Game Ove und die Spielfiguren / Ove, wenn und aber (Grand Hotel van Cleef)

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„Eine Bank im Rücken in der rechten ’n Becher Wein in der linken deine Hand – so soll das Leben sein!“ skandiert Ove Thomsen aus HH inbrünstig im Auftaktsong – eine liebevolle Betrachtung der Lust aufs Leben und des bohèmehaften Müßiggangs, die ein schöner Auftakt des Debuts vom Game Ove & die Spielfiguren ist. Seine Musik kann man wohl am ehesten als deutschen Country-Folk klassifizieren – jederzeit charmant werden Alltagsbeobachtungen und das Lebensgefühl der Twentysomethings in hochwertige Songs überführt. Zwischen Hoffnung und Bangen, Einsamkeit und Liebe und den Unvermeidbarkeiten der Beziehungskisten – schnodderig und klug hört sich das an, hanseatisch, aber oft auch mit einem netten Augenzwinkern dargeboten, somit nicht so knyphausen-larmoyant / träge wie bei einigen Kollegen (obwohl seine Stimme manchmal sehr nach Gisbert klingt).

Deutsche Singer/Songwriter haben es grundsätzlich schwerer als englischsprachige, wird doch jeder Text auf die Goldwaage gelegt, während andere einfach mit einer guten Melodie durchkommen. Ove kommt auf jeden Fall auch durch, weil seine Melodien meist hängenbleiben, seine Themen relevant sind und seine Textideen und Sprachspiele ungewöhnlich, witzig, ziemlich einzigartig sind. Game Oves Begleitmusiker können auch was (Sönke Torpus von Torpus & The Art Directors; Hajo Cirksena von den Frames), und die Produktion passt.

Den Proberaum, so hört man, hat die Band von Kettcar übernommen – und einen gewissen Einfluss der Hamburger Institution meine ich hören zu können vor allem in einigen getragenen Songs. Gerne hätte es des Öfteren etwas turbulenter zur Sachen gehen dürfen wie bei „Mexico“ – es macht Spaß, den Jungs beim Abgehen zuhören zu können.

Eine gelungene Sache, dieses Album – eines der wenigen deutschsprachigen Singer/Songwriter-Produkte, die man mehrmals durchhören kann ohne a) gelangweilt oder b) peinlich berührt zu sein. Gehört für mich mit Olli Schulz zum Besten was ich in den letzten Jahren gehört habe. Beste Zeile: „Geh ich halt Blutspenden, da wird man immer gebraucht…“

4/5

Martin Hannig

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