MESSENGER / Illusory Blues (Svart)

MESSENGER / Illusory Blues (Svart) bei entertaimnet

Eins vorab: natürlich ist dies kein Bluesalbum. Vielmehr das Debut der englischen Band (London based, what else?) MESSENGER, und ein fantastisches dazu! Das wohlbekannte SVART-Label aus Finnland hat zugeschlagen und präsentiert den Fünfer als homogene Folk-Prog-Psychedelic-Einheit. Wir finden ein folkbasiertes Album vor, das Referenzen an die elegischen Seiten von MIDLAKE anklingen lässt, oder auch mal an KING CRIMSON und RADIOHEAD erinnert. Hört sich erstmal komisch an, kommt aber saugut wie im Opener “’The Return”: eine Ode an die Natur, in der Prog-Flöten (herrlich! so uncool!) über gezupfte Akustikgitarren schwirren, während im Background eine Hammond orgelt – und sich dann ein heavy Riff herausschält, während Khaled Lowe (voc, g) auf einmal mit James Morrison klingt. Hat jemand PINK FLOYD anno 69/70 gerufen? Jau! Aber dann ‚Piscean Tide‘ – voller Streicher und Harmonien, und genialer Akustikgitarren und einem Tribal-Drum-Rhythmus. In den Songs passiert soviel Feines, dass man Seiten schreiben könnte. Die ganze Geschichte der (guten) alten Rockmusik scheint hier durch, von den Psychedelic-Rock-Anfängen der 60er bis zu den Prog-Giganten der 70er. Gewandet im modernen Kleid, mit herausragenden Vocals und 1A Instrumentierung. “Dear Departure” entführt in entlegenste Radiohead-Gegenden, die Drums knallen wie bei Bonzo, der Gesang jedoch engelsgleich, elektronische Noise-Fetzen unterbrechen den Song, danach geht’s in Moll weiter: große Kunst. Jetzt wird mir auch klar, warum diese Band gerne in Kirchen auftritt, siehe aktuelle Tour: die Stimmung des Albums ist eher pastoral, harmonisch, träumerisch, meditativ. Der Einsatz der Streicher und die immer wieder hereinbrechenden heavy Led Zep-Drums und Gitarren erinnern mich konzeptuell und stimmungsmäßig an die unvergessenen THE TEA PARTY aus Kanada (minus deren orientalische Einflüsse). Toll auch: die Aufteilung der Songs in Seite A: und Seite B: Vinyl mitgedacht! Wer das 9minütige Meisterwerk „Midnight“ überstanden hat – ein Song der in guter Prog-Manier anscheinend aus 5 verschiedenen zusammengesetzt ist und alle paar Minuten komplett anders klingt, von LED ZEP bis RADIOHEAD bis MUSE, kann nur begeistert den Daumen heben.

Wer auf progressive / psychedelische Folkrock-Musik steht, wer z. B. den Sound von MIDLAKE mag, muss MESSENGER aus London sofort eine Chance geben. Es gibt wenig interessantere, aufregendere Bands derzeit! Großtat!

5/5

Martin Hannig

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