Granada74 / Kontrollverlust (Finest Noise)

Granada 74 auf entertaimnet

Granada74 aus Köln beackern das Indierock-Feld mit viel Verve. Ihr drittes Album „Kontrollverlust“ beginnt mit dem Titelsong, einem Hives-artigen Punk-Riffrocker, der ordentlich reinknallt. „Disco“ startet als Dance-Rock a la Franz Ferdinand – und mündet in einem poppigen Refrain, bevor ein schräges Jazz-Saxofon-Solo ausgepackt wird. Sehr cool. Was allerdings schon hier auffällt, ist der manchmal etwas schwachbrüstige Sänger Andreas – seine Stimme geht für meinen Geschmack etwas unter oder klingt bei einigen Songs einfach zu dünn im Mix. „Nummer“ dann ist eine tolle Nummer über Handynummern :-), treibend und super Text – sowieso sind Granda74 dann am Besten wenn’s richtig knallt – wie auch in „Himalaya“. „Dax Republik“ ist echte Kapitalismuskritik und macht trotzdem richtig Spaß – das ist selten in unserem Land. Sogar ein bisschen Ska hört man in „Rebellion“  -mit geilem Disco-Bass am Ende und witzigen Synthie-Sprengsel.

Was die  Jungs – die ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben – super können: fette Gitarren reinbraten, und sehr eingängige Refrains schreiben, die beim ersten Hören schon hängenbleiben. Das ist mehr als die meisten zustande bringen. Da merkt man dass zwischen  Sportfreunde Stiller (zu nett) und Revolverheld (zu lasch) noch Platz für gut gemachte „alternative“ Rockmusik ist. Wer auf der Suche nach interessanter deutschsprachiger Rockmusik ohne allzuviel Experimente ist, sollte hier zugreifen. Nur das Cover der CD find ich … naja.

3/5

Martin Hannig