MOTÖRHEAD / Aftershock (UDR Music)

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Lemmy, zusammen mit Ozzy DIE Legende des harten Rocks, der Mann, der schon Hendrix die Gitarren getragen hat, der die Silver Machine bei Hawkwind steuerte, der Mann, der Motörhead IST, ist doch sterblich! Dem Tod gerade von der Schippe gesprungen, zwangsweise dem Nikotin und Jack Daniels-Cola Lebewohl gesagt, hatte er mit Phil und Mikkey nicht Eiligeres zu tun als das nächste Album – Nr. 21 – einzuspielen. Wer weiß wieviel Zeit noch bleibt! Ob er jemals wieder live auf der Bühne stehen wird, und ob er die anstehende Frühjahrstour überhaupt antritt, wissen nur die Rock’n’Roll-Götter – er selbst sagte kürzlich, dass es durchaus sein kann, dass er keine Show mehr spielen kann. Alben aber will er machen bis er ins Gras beißt! Hoffentlich möge das noch lang hin sein.

„Aftershock“ nun also: guter alter Motörhead-rockn’n‘roll der harten, schmutzigen Schule gibt’s wieder zuhauf. „Heartbreaker“ als Einstieg und dann „Coup De Grace“ sind perfekte Opener – so kennt man’s und so will man’s auch. Was gleich auffällt ist dass Lems Rickenbacker-Bass diesmal wieder stark in den Vordergrund gemischt ist – fast so präsent wie zu alten Overkill-Zeiten. Gut bei Stimme ist er immer noch, sein Trademark-Reibeisen wird mit den Jahren nicht schlechter!  „Lost Woman Blues“ ist der typische 12 bar blues auf dem Album und schon als 3. Song ein erstes Atemholen. Lemmy ist halt auch ein alter Bluesman, hat er schon oft genug bewiesen – und Phil kann ein geiles Bluessolo raushauen. Die letzte Minute wird das Tempo aber erhöht, und ZZ Top schauen La Grange-mäßig um die Ecke! „End Of Time“ – ein unglaublicher Killertrack mit einem dieser typischen Campbell-Riffs: “looking for an answer at the end of time….“ orakelt Lemmy. So geht’s weiter, über immerhin 14 Songs, eine Wundertüte für den Motörhead-Fan, während der Gelegenheitshörer keinerlei Innovationen oder Überraschungen vorfinden wird. Nur „Dust And Glass“ verlässt die altbewährte Formel: ein langsamer bluesiger Song, in dem Lemmy zeigt, dass er a) singen kann und b) einen Mörder-Bass spielt. Die Gangster-Story „Going To Mexico“ und alle anderen Tracks müssen aber auf 10/10 gehört werden!

Wer wollte es der Band im Jahr ihres 38jährigen Bestehens verdenken, wenn sie das machen, was sie am Besten können: schmutzig und hart rocken, bis der CD- bzw. MP3-Player glüht. Wer kann schon die am Ende nach der ewig gleichen Erfolgsformel „schnell, hart, Motörhead“ aufgebauten Songs der letzten Jahre auseinanderhalten? Will man das überhaupt? Wichtig ist nur, dass Lemmy seinen „Rickenbastard“ auspackt und die Band weiterhin neue Songs auf erstaunlich hohem Niveau raushaut, dass es eine wahre Freude für jeden Motörheadbanger ist. Wie immer:

4/5
(+ 1 Lemmy-Legendenpunkt!)

Martin Hannig

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