Zeug nicht, aber ich halte es auch nicht für gefährlich. Wir haben es geschafft, Zigaretten von öffentlichen Plätzen fernzuhalten und man sollte auch nicht in der Öffentlichkeit Marihuana rauchen, aber warum denn nicht zuhause. Das stört doch keinen. Man sollte die Steuergelder und die Starfverfolgung sinnvoller nutzen.

entertaim.net: Joe, vielen Dank für das Gespräch und noch viel Erfolg bei der Promo und der anstehenden Tour!

Joe: Vielen Dank zurück und Gruß nach Deutschland!