ROB LYNCH / All These Nights… (Grand Hotel Van Cleef)

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Rob Lynch ist einer aus der Garde der jungen Folkrocker aus dem UK, die in letzter Zeit verstärkt auf dem Kontinent Fuß fassen. Urenglisch wie sonst nur was – das ist seine Musik, die zwischen Folkrock und Pubrock changiert und jederzeit eine unglaubliche Lebensfreude verströmt. Der in London (wo sonst!) lebende Lynch machte vor kurzem als Support für Thees Uhlmann auf sich aufmerksam – kein Wunder, ist Thees doch gleichzeitg sein Labelchef! Beim Grand Hotel van Cleef weiß man seit jeher Qualität zu schätzen – und die gibt’s bei Lynch gleich en masse. Schon im ersten Song „31/32“ begrüßt einen ein gegröhlter Kneipen-Refrain, den man nicht mehr aus den Ohren bekommt. „All These Nights In Bars Will Somehow Save My Soul“ ist eine Platte, die danach schreit auf der Bühne gespielt zu werden – klar, bei dem Titel. Nicht umsonst herrscht über die ganze Spielzeit eine herrliche Pubrock-Atmosphäre – mit großen Background-Chören für große Melodien. Wie es sich für jeden guten Songwriter gehört, beherrscht Rob Lynch jedoch auch die leisen Töne, wie z.B. im lauschig gezupften „True Romance“. In „Stamford“ bringt er Erinnerungen an seine Heimatstadt in der Grafschaft Lincolnshire – remember „Wessex Boy“…. „Some Nights“ gar geht richtig zu Herzen, ein verdammt trauriger Song über einen endgültigen Abschied. Glücklicherweise gilt dann wieder: „Tonight we forget our problems, but in the morning we can work them out“ – es geht Lynch darum, jede Sekunde auszukosten („I keep this fire burning“), und seine Lebensfreude in seinen Songs zu vertonen. Wenn man überhaupt meckern will, dann über den manchmal etwas arg dünnen Sound, der Lynchs Band nicht angemessen zur Geltung bringt. Da muss nächstes mal mehr investiert werden.

Natürlich – und bei dieser Musik fast unumgänglich – muss man ständig an den großen Frank Turner denken. Fast jeder Song könnte so auf einem der älteren Turner-Alben vertreten sein. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Wer auf Folkrock mit viel Herz und großen Melodien steht, – also wer Turner nur ansatzweise toll findet, sollte hier zuschlagen.

3,5/5 

Martin Hannig

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