MOTORPSYCHO / Behind The Sun (Stickman)

Manic Street Preacher

MOTORPSYCHO erfinden sich ständig neu und produzieren fast im Jahresrhythmus neue Karriere -Highlights. Kontinuierlich verarbeiten sie seit Beginn der 90er Spacerock, Prog, Metal, Psychedelic, Indie-Pop, Country und Jazz zu einem ganz speziellen Sound, den man nach wenigen Sekunden erkennt. Die legendären Alben hier aufzuzählen hieße Eulen nach Trondheim zu tragen. Was allein in den letzten 4 Jahren an divergenten, ausufernden Meisterwerken entstand, schaffen andere in 20 Jahren nicht.

Mit „Behind The Sun“ nutzt die Band einen Großteil der übrig gebliebenen Ideen vom „Unicorn“-Projekt. Das Album braucht eine gewisse Zeit, um sich in die Gehörgänge zu winden – denn es gibt wieder viel von vielem. Der Beginn kommt eher verträumt daher, vor allem „Ghost“ – in der Bent croont, begleitet von flirrenden Streichern in einer berückenden Melodie. Bei „On A Plate“ geht’s dann erstmals deftiger zu Werke: eine Hendrix-artige Gitarrenlinie zieht das Regiment an sich – Psychedelic heavy Rock at it‘s best mit geilem Solo. Ist 1968 oder 2014? Egal, der Song könnte in beiden Jahren erschienen sein. In die gleiche Spur wird „The Promise“ gesetzt, dessen Riff an die frühen Monster Magnet erinnert, und in dem Bent furios den Bass spielt. Neben diesen konzisen Rockern gibt es aber auch die Abteilung anspruchsvoller und komplexer. Das Instrumental ‚Kvaestor‘ darf als absoluter Höhepunkt der Platte gelten: heavy riffing und völlig manische Drums treiben hier 7 Minuten durch viele Breaks voran, während ständig eine industrial noise Kulisse unter dem Song liegt – ein irrer 70er-Jahre-Psycho-Rock-Trip, der sogar für Motorpsycho Verhältnisse unglaublich ist. Man fragt sich anschließend: was war’n das jetzt? Nur um dann dem nächsten Highlight lauschen zu dürfen: “Hell Part 4-6”, ein progressives Stück, das mit gruseligen Streichern beginnt, gefolgt von einem ruhigen akustischen Abschnitt. Das ganze wächst sich dann in den nächsten paar Minuten zu einem Groove der besonderen Art aus, mit Bents unnachahmlichen Bassläufen und zweistimmigen Gitarrensoli. Düstere Synths und Streicher, verfolgt von einer akustischen Gitarre, unterbrechen plötzlich den Song ab Minute 5 – bis er sich die nächsten 7 Minuten langsam emporschraubt und in spacigen Improvisationen endet. Dieses Stück ist ein Meisterwerk und einer der besten Tunes in der riesigen Bandgeschichte – zweifellos!

Das härteste Stück ist dann das epische Finale “Hell, Part 7: Victim Of Rock” (was für ein Titel!!), mit vielen Improvisationen über den typischen Motorpsycho-Stakkato-Riffs gibt’s voll auf die Ohren, während die Vocals – untypisch meist im Chor – den Track ungemein lautstark nach vorn peitschen. Das kennt man vom ersten Teil der „Hell-Saga” von “Still Life With Eggplant” – womit der große Kreis dieser Alben hier folgerichtig geschlossen wurde.

Es gibt nicht viele Bands, die ihr Material in so hoher Qualität, für eine so lange Zeit beständig liefern. Der Wille zum Experiment, zum Brechen von Formeln ist immer noch da – dennoch erkennt man einen Motorpsycho-Song schon von weitem. Cool, das mit Reine Fiske ein zweiter Gitarrist nun hoffentlich als ständiges Mitglied dabei ist. Dieses Album gehört – genau wie die meisten anderen Platten der Band – in die Sammlung eines jeden Rockfans – im Segment psychedelic hardrock gibt’s nichts Besseres.

5/5

Martin Hannig