MOTORJESUS / Dicke Hose, fette Autos? / Electric Revelation! / Interview mit Chris

Motorjesus bei entertaim.net

Chris, seines Zeichens Sänger von MOTORJESUS, dem niederrheinischen Hardrock-Monster, das vor 3 Jahren mit „Wheels Of Purgatory“ eine vielbeachtete Breitseite unters Headbanger-Volk mischte,  im Interview vor dem Gig im Kölner Underground: über seine musikalischen Einflüsse, über seine erfolgreich überstandene Leidenszeit, die zu einer Auszeit für die Band führte, über das neue fette Album „Electric Revelation“, anlässlich dessen Veröffentlichung MOTORJESUS mit EAT THE GUN im Doppelpack tourt.

Interview von Martin Hannig / Bild mit freundlicher Genehmigung von Anger Management

 entertaim.net: Ihr spielt diese kleine Tour jetzt mit 2 Headlinern, kann man das so sagen?

Chris: Das ist eigentlich so’n Kumpelding, es geht nicht um „der macht den Headliner, der nicht“. Wir sind ja mit EAT THE GUN ganz gut befreundet, und sehen das ganz sportlich. Wir kennen uns Ewigkeiten. Unsere Bands sind ungefähr gleich lang unterwegs, und wir haben ungefähr gleich viele VÖs gehabt. Wir haben eine ganze Zeit nur mal sporadisch zusammen gespielt. Letztens hab ich mal den Hendrik hier im Underground  getroffen und wir haben ein bisschen geredet und kamen dann auf die Idee zusammen mal eine Tour zu planen. Jetzt hatten die gerade `ne frische Platte im Oktober und wir jetzt mit der neuen Scheibe, das passte jetzt halt. Und der Hendrik hat ja auch eine Booking-Agentur und hat damit immer auch die Business-Seite gut im Blick.  Und mit GLOOMBALL macht`s auch Spaß, sind auch nette Jungs.

entertaim.net: Spielt ihr durch diese Doppel-Konzerte ein kürzeres Set?

Chris: Dadurch dass wir so viele Läden in der Woche spielen, so wie heute hier im Underground, ist halt immer Curfew, die haben dann entweder Discobetrieb oder schon zu. Deswegen müssen die Zeiten meist sehr beachtet werden. Meistens können MOTORJESUS und EAT THE GUN dann jeweils eine Stunde spielen. Aber ein Stündchen Musik machen und drei Bands, das reicht ja auch für unter der Woche. Und so jetzt direkt nach Karneval ist es auch ein sportliches Programm. (lacht) Naja und gerade hier in Köln hast du auch ein Riesenangebot, du kannst hier jeden Tag `ne Band sehen.

entertaim.net: Eigentlich ist nach Karneval ja auch livemäßig immer so’n dicker Durchhänger, hier in Köln müssen sich alle erstmal erholen…

Chris: Ja, dadurch dass wir `ne ganzeZeit gar nicht mehr live gespielt haben, merken wir jetzt auch sofort, was geht überhaupt an der Livefront unter der Woche! Ist ein bisschen spannend, mal schauen, was nun passiert auf der Tour. Aber sind ja auch nur 5 Dates, mehr so’n Spaßprogramm. Frankfurt gestern war übrigens gut, knapp hundert Karten, und dieses „Nachtleben“ ist ja auch sehr klein, war ok gefüllt und vollkommen in Ordnung für so’n Aschermittwoch. Waren auch ein paar Leute nur wegen uns da, da merkt man schon wenn gerade ein frisches Album draußen ist und die Leute sehen „ah die Band ist bei uns in der Ecke, lass uns mal hingehen!“ Macht schon viel aus wenn du zeitnah am Veröffentlichungstermin der Platte auf Tour gehst.

entertaim.net: Viele sprechen ja vom Bedeutungsverlust der Alben generell, in Zeiten der Downloads von einzelnen Songs. Scheint aber für euch doch weiterhin wichtig zu sein, was eure Gigs angeht.

Chris: Wenn ich mir überlege, die Platte wäre ein halbes Jahr alt, dann wär das für die Leute doch nicht mehr so spannend, uns zu sehen. Kann ich aber nicht so einschätzen. Ich finde es ja auch als Fan gerade sinnvoll zu sagen: die Platte kommt raus, und dann hast du in der Nähe ein Konzert, da geh ich dann hin. Der Name ist dann gerade präsent, und für die Leute ist es wohl einfach attraktiver. Zum Beispiel EAT THE GUN, die hatten ihre Scheibe im Oktober raus, und die merken es schon ein wenig, dass das Interesse so ganz langsam abflaut.

entertaim.net: Du hast gestern auf Facebook gepostet, dass ihr mit der neuen Platte auf Platz 60 der Charts eingestiegen seid. Habt ihr euch gefreut? Wie war das denn früher?

Chris: Also wir haben früher nie in den Charts gestanden. Auf der einen Seite ist es eine Resonanz darauf, dass wir schon 14 Jahre Musik machen. Davor liegt ja auch ein langer Weg mit vielen Ups and Downs. Letzten Endes bedeutet es nur, dass ein paar Fans sich das Album gekauft haben, was generell toll ist, und dafür sind wir auch super dankbar.

entertaim.net: Also eher das Motto: wenn man lang genug durchhält….

Chris:… zahlt sich das irgendwann aus.

entertaim.net: Ich finde euer Name ist ja auch dermaßen prägnant, allein das ist ein Faktor, dass man sich an euch immer erinnert.

Chris: OK. Kann sein. Ich steck da zu tief drin (lacht). Das ganze Artwork, der Jesus, das ganze Image, die Texte – das passt halt auch alles zusammen. Soll ja auch so sein. Wir hießen ja vorher SHITHEADS (lacht) – und der Name war auf jeden Fall nichts. Da ist MOTORJESUS klar die bessere Wahl!

entertaim.net: SHITHEADS hört sich eher nach Punk an…

Chris: Haben damals auch immer viele gesagt: was macht ihr denn für Musik, ihr macht doch bestimmt so Punkrock! Dann mussten wir den Leuten erstmal erzählen, dass wir eher aus dem Stoner-Genre kommen. War immer kompliziert. Und mit MOTORJESUS war es allein durch das Wort „Motor“ einfacher. Das impliziert schon Rock’n’Roll, Oktan, high energy rock. Da hast du direkt ein Bild. Oder MOTÖRHEAD – klar. Wir haben es aber nicht aus Kalkül zu MOTÖRHEAD gewählt. MOTORJESUS war ja ein Songtitel vom ersten Album.

entertaim.net: Vor dem neuen Album gab es ja ein sehr lange kreative Pause und mehrere Jahre keine neuen Songs. Es gab da eine Sache, die euch richtig rausgeschmissen hat aus der Bahn….

Chris: Ja, da haben uns unterschiedliche Dinge rausgeschmissen. Wir haben unheimlich viel live gespielt zu dem letzten Album „Wheels Of Purgatory“. Lange Tour, überall gespielt, hier auf dem Festival, da auf dem Festival. 2012 hatten wir dann das nächste Album vorbereitet und wollten auch zügig mit durchkommen. Dann ist mir leider meine Gesundheit in die Quere gekommen.  Ich musste relativ kurzfristig und hauruckmäßig am Herzen operiert werden. Das war nicht so schön. Ich wusste aber schon immer, dass ich irgendwann mal dran operiert werden musste, ich habe einen angeborenen Herzfehler, das war mir schon bekannt. Aber ich hab das für mich immer so kalkuliert, dass kommt dann erst mit 50 oder so, also  immer von mir weggeschoben. Hab da solange nicht drüber nachgedacht, bis es dann doch akut wurde. Es war ein schleichender Prozess von ungefähr einem halben Jahr, und irgendwann geht’s dir dann ganz schnell ganz beschissen, und dann muss schnell was gemacht werden. Das hab ich dann hinter mich gebracht, ich bin dann im Saarland operiert worden bei einem Professor, der ein echter Spezialist dafür war, der hat mich dann gerichtet. Aber danach hat’s nochmal ein ¾ Jahr gedauert, du musst psychisch damit klar kommen, und dann mit Reha, Kondition aufbauen – die ganze Power ist ja nach so einer OP komplett alles auf Null.

entertaim.net: Dann war an Live-Shows nicht zu denken.

Chris: Nee das war absolut nicht drin. Ich hab aber zwischendurch in der Reha immer mal mit den Jungs geprobt und bin dann angefangen wieder an dem Album weiterzuschreiben.

entertaim.net: War es für die Band immer klar, dass es irgendwann weitergeht, auch mit dir?

Chris: Naja zwischendurch gab’s eine Phase, in der nicht ganz klar war, ob das nochmal funktionieren würde. Wir waren ja ziemlich aktiv, haben viele Konzerte gespielt. Und dann wieder auf 100 rauf, war schwierig, da mussten wir step by step alles wieder aufbauen. Sich rantasten, ranfühlen ob das wieder geht. Das haben wir ganz gut gemacht, erstmal langsam anfangen, etwas proben. Dazu hab ich meinen Sport und Reha gemacht. Als ich fit genug war haben wir angefangen das Album einzusingen.

entertaim.net: Wie war’s denn stimm-mäßig für dich? Ist ja auch eine Sache des Atmens…

Chris: Am Anfang war’s echt schwer. Die ersten 2, 3 Lieder die ich für’s Album einsang, da hab ich mir schon richtig einen abgebrochen. Da war ich auch ziemlich schnell kaputt. Das war dann learning by doing, mit jedem Studiotermin ging’s immer besser.

entertaim.net: Wie lange hat denn dann die Produktion gedauert?

Chris: Die Basics hatten wir im Februar 2013 aufgenommen, Gitarren, Bass, Schlagzeug, alles außer Gesang und Sologitarren. Dann gab’s diese lange Pause, und im September/Oktober 13 konnten wir weiterarbeiten. Wir haben uns aber auch echt Zeit mit gelassen bei der Endproduktion. Wir hatten eh schon Delay, und wir sagten uns dann, das Ding kommt raus wenn’s fertig ist. Das wär sonst Gift gewesen für das Album. Wir haben uns dann jemanden gesucht für die Gesangsaufnahmen, der da auch richtig fit drin war.

entertaim.net: Das war der Schwede?

Chris: Nee, der Dan Swenö, der hat nur den Mix gemacht – der hat den fertigen Kram bekommen und hat den gemixt. Hat er super gemacht. Der hat ja auch vorher schon gute Produktionen gemacht. Ich wusste dass er ein guter Typ ist und hatte auch ein paar Platten von dem zu Hause. Das wird schon was Vernünftiges werden, das war klar. War ein super Experiment mit dem Schweden. Mit dem Dennis habe ich die Gesänge aufgenommen. Der hat sich extra die Zeit für mich genommen, hat sich sehr viel Mühe mit den Vocals gegeben. Er hat mich auch im Studio ein bisschen getreten und gefordert. Er hat eine sehr gute und einfühlsame Art.

entertaim.net: Kannst du „Electric Revelation“ einordnen im Output der Band?

Chris: Na soviel haben wir ja noch gar nicht rausgebracht (lacht). 4 Alben und eine EP. Ist immer eine konsequente Entwicklung gewesen, finde ich. Wir haben so als Spaßkapelle angefangen die ein bisschen Stoner-Rock macht, und ein bisschen Schweinerock. Mit jeder Platte hat man sich dann entwickelt, die „Deathrider“ war ein bisschen metallischer, haben wir ein bisschen anderen Sound ausprobiert, das war eine spannende Phase, als wir rumprobierten, nach dem Motto, was kann man eigentlich noch alles in den Topf reinschmeißen? Bei der „Wheels Of Purgatory“ von 2010 haben wir dann den Sound gefunden. Da haben wir gesagt „dat isset, wir sind angekommen“, finde ich. Die ist ja auch ziemlich gut angekommen. Mit „Electric Revelation“ sehe ich das so, dass wir diese Tradition ein wenig weiterführen wollen.

entertaim.net: Was die Texte angeht, da geht’s ja sehr oft um Aufbruch, Wegfahren, Highways runterbrettern, dieses Freiheitsgefühl. Ich finde das hört sich erstmal typisch Amerikanisch an. Die haben ja auch diese langen Highways… Gibt’s da irgendeine Verbindung zu den USA?

Chris: Ach ja, man hat natürlich immer viele Amibands gehört. METALLICA, PANTERA, ALTER BRIDGE, oder auch NICKELBACK. Man guckt immer mal nach Amerika, aber wir orientieren uns da nicht dran. Wir mögen halt dieses Rock’n’Roll-Ding, dieses Highway-Ding, dicke Autos. Die Amis haben halt einfach die cooleren Autos (lacht). Die dicken spritfressenden Schleudern passen halt gut zu unserem Dicke-Hose-Sound. Aber ich finde immer, es muss auch authentisch bleiben. Wir haben einen Song gemacht „Back In The Action Car“, da geht’s gar nicht um irgendwelche V8-Schleudern, die wir ja alle angeblich fahren. Wir werden immer gefragt, ob wir auch privat diese Autos fahren. Wir fahren die natürlich nicht, wir fahren genau solche Ranzschleudern wie alle anderen, irgend so’n Daihatsu-Scheiß oder so `ne kaputte Dreckskarre (lacht). Wir nehmen das ja auch ein bisschen auf die Schüppe, machen immer einen auf dicke Hose, das ist aber immer mit einem ganz großen Augenzwinkern.  Ich glaub das wissen die Leute auch, dass das nicht so bierernst gemeint ist.

entertaim.net: Was waren eigentlich deine musikalischen Vorbilder früher, als du angefangen hast? Was hast du gern gehört?

Chris: Ich bin ja absolutes 90er Jahre Kind. Baujahr 78, in der 80ern war ich Kiddie, in den 90ern Teenager. Ich hab zwar auch IRON MAIDEN und so mitgekriegt in den 80ern, aber so richtig zu schätzen gelernt hab ich die viel später. 90er Jahre waren die Zeiten als man zum Dynamo gefahren ist, Bands wie BIOHAZARD, Crossover-Zeug, FEAR FACTORY, MACHINE HEAD, wie gesagt PANTERA, METALLICA – das war mein Ding. Nachher bin ich dann eher in die traditionelle Metal-Ecke gegangen, Richtung MAIDEN, und Classic Rock, heute höre ich viel so THIN LIZZY, und WHITESNAKE. Find ich schweinegeil. Da gibt’s ganz tolle Sachen zu entdecken. Zum Beispiel JUDAS PRIEST, hab ich auch mal für mich entdeckt, aber nicht die Painkiller-Priest, sondern die Hardrock-Judas Priest, „British Steel“. Total geile Dinger. Da muss man auch offen für sein, es gibt da so viel geiles Zeug zu entdecken!  Als Teeny hast du diese ganzen Perlen nie so wahrgenommen, da musste es hart und brachial sein. Dafür muss man erstmal in der Zeit zurückgehen. Ich hab dann später einen breiteren musikalischen Horizont bekommen. Ich kann auch nicht sagen, dass ich diese Mucke, die wir heute machen, total geil finde als Hörer. Mich langweilt es dann schon eher. Wenn man die Mucke selber macht, dann hört man sie gar nicht mehr so oft.

entertaim.net: Das geht wohl den meisten Musikern so, hab ich schon oft gehört! Was habt ihr in diesem Jahr noch vor?

Chris: Wir planen jetzt unseren ganz normalen Jahresablauf. Die Konzerte die wir gebucht haben, machen wir natürlich. Dann stehen Festivals an. Wir spielen auf dem Summer Breeze, auf dem Rock Hard, auf dem Dong Open Air. Dann noch ein paar Einzelkonzerte. Das ist terminlich festgelegt- Auf der anderen Seite mache ich nicht mehr gern so langfristige Pläne. Das kann sich doch alles immer schnell ändern, wie man ja bei mir gesehen hat. Mal schauen was die Zukunft bringt. So lange alle Bock haben und gut drauf sind und Lust auf die Band haben machen wir einfach weiter. Wir müssen ja nicht davon leben, das ist für uns ja mehr ein super Hobby und so wird es wohl auch bleiben.

entertaim.net: Danke dir für das Gespräch, Chris! Und jetzt viel Spaß beim Gig gleich….