DIRTY DEEDS ‘79 / Maximum Spaß und die Platten im Tempel / Interview mit der AC/DC-Coverband

Dirty Deeds 79 Cover auf entertaim.net

AC/DC Coverbands gibt es unzählige – aber nur wenige schaffen es wie DIRTY DEEDS ‘79 aus Bonn, den  Groove der Hardrock-Urgesteine um die Brüder Young so originalgetreu zu treffen. Schließt man bei einem ihrer schweißtreibenden Gigs die Augen, meint man AC/DC anno „If You Want Blood“ vor sich zu haben: das markerschütternde Bon Scott-Double Alex (Double natürlich rein stimmlich :-), Vangus an der Angus-Young-Sologitarre, Kuta an der stoischen Malcolm-rhythm-guitar, sowie Bassist Holger und Drummer Gonzo, die dem Ganzen die nötige Cliff und Phil-Grundierung geben. Da auch die Instrumentierung dem Original nicht entgegensteht (z.B. Vangus mit seiner Gibson SG, Kuta mit seiner Gretsch), ist ein AC/DC-Fest der besonderen Art garantiert, wenn DIRTY DEEDS ‘79 spielen.

So auch beim diesjährigen Gig im Luxor zu Köln, Heimstätte vieler berüchtigter Dirty Deeds – Gigs. Fast 2 Stunden gabs auf die Ohren, vom krawalligen Powerage-Opener „Riff Raff“ bis zum finalen Brutal-Boogie „Rocker“. Für jeden halbwegs anständigen AC/DC-Fan  – und davon waren einige vor Ort – eine Pilgerfahrt zum schmutzigen Herzen dieser Heroen, schließlich gab es vorwiegend Songs aus der Bon Scott-Ära. Wer DIRTY DEEDS `79 noch nie live gesehen hat, dem kann gesagt werden: verkürzt die Wartezeit auf die nächste (letzte?) AC/DC-Tour, denn die DEEDS sind musikalisch eine Klasse für sich, dem Original mehr als nur auf den Fersen, sie spielen ihren dreckigen und schweren Rock’n’roll in kleineren Clubs als die Vorbilder, und ihre Shows sind der lebende Beweis, dass eine Coverband einerseits tierisch Spaß auf der Bühne haben kann, andererseits durch Authentizität und überdurchschnittliches musikalisches Können genauso eine Euphorie wie ihre Vorbilder verbreiten können. Immerhin gab es wilde Moshpit-Dances trotz etwas höherem Durchschnittsalter des Publikums – das will doch was heißen!

entertaim.net hatte die Gelegenheit, mit Sänger Alex „Panzer“ Kaiser und Drummer Gonzo kurz vor dem Gig zu sprechen.

Interview von Martin Hannig & Franky , Bild mit freundlicher Genehmigung von Dirty Deeds 79

entertaim.net: Alex, ihr spielt regelmäßig hier im Luxor, richtig?

Alex: Das ist richtig, wir spielen eigentlich seit ich dabei bin hier im Luxor, also seit 2002 da haben wir das 1. Mal hier gespielt. Einmal im Jahr. Zwischendurch haben wir auch mal im Bürgerhaus Stollwerck gespielt, im größeren Rahmen mit mehreren Bands, seit 3 Jahren aber wieder im jährlichen Turnus hier im Luxor.

entertaim.net: Wieviel Gigs spielt ihr denn ungefähr im Jahr?

Alex: So 20 bis 25.

entertaim.net: Ist für euch also ein Hobby-Projekt?

Alex: Richtig, davon können wir nicht leben. Aber wir können maximalen Spaß haben, was unsere Triebfeder ist.

entertaim.net: Euer Gitarrist ist ja auch bei Zeltinger aktiv, und dann gibt’s ja noch die Punkband….

Alex: Also Vangus ist nicht mehr bei Zeltinger. Er hat dort die letzte Platte fast komplett geschrieben. Er lebt insofern von der Musik als dass er auch Musiklehrer ist. Rein von den DEEDS könnten wir alle nicht leben. Kuta und Gonzo und Vangus haben früher bei Molotow Soda gespielt, und Vangus macht das auch nach wie vor. Die DEEDS sind für uns ein okay bezahltes wundervolles Hobby!

Gonzo: Dafür, dass es nur ein Hobby ist kommt schon manchmal was rein für uns. Wir müssen auch nicht auf der letzten Pelle existieren in so ’nem schimmligen Proberaum oder so. Wir können uns auch mal ein Hotel leisten.

entertaim.net: Das liegt ja auch daran, dass ihr nicht nur hier in der Region bekannt seid. DIRTY DEEDS 79 ist ja auch deutschlandweit durchaus ein Begriff, oder?

Alex: Ja, angesichts der Tatsache dass es AC/DC Coverbands wie Sand am Meer gibt – es gibt ja von keiner anderen Band mehr Coverbands! – ist es eigentlich erstaunlich. Wir haben schon oft in Hamburg gespielt bis nach Ibiza, in Minsk…

entertaim.net: Minsk!

Alex: Da hatten wir unseren größten Gig! 50-60.000 Menschen.

entertaim.net: Das war 2006 – hab ich bei Wikipedia gelesen… Wie seid ihr eigentlich ausgerechnet dahin  gekommen?

Alex: Durch einen Kulturaustausch zwischen der Stadt Bonn und Minsk konnten wir an deren Nationalfeiertag bei dem großen Fest auftreten. Als wir da waren dachten wir, wir sind die Beatles oder mindestens AC/DC (lacht).

entertaim.net: Weißrussland ist ja finsterstes Diktatorenland in Europa….

Alex: Viele Sachen waren sehr strange da.

Gonzo: Es ist dort eine gewisse Abgeschottetheit ekennbar. Sieht man z.B. an der Mode. Dafür dass wir im Internetzeitalter leben, war das aufällig, was die so tragen, welche Farben sie aussuchen. Daran merkt man dass es da irgendwelche mächtigen Filter gibt, die nicht alles durchlassen. Ich war früher ein paar mal in der DDR, und CSSR, und da war damals auch das Klima immer sehr hart, hat mich sehr daran erinnert. Und dann die Präsenz des Militärs dort, auch beim Gig, war schon heftig. Das ist für mich das Nordkorea der alten europäischen ehemals sozialistischen Staaten.

entertaim.net: Wir beide haben schon einige AC/DC Coverbands gesehen und natürlich auch das Original. Uns ist aufgefallen: wenn ihr auf der Bühne steht und eure Show rockt, dass ihr auch die gleiche Gestik, Mimik, Haltung einnehmt wie das Original. Z. B. der Rhythmusgitarrist Kuta hat genau die gleiche Haltung und das gleiche Stageacting wie der Malcolm Young. Ist das jetzt nur „Show“ – ohne das negativ zu meinen –  oder kommt das mehr oder weniger automatisch wenn man versucht das nachzuspielen?

Alex: Das kommt automatisch. Du darfst nicht vergessen wir sind selber totale AC/DC Fans. Bei mir hat der ganze Scheiß 1980 mit AC/DC und KISS angefangen. Wir machen das nicht – wie es heute bei vielen Bands der Fall ist – weil es ein gutes Geschäft ist, oder weil es angesagt ist, nein, wir machen das als Fans. Wir feiern dieses Jahr unser 25jähriges Jubiläum! Wir mache das weil wir es lieben! Du darfst auch nicht vergessen,  das ist ja auch viel Arbeit – 20 Gigs im Jahr heißt 20 Wochenenden, die du unterwegs bist, die du weg bist von der Familie, den Kindern…. Also das ist bei uns ein Automatismus, der kommt wenn du auf die Bühne gehst, mit den ersten Basstönen von „Live Wire“ bist du in dem Kanal drin. Und dann hast du auch die Bewegung von Phil Rudd in der Birne. Und der Kuta spielt den Malcolm, mit seinen Bewegungen geht hin zum Mikro, wieder zurück. Am deutlichsten wird’s beim Vangus, diese Bewegungen, ab und zu der Duckwalk… Das ist alles ein Habitus, in dem du fast automatisch drin bist. Klar schaust du 100 mal die DVDs von AC/DC  – wir sind Fans! Und haben das Glück dass wir das so ausleben können.

entertaim.net: Hast du denn außer Rock’n‘ roll noch andere „Dirty Deeds“…?

Alex: Ähhh, du meinst ob ich noch Alkohol trinke oder so? (Lacht) Nein ich bin ein Typ wie du und ich und liebe es, Musik zu machen mit der Band. Ich rauche nicht und trinke wenig. Wie dirty das ist, keine Ahnung (lacht).

entertaim.net: Ihr spielt ja relativ lange Shows. Musst du dich da stimm-mäßig drauf vorbereiten?

Alex: Nicht soviel wie man vielleicht denkt. Ist  ´ne Menge Routine dabei. Wenn wir nach der Sommerpause 2Monate nicht gespielt haben,  dann ist das schon der Fall. Aber so in der Saison muss ich mich 10 Minuten einsingen, ein paar Tonleitern, dann geht das.

entertaim.net: Wie oft probt ihr eigentlich  – ihr habt ja alle einen richtigen Beruf?

Gonzo : Also vor Gigs trifft man sich häufiger, ansonsten versuchen wir uns einmal die Woche zu sehen, was aber durch unsere Berufe nicht immer geht. Es geht ja darum dass man miteinander groovt. Das machen ja auch die großen Bands so – bevor die auf Tour gehen spielen die oft ganz kleine Clubs, und die hören sich dann teilweise furchtbar an, das wissen die auch, weil das ganz normal ist, dass man sich wieder aufeinander einschwingen muss. Aber wenn wir einen richtig großen Gig haben wie jetzt unser 25jähriges bei „Rhein in Flammen“, als letzter auf der großen Bühne, da werden wir auf jeden Fall richtig proben vorher.

Alex: Wir sind ja seit 13 Jahren on the road und sind super eingespielt. Wir mischen dann jedes Jahr 4, 5 Songs durch, die wir dann neu reinnehmen für die nächste Saison. Wir können ja aus knapp 50 Nummern auswählen, die wir grundsätzlich draufhaben.

entertaim.net: Jetzt haben wir hier mal echte AC/DC-Experten am Mikro – und wir wollen uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen eure Expertenmeinung zum Backkatalag von AC/DC festzuhalten. Ihr kennt die Songs auswendig und wahrscheinlich besser als alle anderen. Fangen wir doch bei „High Voltage“ an  …

Alex: Also grundsätzlich hat bei uns ja jeder seine Vorlieben. Was fällt mir zu High Voltage ein? 70er Jahre – der totale Dreck untern den Fingernägeln. Genial. Was soll ich sagen? Es ist echt schwer die Alben voneinander zu unterscheiden. Rudimentärer AC/DC Sound.

entertaim.net: „Dirty Deeds“ kam dann ein Jahr später.

Alex: Gehört für mich genau in die gleiche Kategorie.

Gonzo: Es gibt ja so Gruppen von Alben, und das gehört ganz klar zusammen.

entertaim.net: Auch „Let There Be Rock“?

Gonzo: Ja, das war meine erste Scheibe. Hab ich mir gekauft wegen des geilen Covers. Da kannte ich die gar nicht. Alle hörten Highway To Hell, die Scheibe fand ich auch geil aber alle hörten die. Und ich dachte so: „Scheiße, die Platte haben alle und die sieht blöd aus, jetzt nimm mal eine ältere Platte von denen, die keiner hat – die mit dem geilen Cover“. Ich finde das Cover einfach unglaublich – dieses Zombiegrün. Die alten, ausgelatschten, weißen Turnschuhe. Und die Fans an der Bühne ohne Sicherheitszäune, wo man so eng an der Bühne stand;  hinter dir drücken 1000 Leute und du vorne liegst fast im Koma. Und „Go Down“ ist dann das erste Stück gewesen, dass ich in meinem Leben auf Platte von AC/DC gehört habe und ich hab die direkt ins Herz geschlossen. Interessanterweise läuft „Go Down“ live gar nicht gut. Es gibt Songs die auf Platte echt grooven, und man kann sie auch ganz gut einüben und spielen, aber live funktioniert’s dann nicht. Das haben AC/DC natürlich auch gemerkt, deshalb haben die viele Songs, bei denen man denkt „wo sind die denn eigentlich?“ – die haben nicht gezündet live. Es gibt Nummern, die gehen so steil auf Platte, aber auf der Bühne geht’s nicht.

entertaim.net: Das war dann die letzte Platte mit Mark Evans am Bass. Nächste Platte war „Powerage“: da kam dann Cliff. Ich finde immer „Powerage“ ist total verkannt.

Alex:  Ja, höchst erstaunlich. „Powerage“ ist meine und Gonzos Lieblingsscheibe!

Gonzo: Beste AC/DC Scheibe ever. Die haben ein mega Tempo dort, auf die Schnauze, das ist noch nicht Punkrock, aber wenn die noch 5 Beats draufgelegt hätten… also richtig schnell.

Alex: Von „Powerage“ haben wir auch schon jede Nummer gespielt, egal ob „Gimme A Bullet“, oder „Damnation“, also auch so seltene Sachen.

Gonzo: Daneben gibt’s für mich nur noch eine weitere Scheibe in diesem Tempel: „If You Want Blood“, die Live-Platte danach. Das war immer die Platte, bei der die T-Shirts nass waren, nur vom Hören, und die hör ich heute noch genauso gern. Das auf Kopfhörer hören: das ist der beste musikalische LSD-Trip; dann sitzt man da und ist total erschöpft.

entertaim.net: Dann kam „Highway To Hell“, da kam ein neuer Produzent ins Spiel…

Alex: Das war meine erste AC/DC-Scheibe. Von daher ist die in meinem Tempel ganz oben. Wenngleich Powerage meine Lieblingsscheibe ist, ist Highway To Hell die Scheibe, mit der alles angefangen hat. Du kennst alles auswendig, erster Song – zweite Seite und so…  – und all die Sachen, die die du damit verbindest.

Gonzo: Ich hatte immer den Eindruck, dass das der Schlüssel war für AC/DC. Damit ging‘s ja los. Die war ja nicht nicht so’n weltweiter Mega-Erfolg wie die Back in Black. Das war ja dann später der „kommerzielle Tempel“. Aber mit Highway haben sie die Tür aufgestoßen. Zu den ganzen Mechanismen, Geschichten in der “Bravo“ usw.  War eine andere Produktion, mit Mutt Lange, war auch etwas poppiger, aber der neue Sound hat nichts kaputtgemacht.

entertaim.net:.. fette Drums…

Gonzo: Weißt du, wie die das gemacht haben? Weil die Snare so scheiße klang, haben die die Snare aufgenommen, dann abgespielt, und dann das Mikro vor‘ne Riesenbox gestellt und über das Mikro nochmal die Snare aufgenommen. Haben die dann 3, 4 mal gemacht, damit die überhaupt den Sound hinkriegen. Der Produzent dachte: „Was ist’n das für’n Typ. Was hat denn der für‘ne Scheiß-Snare?“ … Die Platte bleibt aber am Ende für immer verbunden mit dem Tod….

entertaim.net: War ein Riesenschock damals, und alle haben darüber gesprochen.

AleX: … und jeder dachte: das war’s , es ist vorbei. Und dass die dann so zurückkommen, so, mit diesem unfassbaren neuen Sänger, der ja bis heute bereut, diese Platte „Back In Black“ so eingesungen zu haben…

entertaim.net: Wieso, was meint er damit?

Alex: Dass er die Platte so extrem gesungen hat wie er sie gesungen hat. Hat Brian Johnson öfter mal gesagt. Weil er sich selber eine solche Messlatte gelegt hat, für die Touren danach, dass er sich dafür in die Eier beißen könnte. Er hat‘s damals drauf gehabt, aber damit dann 100 Konzerte auf der Tour zu singen, und das alle 2 , 3 Jahre, das ist schwer. Ich merk‘s ja selbst, wenn ich die Brian Johnson Songs von der Back In Black singe, und wenn ich die Intensität vergleiche mit den Bon Scott Songs, das ist echt ein Unterschied. Die sind unfassbar hoch, und mit diesem Dreck, total geil, aber echt eine Aufgabe! Ich weiß noch bei der ersten Probe damals – als ich beiden DEEDS einstieg, da sagten wir: „Wir müssen doch jetzt auch mal eine Brian Johnson Nummer bringen“. Und ich weiß noch, wie ich das erste Mal „For Those About To Rock“ probierte, im Proberaum vor 11 Jahren, und ich dachte: „ich sterbe“. Ich war danach 2 Tage heiser. Ich musste mich auf diese Art zu singen erst einstellen. Ich bin ja nicht Brian, ich muss das ja irgendwie darstellen. Am Anfang konnte ich 2 Brian Johnson Nummern singen, und dann war ich fertig mit dem Leben. Das ist erst über die Jahre gekommen, und die Jungs haben mich auch dahin getrieben, „machen wir noch einen und noch einen“… Das war bei uns immer ein Thema: wieviel Brian Johnson Nummern sind denn heut im Set? Heute singe ich 4 oder 5. Es ist immer noch durchaus anstrengend, ich muss dabei immer extrem aufs Atmen achten. Damit ich das technisch rüberbringen kann, diese Kopfstimme.

entertaim.net: „Back In Black“ war ja‘ne Riesennummer. Eines der besten Alben des Rock überhaupt.

Alex: Ein Meilenstein der Rock- und der Musikgeschichte, ganz klar.

entertaim.net: Danach dann „For Those About To Rock“ – fand ich jetzt nicht so gut, ich finde einige Nummern recht getragen, und das Konzept von Black In Black wurde hier breiter ausgewalzt…

Alex: Ich werde jetzt nichts Schlechtes über „For Those About To Rock“ sagen. Na klar, nach Highway und Back In Black ist das eine Platte, die sich aus gewissen Gründen unterscheidet von den beiden Vorgängern, das stimmt. Aber: der Titelsong ist drauf, und das ist immer der letzte Song bei jeder AC/DC-Show; dazu kam das Kanonen-Thema, das ja unsterblich verbunden ist mit AC/DC.

… wir hätten noch Stunden weiterplaudern können, aber der Auftritt nahte – so verabredeten wir uns für’s nächste Jahr: gleicher Ort, gleiche Stelle, um den Backkatalog weiter Revue passieren zu lassen.